512 Der Dardanellen-Feldzug vom 3J. Dez. 1914 bis 10. Jan. 1916
DAmade fesselte die Division Refet-Bei, indem er eine Landung in der
Besikabai vortäuschte, und führte dann seine Truppen gegen Jeniköi und
Kum Kale vor. Die ganze französische Flotte fuhr auf und ergoß das Feuer
ihrer Turmgeschüctze und der Mittelbatterien über die Ebene des Skamander.
Turmhoch spritzten die Erdsäulen im deckungslosen Gelände, aus Sümpfen
und Schlauchseen stiegen schäumende Geiser, die Anmarschstraßen wurden
zerschlagen, die Kompagnien, die als Uferschutz in den Trümmern von Jeniköl
und Kum Kale lagen, nahezu vernichtet, Leutnant Ali, der Kommandant
von Kum Kale, mit allen Anterführern getötet und die Skamanderbrücke zer-
stört. Am 4 Uhr sprangen die Franzosen ans Land. Legionäre und Sene-
galesen stürmten die Ruinen des Schlosses und des Dorfes Kum Kale.
Die Türken begegneken dem Angriff nach Kräften.
Oberst Nicolai entsandte sofort Verstärkungen aus der linlen Flanke
ins Hügelland von Jeniksi und führte ein Bataillon von Jenischehr
gen Kum Kale. Weber.- Pascha ersuchte die Batterien der Meerengen
mm AUmerstühung, und TWehrle richtete sofort die Rohre auf Kum Kale,
aber nur die Batterien von Intepe konnten sich am Kampf beteiligen,
denn schon nahte ein neuer Feind: ein starles englisches Geschwader
dampfte gegen Sid ul Bachr an, um die Landung des Zentrums
Hamiltons zu decken, das unter dem Schuge der Schiffskanonen bei Sid
ul Vachr und Kap Helles ans Ufer drängte. Da setzte Wehrle kurz ent-
schlossen die Haubitzenbatterie Ali Tewfik nach Kum Kale in Bewegung,
gab ihr 200 Ladungen mit und befahl ihr, Nicolais Gegenangriff zu unter-
stützen, während er selbst die Landung der Engländer bei Sid ul Bachr
zZu stören suchte.
Der Kampf auf dem asiatischen Ufer nimmt rasch den Charakter einer
schweren Verstrickung an. Nicolais Bataillone leiden im aufglänzenden
Dag entsetzlich unter dem Feuer der Schiffsgeschüße. Schon gquellen fran-
zösische Truppenmassen, um ihre Fanons und Michtflaggen geschart, aus
dem Dorf Kum Kale, da schlagen Ali Tewfiks Haubitzgranaten in ihre
RKeihen und zwingen sie zur Erde.
Im Schilf des Skamander, in Erdlöchern und Dorngestrüpp kauern
Nicolais Batkaillone, schlagen vorprallende Senegalesen zurück, können sich
aber nicht vom Fleck rühren, denn die Schiffsgeschüge halten alles in Bann.
Französische und englische Panzer legen sich dicht an den Strand und über-
schüteen das klassische Gelände, die Arena der Ilias, von den Ufern des
Skamander bis zu den Eichenhainen des Ida mit schwerstem Feuer. Die
Granaten des englischen Cinienschiffes „Agamemnon"“" wühlen — o seltsame
Ironie menschlicher Geistesgeschichte! — den Schutthügel von Troja auf.
Unter dem Schutze dieser Eisensaat gelingt es d Amade, eine Brigade
auszuschiffen und einen Brückenkopf anzulegen, der Jenischehr und Fort
und Dorf Kum Kale umfaßt.