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über, und Furcht und Zittern hießen den Gottesdienst
einstellen.
Endlich am Montage nach Judika, das war der
dritte April, früh morgens, da die Not und die
Gefahr am größten, war Gott mit seiner Hilfe am
nächsten. Es kam nämlich von dem Generalmajor
Buck aus Greifswald ein Schreiben an seinen hiesigen
Adjutanten, worin er meldete, daß in der
Nacht des verwichenen Sonntags ein Kurier aus
Holstein vom Fürsten Menzikoff in Greifswald angekommen
wäre, welcher den Gegenbefehl überbracht
habe, daß die Plünderung aufgehoben, den Einwohnern
die weggenommenen Güter wieder erstattet
und die Einäscherung der Städte und des platten
Landes aufhören sollte. Diese unbeschreiblich
freudige Botschaft wurde den betrübten Einwohnern
sogleich bekannt gemacht, und der General Buck
langte des Nachmittags in Person an.
Die Ursachen dieses sehr erfreulichen Vorfalles
sind gar denkwürdig, und der ehemalige Schul-Rektor
Sprengel erzählt sie in seiner Einladungsschrift
vom 26. März 1754 folgendermaßen:
Der sächstsche Befehlshaber zu Greifswald, Generalmajor
von Saisan, meldete dem Feldmarschall
Grafen von Flemming nach Schleswig, daß der
Zar zwei Offiziere nach Anklam mit der Verordmung
gesandt hätte, daß diese Stadt, wie Gartz und
Wolgast, geplündert und verbrannt werden sollte.
Flemming führte damals die Sachsen an, welche
nebst den Russen und Dänen, die Festung Tönningen
vom 14. des Hornung bis zum 16. des Maimonats
belagerten. Der König von Dänemark,
Friedrich IV., war selbst in diesem Lager gegenwärtig.
Zu diesem begab sich sogleich der Feldmarschall
und stattete von dem Inhalt des gedachten
Schreibens Nachricht ab. Der König sprach gleichdarauf
mit dem Fürsten Menzikoff, der damals in
Abwesenheit des Zaren das russische Kriegsheer anführete.
Er fragte ihn, warum der Zar befohlen
hätte, daß die Städte in dem schwedischen Pommern
geplindert und verbrannt werden sollten? Der
Fürst antwortete: daß es desfalls geschehen sollte,
weil Altona in die Asche gelegt worden wäre.
Hierauf versetzte der König: Altona gehört mir zu.
Jch will deshalb meine Genugtuung schon zu
suchen wissen. Der Zar darf sich darum nicht bekümmern.
Er verlangte zugleich, daß der Fürst den
gemessenen Befehl stellen möchte, daß solches unsehlbar
nachbliebe. Der Fürst entschuldigte sich und
schützte vor, daß er das Gebot des Zaren bei Verlust
des Kopfes nicht umstoßen könnte. Hierauf
wupnde der König zornig, schlug voller Eifer hart
auf den Tisch und sagte: So will ich es nun nicht
haben. Allein dieses half nichts. Menzikoff blieb
unbeweglich, und der König begab sich von demselben
zornig weg. Gleich nachher
die söächsischen Generale von Flemming und die
Herreir von Hallard und von Klesewetter zu dem
russischen Fürsten von Dolgoruckt und stelleten ihm
eben dergleichen im Namen ihres Königs vor.
Unser Dommerland.
verfügten sich
Sie versicherten zugleich, daß der Römische Kaiser
und die Reichsstände es sehr übel empfinden würden,
wenn man ein so verderbliches Vorhaben an
dem schwedischen Pommern, als einem Teile des
römischen Reiches, ausführen wollte.
Da nun der Fürst Menzikoff auch ein Reichsstand
sei, so hätten die andern Generale die größte
Verbindlichkeit, denselben zu überreden, daß er
einen Gegenbefehl stellen möchte. Kaum hatten diese
selbigen Vortrag dem Fürsten getan, so wurde er
bestürzt und sagte: Er wolle sich darüber bedenken.
Des andern Tages frühe machte der Fürst dem
Könige seine gewöhnliche Aufwartung. Hier erging
an ihn sogleich die Frage: Ob er sich noch
nicht entschließen wolle, anderweitige Veranstaltungen
zu machen. Der Fürst gab zur Antwort: Er
wolle es endlich tun, wenn der König und der
Feldmarschall Graf von Flemming im Namen des
Königs von Polen ihm eine Schadloshaltung bei
dem Zaren, der sich zu derselbigen Zeit im Liefland
aufhielt, schriftlich geben, unterschveiben und
bestegeln wollten. Dies wurde sogleich in Erfüllung
gebracht, und darauf ging der Leutnant von der
Leibgarde von Werner, genannt Lamstorf, als
Kurier mit dem obengedachten Gegenbefehl an den
General von Buck nach Greifswald ab. Diese Nachricht
ist aus der Erzählung genommen, welche der
sächsische Generalmajor von Hallard dem Rate unserer
Stadt tat, da dieser jenen für geleistete gnädige
Fürsprache bei seiner Ankunft am 14. des
Wintermonats in selbigem Jahre öffentlichen Dank
abstattete.
Indessen, ehe der bemerkte Kurier ankam, wäre
die arme Stadt Anklam schon vor einigen Tagen in
die Asche gelegt worden, wenn nicht die göttliche
Vorsehung eine andere erhebliche Begebenheit zugelassen,
und dieselbe zu einem heilsamen Endzweck
geleitet.
Der russische Generalmajor Baron von Staff
hatte am Sonntag Lätare Wolgast eingeäschert. Am
30. April, als am folgenden Donnerstage vor Judika,
war er im Begriff, von Greifswald, wohin
er sich nach dieser unmenschlichen Handlung begeben
hatte, nach Anklam abzureisen, um den Tag darauf,
dem erhaltenen Befehle gemäß, die Anzündung dieser
letzteren Stadt vorzunehmen. Sein Reisegeräte
war schon eingepackt, als er mit Carlson, dem Befehlshaber
der dänischen Kriegsschiffe, welche auf
der Greifswaldischen Reede vor Anker lagen, in
ein Gespräch geriet. Dieser bat jenen, daß er mit
der Vollziehung der gedachten Verordnung nicht so
schleunig fortfahren mechte, weil man noch andere
Umstände vermutete. Staff wollte in dieses Begehren
nicht willigen. Sie kamen daher beide mit harten
Worten zusammen. Carlson nannte das vorhabende
Verhalten des Generals eine Mordbrennerei,
und dieses gab Gelegenheit zu einem blutigen
Zweikampfe, worin der dänische Befehlshaber auf
der Stelle erstochen wurde. Der dortige Anführer