Full text: Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Dritter Band. (3)

Der Kampf bei Kum Kale 514 
Nicolai wartet, bis die Sonne sinkt und die Dämmerung den Panzern 
das Zielen erschwert, dann tritt die 3. Division zum Angriff an. Intepe 
beginnt zu feuern, Feldartillerie eilt nach vorn, Ali Tewik versendet seine 
sorglich gesparten Granaten. Als es dunkel geworden ist und blaue Schatten 
über die Ebene rollen, gehen die türkischen Schützenlinien unter Vorantritt 
deulscher und türkischer Offiziere zum Angriff vor. D’'Amade hat Sene- 
galesen und Legionäre des 6. Regimenes „Colonial mixte“ gegen den Ska- 
mander vorgeschoben und hält Kum Kale mit dem 175. Infanterieregiment 
besetzt. Beim Aufblichen der türkischen Bajonette legt die Flotte einen Feuer- 
ktreis um das eroberte Gelände. Aber es ist zu spät, Nicolais erste Bataillone 
haben die Todeszone schon durchlaufen, und die Anatolier dringen mitl0 
dem alten Schlacheruf „Allah, Allah!“ durch die flüchtig aufgesetzten 
Drahthindernisse in die französischen Gräben. Dreimal gelingt es dem Ver- 
teidiger, den Angriff abzuschlagen, der durch das ununterbrochene Feuer der 
Kriegsschiffe auf das äußerste erschwert wird, dann bricht der Widerstand 
der Senegalschüten unter dem wütenden Ansturm der Anatolier zusammen. 
Im 4 Uhr morgens, 24 Stunden nach der Landung, wälze sich der Kampf 
wieder nach Kum Kale hinein. Die Franzosen verteidigen Haus für Haus, 
bis ein letzter Anskurm sie bei aufgebender Sonne aus dem Dorf treibe. 
DAmade reißt die Trümmer seiner Landungstruppe vom Feinde los 
und befiehle den Schiffs geschügen, Kum Kale wieder unter Feuer zu nehmen. 
Furchtbar schlägt's in die zerstörten Gassen, zerreißt Türken, gefangene 
Senegalesen, Verwundete und Tote und zwinge Nicolai, den Ort zu räumen 
und wieder gegen den Slamander zurückzugehen. Hier gräbt er sich ein, 
zieht die Feldartillerie in die vorderste Linie und hält die Trümmer und 
den Strand unter Feuer. Alle WVersuche der Franzosen, neue Streitkräfte 
auszuschiffen, werden im Keime erstickt. Als es dunkelt, schaffen die Fran- 
zosen ihre Verwundeten auf die Leichter und graben sich am Strand und 
in den Drümmern des Kastells ein, um Nicolais Nachtangriffe abzu- 
wehren. Ali Tewfiks letzte Granaten plaßen mitten unter ihnen und zer- 
rücten ihre schmelzenden Verbände. D#Amade kommt zur Einsicht, daß 
er den Strand und die Trümmer des Schlosses zur Not und unter schweren 
Opfern behaupten, aber keinen Boden mehr gewinnen kann. Hamilton 
macht der unhaltbaren Lage ein Ende, indem er die Franzosen auffordert, 
sich an den Kämpfen um Sid ul Bachr zu bekeiligen. In der Nacht 
auf den 29. April zieht d Amade die lehten Lberlebenden der gelandeten 
Brigade von Kum Kale zurück. 
Der Kampf am asiatischen Ufer ist zu Ende. Tausende von Toten beider 
arteien liegen im Slamandertal, an den Grabhügeln des Patroklos und 
des Achilleus und in den Ruinen des alten Türkenschlosses gebettet. Aus der 
Landung d'#Amades war eine blutige Diversion geworden, und auch diese 
am 29. April abgetan. 
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