Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

Nummer  32

Mefenei#er  #zeiser

Kittwon,  10  mär)  1018
7——“"/  —.

 

verband  bedeute,  sondern  daß  er  schweren  Herzens
  gefabt  worden  sei,  weil  die  Armee  mict
genügend  vorbereitet  und  das  Land  durch  di
vorhergegangenen  Kriege  wirtschaftlich  und  *
nanziell  zu  erschöpft  sei,  um  sich  in  einen  neuen
Krieg  zu  stürzen.  Die  Athener  Kriegspresse
bestreitet  diese  Gründe.

Nach  der  „Köln.  Zeitung“  bestätigt  es  sich,
daß  der  Rücktritt  Venizelos  sich  ohne  schwere
Erschütterungen  vollzog.  Die  Aussichten  auf
Bildung  eines  Ministeriums,  das  Griechenlands
neutrale  Politik  bis  auf  weiteres  fortsetzt,  sollen
günstig  stehen.  Doch  meldet  das  genannte  Blatt
aus  Athen:  Nachdem  GZaimis,  der  vom  König
mit  der  Kabinettsbildung  beauftragt  worden
war,  diese  wegen  der  Weigerung  Venizelos’,  ihn
bei  der  Durchbringung  der  dringendsten  Gesetzentwürfe
  in  der  Kammer  zu  unterstützen,  abgelehnt
  hat,  berief  der  König  Gunaris,  der  heute
nachmittag  seine  entscheidende  Antwort  geben
w#ird.  Nach  Athener  Meldungen  verlief  die
Kammersitzung,  worin  Venizelos  seinen  Rücktritt
ankündigte,  kurz  und  kalt.  Die  Erklärungen
Venizelos  wurden  schweigend  hingenommen,  doch
bereiteten  ihm  die  Abgeordneten  der  Kriegspartei
  am  Schluß  der  Sitzung  eine  Ovation.

Ueber  die  Auffassung  in  Berlin  wird  gemeldet:
  Die  Vorgänge  in  Athen  sind  mit  größter
Vorsicht  zu  beurteilen.  Es  wäre  ganz  verkehrt.
die  bedeutende  politische  Persönlichkeit  des  Herrn
Venizelos  jetzt  etwa  für  abgetan  zu  halten.
Im  Gegenteil  muß  man  mindestens  mit  der
Moglichkeit  rechnen,  daß  früher  oder  später  der
viel  gewandte  und  populäre  Staatsmann  wieder
  an  die  Spitze  einer  hellenischen  Regierung
tritt.  Auf  der  anderen  Seite  hat  man  sich
in  den  Kreisen  der  Dreiverbandsmächte  vielleicht
doch  ctwas  in  der  Stellung  getäuscht,  die  sich
König  Konstantin  als  siegreicher  Führer  des
gAriechischen  Heeres  geschaffen  hat.  Im  übrigen
sind  die  Vorgänge  in  Athen  wohl  dahin  aufzufassen,
  daß  aus  inneren  und  dußeren  Rücksichten
  die  eigentliche  Entscheidung  vertagt  ist.
Griechenland  wartet  also  zunächst  die  weitere
Entwicklung  in  den  Dardanellen  und  vielleicht
auch  anderswo  ab,  ehe  es  sich  endgültig  entscheidet.
  Schon  das  ist  gegenüber  den  Hoffnungen
  der  Westmächte  ein  Gewinn  und  vielleicht
  nicht  der  einzige,  den  uns  die  letzten  48
Stunden  gebracht  haben.

