November 1907. 81
Und was das Schmeicheln betrifft, so habe ich in dieser Be—
ziehung in der sozialdemokratischen Presse auch ganz achtungswerte Lei—
stungen gefunden.
(Große Heiterkeit.)
In der Kunst des Bauchrutschens und des Schweifwedelns sind die Höf—
linge des Königs Demos den Höflingen der Fürsten über; das können
Sie mir glauben, der ich beide Spielarten kenne.
(Bravo! und große Heiterkeit.)
Nun möchte ich noch einen kleinen Irrtum richtigstellen, den der Herr
Abgeordnete Bebel wiederholt hat. Der Herr Abgcordnete Bebel hat
erzählt, meine Frau wäre seinerzeit von Rom nach Wien gefahren, um
den Fürsten Eulenburg, damals Botschafter in Wien, zu bitten, er möge
doch dafür sorgen, daß der Kelch des Ministers an mir vorüberginge.
(Heiterkeit.)
Die Erzählung ist ja ganz nett, sie hat nur den einen Fehler, daß sie nicht
wahr ist.
(Stürmische Heiterkeit.)
Es ist kein Wort wahr daran! Im übrigen bestreite ich gar nicht, daß es
mir sehr schwer wurde, den schönen Posten des Botschafters in Rom mit
dem Posten des Staatssekretärs zu vertauschen, daß es mir gar nicht angenehm
war, Minister zu werden. Aber das sollte doch gerade der Herr
Abgeordnete Bebel mir nicht verargen, der nun seit zehn Jahren alles
tut, um mir das Leben schwer zu machen.
(Große Heiterkeit.)
Und endlich meine, Herren, hat der Herr Abgeorduete Bebel ein überaus
trauriges Bild von der Stellung des Reichskanzlers entworfen; er
hat den Reichskanzler hingestellt, alo ob dieser gar keine Initiative hätte,
als ob der Reichskanzler gar keinen Einfluß hätte, als ob der Reichskanzler
überhaupt nicht wüßte, was am nächsten Tage mit ihm geschehen würde.
„Auf dem Dache sitzt ein Greis, der sich nicht zu helfen weiß.“
(Stürmische Heiterkcit.)
Meine Herren, das ist mir insofern tröstlich, als ich in anderen Blättern
in letzter Zeit hier und da die entgegengesetzte Note gefunden habe.
(Heiterkeit.)
Ich moöchte keine unfruchtbare Polemik beginnen, aber in einigen Zentrums-Hötzsch,
Fürst Bülows Reden 2c. III. 6