Dante hundert Jahre zuvor gesprochen: „Der Stuhl von Rom,
weil er in sich vereinigt zwei Gewalten, fällt in den Kot.“ Zwei
Päpste haderten um die dreifache Krone, zwei Kaiser um den
Szepter der Welt, und frech spottete der Heide: „Nun haben die
Christen zwei Götter; will ihnen der eine ihre Sünde nicht ver—
geben, so gehen sie zu dem andern.“ Auf den Stellvertreter
Christi ward gefahndet auf der Heerstraße, und der Söldner von
Neapel band sein Roß an den Altar von St. Peter. Vor kurzer
Frist erst war der schwarze Tod und der Judenbrand durch die
Städte gerast; der Kyrieleisgesang der Geißler, der Angstruf der
schuldbeladenen Menschheit, war gellend in den Straßen erklungen.
Mit schneidendem Hohne wandte sich das empörte Gewissen der
Masse wider das Sündenleben der Reichen. Die Dirnen, spottete
das Volk, kommen aus den gemiedenen Gassen zu dem Rate der
Stadt und klagen wider des Rates Töchter: sie verderben uns das
Handwerk. Während die Häupter der Christenheit sich rüsteten,
durch eine Reform der Kirche an Haupt und Gliedern wieder
Frieden zu bringen in die geängsteten Gemüter, ging auch der
Staatsbau der alten Welt aus seinen Fugen.
Dahin war die Ehrfurcht des armen Mannes vor der alten
Ordnung. In Frankreich, in den Niederlanden wie in Ober-
deutschland rotteten sich die Bauern zusammen, und von England
herüber tönte aus den wilden Haufen Walters des Ziegeldeckers
zum ersten Male die lockende Weise, welche erklang und erklingen
wird, sooft die rauhe Naturkraft der mißhandelten Menge auf-
steht wider den kunstvollen Bau einer alten Kultur: — „Als
Adam grub und Eva spann, wer war denn da der Edelmann?“
In Preußen auch schritt ein unruhiger Geist durch die Massen:
schon mußte der Orden „Sammlungen“ und bewaffnetes Umher-
ziehen verbieten. Auch auf dem Schlachtfelde hatten die neuen
popularen Mächte ihre Uberlegenheit gezeigt. Seit hundert Jahren
schon hingen 8000 Paar goldene Sporen in der Kirche von Kort-
ryk, prahlerische Trophäen, die der Weberkönig von Flandern mit
seinem Bürgerheere von Frankreichs Adel erbeutet. Vor dem
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