Das Banlwesen
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Einer Tatsache mag da noch Erwähnung getan werden, um zu
zeigen, wie rasch und wie modern sich in jenem Jahrhunderte die
Geldtechnik ausgebildet hat: 1555 wird in Frankreich eine ungemein
wichtige Maßregel vorgenommen. Der König Heinrich II. erklärt,
er könne seine Schulden nicht zahlen; wenn man ihm aber
weitere Summen vorstrecken wollte, dann würde er nicht nur regelmäßig
die versprochenen Zinsen leisten, sondern auch alljährlich
einen Teil des Kapitals zurückzahlen. Wir begegnen hier dem
Grundsatze der Amortisation, die heutzutage bei Hypothekendarlehen
und ähnlichen Geschäften gang und gäbe ist. Der Gedanke
schlägt ein, und an diesem neuen Unternehmen beteiligen sich nun
nicht nur Kaufleute, sondern die ganze vermögliche Welt, Adel und
Bürgerstand, es ist eine Subskription auf eine Anleihe. 1594 bildet
sich in Holland eine Gesellschaft zum Handel mit Indien, die
Gesellschaft „de Verre“, die nichts anderes ist als eine moderne
Aktiengesellschaft. Und ähnliches finden wir schon früher; wie es
heutzutage oft geschieht, daß ein großes Unternehmen in eine Aktiengesellschaft
umgewandelt wird, deren Aktien aber Eigentum der besitzenden
Familie bleiben, so stand es damals mit den Bankiershäusern
der Fugger, Welser, Hochstetter u. a., auch hier waren meist
alle Familienglieder Teilnehmer des Geschäfts. Von diesen Familien
war die der Fugger zweifellos die reichste und bedeutendste
und darum soll von ihr auf diesen Blättern einiges erzählt werden.
Die Fugger sind um das Jahr 1367 wahrscheinlich aus dem
Dorfe Graben bei Schwabmünchen nach Augsburg gekommen, es
waren zwei Brüder, Haus und Ulrich, Leineweber von Beruf; sie
webten die Leinwand und färbten sie. Es waren fleißige Leute von
großem Geschäftsgeiste; in kurzer Zeit konnten sie in ihrer neuen
Heimat eine Rolle spielen. In zweiter Ehe nahm Hans Fugger
eine angesehene Augsburgerin zur Frau; als er 1408 starb, folgte
ihm sein Sohn Andreas, der bereits den Beinamen der „Reiche“
erhielt. Ein jüngerer Sohn des Hauses, Jakob I., ist der Stammvater
der Fugger „von der Lilie“ geworden, während sein Neffe
gleichen Namens, ein Sohn jenes Andreas, im Jahre 1462, einen
anderen Wappenbrief „vom Reh“ erhielt. Anders als durch Heiraten
konnte man damals in den Städten nicht unter die voruehnehmen,
oder wie man sagte: ratsverwandten Geschlechter komman;
die Fugger, die vielleicht auch schmucke Leute gewesen sind,
wußten diesen Weg zu benutzen. Man kennt das Jahr, in dem
Jakob I. zuerst durch ein größeres Geldgeschäft eingegriffen hat