thumbs : Das Lehrlingswesen und die Berufserziehung des gewerblichen Nachwuchses.

C.  Das  Handwerkergesetz  vom  26.  Juli  1897  und  seine  Ausführung.  67

stimmung  in  die  Gewerbeordnung  unterblieben.  Die  Agitation  für
den  Befähigungsnachweis  kam  jedoch  unter  den  Handwerkern  nicht
zum  Stillstand.  Auf  den  Handwerks-  und  Gewerbekammertagen
n  Leipzig  im  Jahre  1902  und  in  Köln  im  Jahre  1906  wurden  entsprechende
  Anträge  an  den  Bundesrat  gerichtet,  und  diese  fanden  im
Reichstage  die  Unterstützung  maßgebender  Parteien.  Auf  verschiedentliches
  Drängen  wurde  dann  im  Jahre  1906  ein  entsprechender
Gesetzentwurf  eingebracht,  nach  der  Auflösung  im  Jahre  1907  erneuert
  und  im  Jahre  1908  verabschiedet.  Hinsichtlich  der  Tendenz
des  Gesetzes  führt  die  Begründung  aus,  es  dürfe  nicht  vergessen
werden,  daß  bei  der  Frage  nach  der  Befähigung  des  Lehrherrn  im
Handwerke  nicht  nur  die  Rücksicht  auf  die  Fachausbildung  des  Lehrlings,
  sondern  auch  diejenige  auf  seine  weitere  Erziehung  für  das
Leben  und  für  den  Beruf  in  Betracht  komme.  Als  geeignetes  Erkennungszeichen
  für  die  Befähigung  des  Meisters  wurde  daher  die
Prüfung  angesehen  und  deren  Ablegung  als  Erfordernis  für  die
Befugnis  zur  Anleitung  von  Lehrlingen  aufgestellt.  Diejenigen
Meister,  die  die  Prüfung  in  einem  Gewerbe  bestanden  haben,  brauchen
jedoch,  wenn  sie  Lehrlinge  auch  in  einem  anderen  Gewerbe  anleiten
wollen,  für  diese  Gewerbe  nur  die  bis  zum  Jahre  1908  maßgebend
gewesenen  Voraussetzungen  zu  erfüllen,  denn  der  Gesetzgeber  ist  der
Meinung,  daß  die  einmal  erworbene  allgemeine  Befähigung  als
Erzieher  im  Handwerk  durch  den  Übertritt  zu  einem  andern  Handwerk
  nicht  verloren  gehe;  es  sei  deshalb  nicht  erforderlich,  daß  der
Betreffende  in  dem  neuen  Handwerk  den  ganzen  Erziehungsgang
noch-  einmal  zurücklege.  ·  »

berblicken  wir  die  sämtlichen  gesetzgeberischen  Maßnahmen,  so
finden  wir,  daß  es  sich  um  ein  geschlossenes  System  handelt,  in  das
das  Lehrlingswesen  nunmehr  eingeordnet  worden  ist.  Der  Lehrling
soll  bei  seinem  Eintritt  ins  Gewerbe  in  feste  und  geregelte  Verhältnisse
  geführt  werden.  Der  Eintritt  wird  seitens  der  Handwerksorgane
  überwacht.  Es  sind  Instanzen  und  Einrichtungen  vorgesehen,
die  seine  Ausbildung  beaufsichtigen  und  fördern  sollen.  Ein  geregelter
  Ausbildungsgang  und  auch  eine  Prüfung  sind  ihm  vorgeschrieben
  oder  nahegelegt.  Die  Beziehungen  des  Lehrlings  zum
gesamten  Gewerbe  sind  wie  zur  Zunftzeit,  wenn  auch  in  veränderter
Form,  wieder  hergestellt.  Hiernach  könnte  es  scheinen,  als  ob  nunmehr
  wieder  alles  in  Ordnung  kommen  müßte.  Inwieweit  diese
Hoffnung  erfüllt  wurde,  wird  nunmehr  zu  untersuchen  sein.

III.  Die  Ausführung  des  Handwerkergesetzes.

Das  Handwerkergesetz  gewährt  in  weitem  Umfange  Anwendungsmröglichkeiten,
  ohne  diese  im  einzelnen  Falle  auch  wirklich  sichertustellen.
  Man  wird  daher  zwischen  der  Ausführung  und  den

irkungen  des  Gesetzes  unterscheiden  müssen.  Über  die  erstgenannte
Frage  erhalten  wir  einen  umfassenden  Einblick  durch  die  Erhebung
über  die  Wirkungen  des  „Handwerkergesetzes“,  die  im  Anfang  des
Jahres  1905  in  den  einzelnen  Bundesstaaten  veranstaltet  worden  ist,

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