Der  Rücktritt  des  griechischen  Ministerpräsidenten
  Venizelos  hat  in  der  französischen  Presse
Bestürzung  hervorgerufen.  Man  gibt  jetzt  deutlich
  zu  verstehen,  daß,  was  auch  kommen  möge,
der  feste  Entschluß  besteht,  die  Aktion  gegen  die
Dardanellen  auch  ohne  Hilfe  einer  weiteren
Macht  durchzuführen.  Aus  dieser  Aeuherung
der  „Liberté“  geht  hervor,  daß  man  mit  der
Möglichkeit  rechnet,  das  neue  griechische  Ministerium
  werde  für  die  Beibehaltung  der  Neutralität
  HEintreten.  Die  Pariser  Blätter  messen
der  Demission  Venizelos  große  Bedeutung  bei
und  glauben,  daß  die  öffentliche  Meinung  Griechenlands,
  welche  ihren  Willen  bereits  ausdrückte,
  sich  nicht  von  dem  Wege  abbringen
lassen  werde,  auf  dem  die  wahren  Frcunde  Grie-Lenland
  zu  seinem  wahren  Schicksal  führen  werden.
  Nur  daß  die  wahren  Freunde  Griechenlands
  weder  in  Pario,  noch  in  London,  noch
in  Petersburg  zu  finden  sind.

Auch  aus  Italien  liegen  bemerkenswerte
Stimmen  vor.  „Corriere“  meint,  die  griechische
Kabinettskrise  habe  lediglich  innere  griechische
Tragweite,  Italiens  Daltung  könne  davon  nicht
beeinflußt  werden.  Die  italienische  Neutralität
sei  dem  Dreiverband  viel  vorteilhafter  als
500000  griechische  Soldaten,  weil  sie  der  Flotte
der  Verbündeten  gestatte,  ihre  Operationen  gegen
  die  Dardanellen  zu  unternehmen,  statt  im

 

Inur  Rabluetiakrlse  In  Griechenland.

Unser  Bild  zeigt  oben  König  Konstantin,

unten  links  Alerander  Zaimis,  rechts  Venizelos.

 

 

Konstantinopel  werde  auf  dem  Friedenskongreß
entschieden,  wo  Italien  seine  Rechte  verteidigen
künne  Die  „Perseveranza“  billigt  den  Bechluß
  des  Königs  Konstantin,  der  auch  in  Rom
4%  ausgenommen  werde,  als  ein  Beu#is  seiner
vorsichtigen  Politik.  Jtalien  habe  noch  tiefere
Gründe,  um  seine  bieherige  Haltung  nicht  aufzugeben.

Die  Lockungen  des  Dreiverbandes.

Köln,  68.  März.  Der  Korrespondent  der
„Köln.  Ztg.“  in  Sosia  drahtet:  (Guten  Athener
  Nachrichten  zufolge  hälten  die  Verbandsmachte
  die  Sckwierigkeiten  des  Unternehmens
gegen  die  Dardonellen  unterschäßzt,  sähen  jetzt
ein,  daß  ohne  eine  starke  Lanomacht  die  Erwingung
  der  Durchfahrt  kaum  durckführbar
sei  und  danach  seien  die  Bemühungen  der  Verbandsmächte
  um  Griechenland  noch  eifriger  geworden.
  Die  Angebote  an  Griechenland  wollen
das  Aegäische  Meer  zu  einem  griechischen  Binneusee
  machen  (1)  und  die  Grenzen  zu  Lande
bis  nahe  an  Konstantinopel  verschieben!  Ebenso
  weitgehend  sind  übrigens  auch  die  Angebote
an  Italien,  das  eine  mittelafrikanische  Macht
werden  (mit  Frankreich  als  Nachbar  in  Tunis!)
und  seinen  Besitz  am  Roten  Meer  befestigen
soll.  Bulgarien  beobachtet  Zurückhaltung,  solange
  die  Nachbarn  ruhig  bleiben.  Tritt  Griechenland
  in  den  Krieg  ein,  so  würde  dies  Bulgarien
  nicht  teilnahmslos  lassen.  (Z.)

n  n

Die  Beschießung  der  Dardanellen.
Ohne  seden  Erfolg.

