Full text : Untersuchungen und Aktenstrücke zur Geschichte der Reichsgründung.

328  Bülow  an  Camphausen  1849  Januar  23.

Widersireit  mit  den  Regierungen  gesetzt  haben.  Diese  vorher  zu  erschöpfenden
Mittel  der  Verständigung  aber  können  nicht  in  dem  schroff  auf  die  Spitze  gestellten
  Gegensatz  der  Prinzipien,  wie  er  in  dem  Entwurf  des  Fürsten  Schwarzenberg
enthalten  ist,  gefunden  werden,  sondern  nur  in  dem  ruhigen  und  besonnenen
Aussprechen  der  Bedenken  und  Forderungen  der  Regierungen,  wie  die  Kgl.  Regierung
  dies  in  dem  Zirkular  vorschlägt.  Dadurch  allein  ist  die  Möglichkeit  gegeben,
auch  die  Versammlung  von  dem  unfruchtbaren  Widerstreit  der  Prinzipien  weg
auf  das  praktisch  Mögliche  und  Ausführbare  hinzulenken,  und  dadurch  die  Verständigung
  möglich  zu  machen,  welche  S.  M.  der  König  als  obersten  Grundsatz
hingestellt  hat  und  festhält.  So  sicher  daher  auch  anzunehmen  ist,  daß  der  Fürst
Schwarzenberg  in  diesem  Grundsatz  und  in  diesem  letzten  Zweck  mit  S.  M.  dem
Könige  übereinstimmt,  so  dürfte  doch  kaum  zu  zweifeln  sein,  daß  derselbe  sich  in
der  Wahl  der  Mittel,  die  dazu  führen  können,  auf  einen  anderen  Standpunke  stelle.

In  welcher  Lage  sich  aber  nach  einer  solchen  wirklich  erfolgten  Auflösung  der
Versammlung  alsdann  Preußen  gegenüber  dem  Kollegium  der  6  Könige,  namentlich
  wenn  dies  in  Verbindung  mit  der  Durchführung  der  vorgeschlagenen  Gruppierung
  gedacht  wird,  befinden  würde,  bedarf  für  E.  Hg.  wohl  keiner  näheren
Andeutung,  so  wenig  wie  die  folgenschweren  Krisen,  welche  sich  im  eigenen  Lande
wie  in  ganz  Deutschland  an  eine  Sprengung  der  Versammlung  knüpfen  würden.

Namentlich  in  letzterer  Beziehung  haben  sich  aber  auch  gegen  die  praktische  Ausführbarkeit
  der  zweiten  Maßregel  erhebliche  und  nicht  zu  beseitigende  Bedenken
erheben  müssen:  nämlich  gegen  die  Aufstellung  eines  aus  20000  Preußen,  10000
Bayern  und  10000  Württembergern  bestehenden  Heeres,  welche  freilich  das  notwendige
  Komplement  zu  der  von  dem  Fürsten  Schwarzenberg  vorgeschlagenen
Erklärung  sein  müßte,  da  die  letztere  weit  eher  den  Kampf  als  den  Frieden  in  Aussicht
  stellen  würde.  Die  Aufstellung  eines  Korps  von  20000  Mann  in  jener  Gegend
würde  für  uns,  nach  der  Dislokation  unserer  Truppen,  und  dem  dringenden  Bedürfnis
  der  Verwendung  derselben  im  eigenen  Lande,  nach  verschiedenen  Seiten
hin  mit  den  größten  Schwierigkeiten  verbunden  sein  und  nur  durch  eine  Zuziehung
der  Landwehr  möglich  werden,  gegen  welche  wir  unter  den  obwaltenden  Umständen
mit  Recht  großes  Bedenken  tragen  müssen.  Ob  aber  die  baperischen  und  württembergischen
  Streitkräfte,  auf  welche  der  Fürst  rechnek,  imstande  sein  würden,  dem
beabsichtigten  3wecke  zu  entsprechen,  muß  wenigstens  sehr  zweifelhaft  genannt
werden.  Daß  von  seiten  der  ksll.  österreichischen  Regierung  auf  keine  Beihilfe  zu
rechnen  sei,  hat  der  Fürst  selber  erklärt;  die  Verstärkung  der  Garnison  von  Mainz
um  einige  Tausend  Mann  würde  schwerlich  ein  Gewicht  in  die  Wagschale  legen.
Das  Ministerium  hat  sich  daher  nicht  in  der  Lage  sehen  können,  die  Frage  um  die
Angsuhrbarten  einer  solchen  Truppenzusammenziehung  bejahend  zu  beantworten.

Diese  praktische  Unmöglichkeit  wird  an  sich  selbst  hinreichend  sein,  den  ksl.  Konseilspräsidenten
  von  der  Schwierigkeit  zu  überzeugen,  die  von  ihm  gemachten  Vorschläge
zur  Ausführung  zu  bringen,  und  daraufhin  gemeinsam  in  der  von  ihm  angedenteten
Weise  vorzugehen.

E.  Hg.  werden  es  nicht  gerade  angemessen  finden,  eine  Oiskussion  mit  dem
Fürsen  Schwarzenberg  über  diese  ganz  vertrauliche  Mitteilung  hervorzurufen;
ofern  aber  derselbe  diesen  Gegenstand  berühren  sollte,  so  werden  E.  Hg.  in  dem
Vorsiehenden  hinreichende  Materialien  finden,  um  demselben  gegenüber  die  Entschließungen
  S.  M.  des  Königs  und  der  kgl.  Regierung  zu  motivieren  und  zu  vertreten.

48.  Graf  Bülow  an  Camphausen.

Eigenhd.  Orlginal.  Auszug  Caspary  284.
Berlin  1840.  Jannar  23.  abends.
E.  C.  sende  ich  dlese  Jeilen  durch  Herrn  v.  Bunsen.  Er  hat  mir  sehr  wesenklichen
Beistand  geleistet  in  der  dentschen  Frage  durch  kapferes  Einhauen  auf  die  Ihnen