Full text: Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Dritter Band. (3)

510 Der Dardanellen. Feldzug vom 3. Dez. 1914 bis 10. Jan. 1916 
trischsten Dunkten dieser Front lagen. Von der Besikabai bis zum Golf 
von Saros reichte der Feuerkranz der von der hohen See aus schießenden 
Geschwader. 
Die Franzosen, die sich ein eigenes Angriffsfeld ausbedungen hatten, 
gingen auf dem rechten Flügel gegen die asiatische Küste vor, mit dem Auf- 
trag, in der Besikabai und bei Kum Kale zu landen, das Fort Kum Kale 
und die gefährlichen Intepe-Batterien zu nehmen und den Türken die Straße 
von Erenköi zu entreißen. Wenn dies gelang und der Verteidiger aus dem 
Skamandertal und von Intepe auf Erenköi zurückgeworfen wurde, war die 
Stellung der Türken auf dem asiatischen Ufer erschüttert und der Angriff 
der Engländer auf die Südspitze Gallipolis jeder Flankenbedrohung entrückt. 
Im Zentrum der Schlachtordnung standen die altenglischen Truppen 
der 29. Division und der Navaldivision mit dem Auftrag, die türkischen 
Stellungen zwischen Sid ul Bachr und Maidos von Südwesten anzugreifen 
und sich möglichst rasch des Krithiaberges zu bemächtigen. 
Auf dem linken Flügel fochten Australier und Neuseeländer, die an 
der Mündung des ins Agäische Meer mündenden Sighindere und an den 
weiter nordöstlich hinausgerlickten Dunkten Kaba Tepe und Ari Burnu 
landen und im Jusammengehen mit den Briten das Krithiamassiv von 
Nordwesten angreifen sollten. Im Golf von Saros war nur eine Schein- 
landung vorgesehen, aber auch diese durch die Entsendung einer ansehn- 
lichen Flotte drohend gestaltet, um starke türkische Kräfte zwischen Kavak 
und Bulair an der Wurzel der Landzunge zu fesseln, während auf der Süd. 
spite die Entscheidung fallen sollte. 
Hamiltons Entwurf verriet den rücksicheslosen Führer, der den Gegner 
spitz anfällt und über den Haufen zu vennen sucht. Es war ein starker Ein- 
schlag von Sportlust in diesem Angriffsplan, stachelte er doch die verschie- 
denen Landungsabteilungen und im einzelnen Verband jedes Schiff, jedes 
Boot und jede Kompagnie, sich hervorzutun und den Strand vor allen 
anderen zu erreichen. Dazu kam das freie Spiel der Kräfte, die Sicherheit 
und Schnelligkeit der Bewegungen auf dem flüssigen Feld, die Möglichkeit, 
die Artilleriemassen der schwimmenden Zitadellen und die Reserven nach 
Gefallen zu verschieben, während der Verteidiger in seinen Werken auf zwei 
getreunten Schaupläßten festlag und dem Angreifer eine hundert Kilometer 
lange, von den Schiffsgeschüten beherrschte Flanke zukehrte und seine Re- 
serven nur durch Hin, und Herwerfen zwischen zwei Ifern bewegen konnte. 
Liman von Sanders lannte diese Schwäche und die Gefahren, die 
der Verteidigung aus der unvermeidlichen Unterordnung aller Abwehr-= 
pläne unter die Absichten des Angreifers erwuchsen. Er hatte das Außersie 
gekan, sowohl der Zersplitterung als auch der Fesselung seiner Kräfte zu 
begegnen. Der Marschall hütete sich, die sechs schwachen Divisionen, die 
ihm als 5. Armee zur Berfügung gestellt worden waren, zu verzetteln,