Berlin,  38.  März.  Von  bestunterrichleter
Seite  geht  dem  W.  TH.  über  die  Lage  an  den
Dardanellen  die  folgende  Mitteilung  zu:  Die
Meldungen  der  englischen  Admiralitat,  die  von
bedeutenden  Erfolgen  der  Verbündeten  bei  den
Angriffen  auf  die  Dardanellen  zu  berichten  wissen,
  sind  augenscheinlich  nur  darauf  berechnet,
einen  moralischen  Druck  auf  die  Valkanstaaten
auszuuben  und  bei  den  Neutralen  Stimmung
zu  machen.  Tatsachlich  hal  aber  noch  kein  Fahrzeug
  der  Verbundeten  bieher  das  Minenseld
erreicht,  keine  einzige  Mine  iist  weggeräumt.
Die  Landungsversuche  am  5.  März  bei  Kum
Kaleh  und  Sed  il  Bahr  sind  vollig  gescheitert.
An  beiden  Stellen  wurden  die  Angreifer  unler
großen  Verlusten  durch  Bajonettlämpse  türki
scher  Truppen  zurückgewmorfen  und  ins  Meer
getrieben.  Die  inneren  Dardanellenforts  haben
  noch  gar  nicht  in  den  Kampf  eingegriffen.
Die  Stimmung  in  Konstantinopel  ist  ruhig  und

Berlin,  8.  März.  Der  Sonderberichterstatter
  des  „Berliner  Lokalanzeigers“  in  den
danellen  telegrarhiert:  Um  10  Uhr  vormittags
tauck  en  vor  der  Meerenge  5  große  Schiffe  auf
und  beginnen  ihr  tägliches  Bombardement.  Die
schmeren  turlischen  (Geschutge  auf  beiden  Seiten
der  Meerenge  antworten  nicht  einmal  auf  diese
nuglose  Pulververgeudung.  Mit  einer  Landung
haben  die  Engländer  noch  weniger  Glück.  Wo
immer  sie  auftauchen,  werden  sie  mit  empfindlichen
  Verlusten  ins  Wasser  geworfen.  Bisher
sind  mindestens  6000  Granaten  schwersten  Kalibers
  vom  Gegner  verseuert  worden.  Ihr  Ersolg
  waren  zwei  zerschossene  veraltete  Werke  am
Eingang  der  Dardanellen,  die  mit  alten  Geschütgen
  bestuckt  waren.  Die  eigentlichen  Dardanellenbefestigungen
  sind  völlig  undersehrt.

.)

Konstantinopel,  8.  März.  Der  Spezialberichterstatter
  des  Wolfsschen  Telegraphen-Bureaus
  in  den  Dardanellen  telegraphiert:  Am
Freitag  war  die  Beschießung  hauptsächlich  auf
ein  Fort  in  der  Nähe  des  Schlosses  Kilid  ul
Bahr  gerichtet.  An  dem  Bombardement  beteiligten
  sich  zwei  englische  Linienschiffe  von  der
Majesticz  und  Agamemnon-Klasse.  Es  wurden
etwa  30  Schüsse  abgegeben.  Viele  davon  fielen
zu  lurz,  explodierten  im  Meer  und  warfen  dabei
  mächtige  Wasserwellen  auf.  Die  türkischen
Batterien  gaben  nur  drei  Schüsse  ab.  Eier
davon  war  ein  Treffer  und  verursachte  allem
Anschein  nach  einen  Brand  auf  ie  englischen
  Schiffe  entfernten  sich  daraurbhin  sofort
und  nahmen  möglichst  große  Distanz.

Truppentransporte  vor  die
ardanellen.

Rom,  8.  März.  Der  „Messagero“  meldet:
Das  Paletboot  „Tolemaide“  begegnete  bei
Malta  22  französischen  Truppentransportdampfern,
  die  von  französischen  Panzerschiffen  begleitet
  waren.  Sie  befanden  sich  auf  der  Fahrt
nach  den  Dardanellen.  (3.)

Dae  wahre  englische  (Gesicht.

Haag,  3.  März.  „Dailn  Chronicle“  sagt:
Die  Forcicrung  der  Tardanellen  ist  nicht  nur
eine  militarische,  sondern  auch  einc  hochpolitisch:
Altion.  Die  Dardanellen  sind  ein  kleines  (ibraltar,
  desien  Besitz  Englands  Herrschaft  im
Mittelmeer  endgüllig  macht  (!).  Rußland  beläme
  endlich  den  Weg  zum  Mittelmeere  frei,
nodurch  die  ins  Stocken  geratene  Zufuhr  von
Kriegomaterial  wieder  ausgenommen  rerden
lonnte.  Die  politische  Seite  des  Problems,  an
deisen  Losung  bald  mehr  als  250  Kanonengegenwärtig

  eine  seiner  kühnften  und  großzügig-*
  Operationen,  deren  Erfolg  voraus  ul
die  Gewinnung  Nindelten-  eines  Bundesgeno

sen  bedeutet.  (3.  —  Ob  der  eine  Bundes.
genosse  wirklich  sich  einfangen  läßt?

Der  englische  Mord  aaschlag  gegen
Sk  Noger  Casemenl.

Hambt  urg,  8.  März.  Anläßlich  der  Durchreise
  Sir  Roger  Calsements  durch  Hamburg
gestattete  er  seinem  Begleiter,  Adler  Christensen.
einem  Vertreter  des  „Hamburger  Fremdenblattes“
  einige  Ausschlüsse  über  den  von  dem
englischen  Geandten  Finolay  geplauten  Mordanschlag
  zu  mad  en.  Außer  den  bereits  belamten
  Einzelheilen  über  de  Angelegenbeit  gab
Christensen  die  Deckadreise  für  seinen  Berlehr
mit  Findlay  an,  nämlich  die  Adresse  eines  Sieguald
  Wiig,  Torn#alomeers9ade.  78  II  in  Chri.
itiania,  der  englischer  Spion  ist.

Bemerkenswert  ist  der  Plan,  nach  dem  Casement
  in  Deutschland  beiseite  gebracht  werden
sollte.  Danach  sollte  Casement,  der  nur  englisch
  spricht  und  auf  Christensen  angewiesen  L
in  Berlin  auf  einen  belebten  Plan  oder  in  eine
Straße  geführt  werden,  wo  viele  Mencchen
seien.  Mit  einem  Teil  des  Geldes,  das  er  er-Bielt.
  sollte  Cbi#tensen  den  Pöbdel  bestechen.
um  dann  einen  Auflauf  zu  erregen,  in  dem  er
dann  Casement  für  hinen'  englischen  Spion  bezeichnete.
  Casement  sei  nicht  imstande,  sich  zu
verteidigen,  weil  er  nicht  deutsch  spreche,  es
werde  zu  einer  großen  Schlägerei  kommen.
In  diesem  Tumult  war  der  Rat  Findlays
—  geben  Sie  ihm  dann  einen  entscheidenden
Schlag  auf  den  Kopf  und  niemand  wird  wüssen,
uer  den  Mann  getotet  bat.  Cbhriftensen  tat,
als  leuchtete  ihm  dieser  Plan  ein  und  versprach,
sich  die  Sache  zu  überlegen.  Findlay  riet  ihm
noch,  einen  Vertrauensmamn  aus  Norwegen  nach
Verlin  zu  nehmen  und  alle  Briefe  und  Dokumente
  Casements  zu  stehlen  und  sie  durch  den
betreffenden  Mann  nach  Chriftianio  zurüchmschicken.
  Die  Belohnung  von  5070  Pfund  Sterling
  wird  ehrenwortlich  defrätigt  und  Chriftensen
  erhält  bei  dieser  Gelegenheit  den  Geheimschlüssel
  zur  Himerpforte  der  englischen  Botschaft.


Damit  fährt  Chriftensen  am  15.  Dezember
nach  Berlin  zurück  und  reist  am  25.  Dezember
u  ieder  nach  Chriftiania,  wo  er  am  27.  eine
Umterredung  mit  dem  Bosschafter  hat,  dem  er
zwei  falsche  Minenkarten  übergibn  und  mitteilt.
Casement  Ichicke  sich  an,  in  einer  Verkleidung
mit  mehreren  Offizieren  nach  Frland  zu  athen
worauf  der  Botschafter  sehr  erregt  wird.
stensen  fordert  eine  Erhöhung  der  versprachenen
Summe  auf  10000  Tfund  Sterling,  und  der
Botschafter  verspricht,  deswegen  telegraphisch  bei
seiner  Regierung  anzufragen.  Am  2.  Januar
abends  11  Uhr,  forderte  dann  Christensen  nach
einer  erregten  Auseinandersehung  mit  dem  brilischen
  Votschaffer  eine  Anzahlung  von  25/(7)
Pfund  Sterling  sowie  ein:  verläßliche  (Sarantie.
andernfalls  er  sich  von  dem  unsanberen  Handel
lossage.  Es  kommt  sogar  zu  beleidigenden
Acußerungen  und  Schimpfworten,  die  Findlan
zu  einem  Wutanfall  reinen.  Tanach  lahzt  er
Ckristensen,  der  zweimal  walrrend  der  Unter
redung  das  Haus  verlaßt,  durch  einen  Diener
u  ieder  Lolen.  Am  nachiten  Tage  läbt  Findlan
den  Normeger  wmieder  zu  sich  bitten,  der  energisch
auf  seiner  Forderung  Garantie  oder  Schluß

besicht.

 

Da  endlich,  in  die  Enge  gektricben.  schreibt
der  Botschafter  den  fur  ihn  verhängnievollen
Prief,  in  dem  er  Chriftensen  9/770  Pfund  Ster- 



Milelmeer  zu  lämpsen.  Ueber  die  endgültigeßwversichtlich,  das  politische  und  wirtschaftliche  LS  schlunde  schweriten  Kalibers  arbeiten,  betrifft  ling  im  Namen  seiner  Regierung  zusichert.
NRegelung  der  Frage  der  Mecerenge  und  von  hben  geht  seinen  gewohnten  Gang.  die  die  Haltung  #e  Griechenlande.  Britanien  ah  außerdem  verspricht  er  ihm  auf  Ehrenwort  über
lich  als  einen  gunstigen  Zufall  in,  betrachten,  Klong  das  nicht  wieder  wie  ein  warnender  Habe  ich  da  etwas  Torichtes  geaußert?  Kräfte  eines  indianischen  Lagelohner#.  und  den
wenn  sie  ihn  heute  nicht  aufsuchen.“  Zuruf  —  wie  eine  Muhnung  zu  Mißtranen  fragte  „Ich  glaubte  annehmen  zu  i-  man  dabei  noch  lie  er  veradtet  al-  jenen.

lso  doch  für  einen  günstigen  Zufall,“  und  Vorsicht?  Rodewald  dacht  an  die  dasßz  eint  Sennor  von  der  Hautiarbe  dieses  Wenn  Sie  ers  nicht  ein  fur  allemal  mu  Ihren
sagte'  Rodewaldt  lächelnd.  „Ich  irrte  mich  da-  Worte  Don  Josés  und  an  das  geheimnievolle  Musikers  immerhin  ichon  eine  hervorragende  Freunden  verderben  wollen.  Sennar,  1½2  nehmen

nach  nicht,  wenn  ich  annahm,  daß  Sie,
Sennora,  sich  aus  dem  lauten  Treiben  da
tudtdl!  geflüchtet  hätten,  um  hier  allein  zu
i  *

s  Treiben  da  drinnen  kümmert  mich
nicht  denn  ich  gehöre  nicht  zu  jener  Gesellschatt.
  Aber  Sie  find  mir  noch  immer  die
Antwort  schobdig-  geblieben  auf  meine  erste
Frage.  Finden  Sie  nicht,  Sennor,  daß  es  ein
schönes  Land  ist,  unfer  Argentinien?“

Auch  sie  wußte  also  offenbar  nicht  nur,
daß  er  ein  Fremder  war,  sondern  auch,  daß
b  erst  seit  jehr  kurzer  Zeit  hier  verweilte.

ber  das  war  am  Ende  nicht  sehr  verwunderlich.
  da  ja  in  diesem  Hause  onne  Zweifel  bereits
von  ühm  gesprochen  worden  war.  und  ,
wie  r  nach  ihrer  letzten  Aeußerung  vermutete,
wohrt  eine  Gesellschofterin  oder  dergleichen  in
der  Familie  del  Vasco  war.  Und  es  machte
ihm  Freude,  dem  Entzücken  seines  Herzens
gegen  elnen  Menschen  Auedruck  geben  zu  dürfen.

„Wenn  ich  nach  den  Eindrücken  urteilen
darf.  die  ich  in  diesem  Hause  empfangen,  so
Ist  eg  ohne  allen  Zweisel  das  herrlichste  Land

Welt,“  rief  er  mit  Wärme.  „Aber  ich
n0  freilich,  daß  ich  das.  Sthönte  zuerst
kennen  gelernt  habe,  und  daß  es  von  nun
an  nur  noch  Enttanschungen  gche  wird.“

ie  dieses  Haus  erst  wirklich
lennen.  tönte  es  merkwürdig  ernst  aus  dem
dunklen  Blattwerk  zurück,  „so.  kennen  Sie
das  ganze  Land.  Und  ich  vermute,  daß  S
aledann  ausgehört  haben,  es  für  das  Prcukichiie

 

der  Welt  zu  palten.“

Brieschen  vom  gestrigen  Abend.  Die  Haufigkeit
  dieser  Warnungen  aber,  mit  denen  man
ihn,  den  Fremden,  so  freigebig  bedachte,  fing
nachgerade  an,  ihn  zu  belustigen.

„Und  weshalb  Jollte  4%  mir  dann  anders
erscheinen,  Sennora?“  frag  .  „Kann  eine
Nation  liebenswürdigere  Eenschofirn  und  bestechendere
  Vorzuge.  haben.  als  sie  sich  hier  so
berzerfreuend  offenb

Es  ist  nicht  meine  (Gache,  Ihnen  darauf  zu
ontworten,  Sennor!  So  viel  nur  lassen  Sie
mich  Ibnen  sagen-  daß  Argentinien  ein  gefährliches
  Land  ist  Träumer  und
Idealisten.  Aber,“  ½  sie,  noch  ehe  er
antworten  konnte,  in  einem  nz  ver  ränderten
Tone  fort,  „entschuldigen  Sie  rse  Unwissenbheit
  —  ist  das  nicht  Chopin,  was  man  da
drinnen  spielt?-Seit

  einer  Minute  drangen  durch  die  offenen
  Flugntaren  die  vollen,  weichen  Klänge
des  Flüge  els  zu  ihnen  heraus,  und  Rodewald!
saoh  mit  ein  Erstaunen,  daß  der  musizierende
  Künstler  ein  allerdings  wic  die  anderen
Kaste  409  tade  los  elegant  gekleideter  wollköpfiger
e

Node  valdt  lauschte  eine  kleine  Weile,  um
dann  zu  antworten:  „Allerdings,  Sennora,  es
ist  ein  Nokturno  von  Chopin.  Und  dieser
dungelsarbias,  e  Herr  da  drinnen  ist  allem  Anschein

nach  ein  Virtuose  von  nicht  geringer  Begabung
  —  wahrscheinlich  ein  bekannter  und
beschügier  Zünkiern  «

Stat  Erwlderung  vernahm  8  nur  ein
halblautes.  msitlic  klingendes  Lachet

 

Personlichteit  sein  müsse,  wenn  man  ihmn  Jutritt
  in  eine  so  vorehme  Gesellichait  gewahrt.“

In  der  dunklen  Pflanzengruppe  kniiterte
und  vaschetier  es  wie  von  seidenen  Gewandern,
und  eine  Sekunde  später  fland  die  Unbekannte.
von  der  Rodewaldt  bis  dahin  nichts  mehr  als
die  unbestimmten  Umrißlinien  ihrer  Figur
gesehen  hatte,  dicht  an  seiner  Seite.  Er  erkannte
nicht,  er  vermutet  hatte,
sondern  ein  junges  Mädchen  von
höchstens  stebzehn  Jahren  wor.  Ihre  Zierliche,
in  ein  Kleid  von  schimmerndem,  schwarzem
Atlas  gehüllte  Gestalt  war
linderhaft  zart  und  zierlich.  Sie
Mantilla,  die  ihren  Kopf  verhüllte,  weit  über
das  Gesicht  herabge  zogen.  und  eine  schmale.
wunderfein  gesormie  bräunliche  Hand,  an  deren
Ringfinger  ein  Brillant  funtkelte.  hielt  das
duftige  Spihengewebe  unter  dem  Kinn  zu.
sammen,  wie  wenn  sie  dem  jungen  Manne
den  Anblick  ihres  Gesichts  nicht  angstlich  genug
entziehen  könnte.

„llm  des  Himmels  willen.  mein  Herr,  lassen
Sie  sich's  nicht  beifallen,  eine  derartige  Aeußerung
  vor  irgendeinem  Caballero  aus  unvermischtem
  spanischem  Blute  zu  wiederholen!
Sie  würden  ihm  damit  die  schwerste  Veleidigung
  zusügen.  und  alles  andere  konnte  er  Ahuen
leichter  verzeihen  als  die  Vermutung,  daß  e
mit  einem  Porb##en  auf  dem  Fuße  getellihaft.
licher  Gleichberechtigung  verkehrt  habe.  Dieser
Neger  ist  nichte  als  ein  be  zahlter  Klavierspieler,
ein  verachteier  Paria,  dessen  Talent  man  sich
#zu  Nunen  macht,  wie  elwa  die  körperlichen

 

Sie  vor  allem  Ruckiichn  aus  beren  Rasienolz!
Ein  menichliches  Weien,  dern  ##rer  Meinung
nach  nicht  vollig  zweielle#er  Abnammunga  imn.
sei  es  Mann  oder  Welb.  chon  oder  hal  c#-arm
  oder  reich,  und  ware  auch  nhur  ronr  gend
einem  iernen  Voriahren  her  ein  Treopien  vom
Neger-  oder  Indiaonerrlut  in  ieinen  Abern,  in
für  leden  Rachkommüng  der  un  fere  u  Panischen
Erobderer  nur  #ntn  anMulatte  und
Gesindel).  Man  mag  ich  seinet  bedienen,  wenn
die  Umstande  er  1##  mu  sich  bringen.  mont
mag  es  nmußbrauchen  oder  deitchien,  aber  man
wird  doch  uiemals  aufboren.  er  als  ein  Geschopf
  niederer  Ganung  an  zu  seben  und  es  gleich
etmas  Unreinem  mit  dem  Fußze  de  seite  11
stoßen,  wenn  mon  jseiner  nich:  mehr  bebor.
Wenn  ie  aniang  in  alei  ireurgem  Tonec.
mit  einem  klemen  zuarkac  uluge  ge.
sprochen  hatte,  so  haur  sich  der  Aued'uc  ihrer
Worte  zulet  bis  zur  Leidenischaftlutet  ge
steigert;  etwas  wir  gluhender  Zorn.  wie  wilder,
unverjohnlicher  Haß  schien  isch  daiin  zu  offendaren,
  und  als  nodewaldt  ernaum  all  die
zierliche  Gestalt  binabfah.  die  er  fast  um  daupteslange
  überragte.  glaubte  er  deutlich  madrzu
nehmen,  wie  die  kleine  vronefarbige  Hand.
die  den  Spitemsshueter,  zusammenhielt,  in  nervöser
  Erregung  zitter
Die  irmprahtemkbnne  Unbekannte  fing  jetzt
an,.  ihn  lebhafter  zu  interessieren  Eine  D1#
nerin  mideren  Ranges  war  sie  jedensaus  nicht.
Dagegen  sprach  ihre  Ausdrucksweise  noch  mehr,
als  der  kostbare  Edelstein  an  ihrem  züer
(Fortsehung  -olyt.)

  
 

—  —