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44. Thierreich.
So verschieden auch die Thiere in Hinsicht auf ihre Körper-
bildung, ihre Gröfse, ihre Stürke und ihre Vertheidigungs-
werkzeuge erscheinen mögen, so sind doch allen Werk-
zeuge zu ihrer Ernährung, das Vermögen, sich willkür-
lich zu bewegen, und das Empfindungsvermögen ge-
meinsam.
Die Nahrung gelangt aus dem Munde in den Magen, und
dieser verwandelt dieselbe in einen Brei, der in die Gedärme
übergeht. Bei den vollkommneren Thieren gelangt der ab-
gesonderte Nahrungsstoff zunüchst in das Blut, das den
ganzen Körper durchströmt und jedem Theile desselben zuführt,
wWas zu seiner Ausbildung und Erhaltung nöthig ist. — Durch
das Athmen wird dem Blute Sauerstoff übermittelt. Der Kohlen--
stoff des Blutes verbindet sich in den Lungenbläschen mit dem
Sauerstoff zu Kohlensäure, welche ausgeathmet wird. Durch
diesen Vorgang wird die Körperwürme erzeugt. Säugethiere,
Vögel, Amphibien und fast alle Land- und Süsswasserschnecken
athmen durch Lungen.
Die willkürliche Bewegung wird durch die Muskeln
bewerkstelligt. Aulser den willkürlichen finden in dem Körper
auch un willkürliche Bewegungen statt. Dahin gehört das
Schlagen des Herzes, das in unaufhörlicher Bewegung sich
in einer Stunde ungefähr 4500mal zusammenzieht und aus-
clehnt und dadurch den Kreislauf des Blutes bewirkt. — Die
Werkzeuge der Empfindung sind die Nerven, die im Ge-
hirn und im Rückenmarke ihren Ursprung baben.
Sowohl die Muskeln, als auch das Gehirn und die Nerven
ermüden durch Anstrengung und bedürfen der Ruhe, um wieder
gestärkt und zu neuem Gebrauche tüchtig zu werden. Diese
Ruhe gewährt der Schlaf. Von dem gewöhnlichen täglichen
Schlafe ist der Winterschlaf mancher Thiere zu unterscheiden,
welche in der kälteren Jahreszeit die ihnen angewiesene Nah-
rung zu finden nicht im Stande sind. Die Vögel halten keinen
Winterschlaf.
Das Thier hat keine Vernunft; dafür hat ihm der Schöpfer
den Instinkt oder Naturtrieb verliehen. Eine besondere
Aeuflserung des Instinkts ist der Kunsttrieb, vermittelst
dessen das Thier im Stande ist, aus einem in oder aulser
ihm liegenden Stoffe die kunstvollsten Dinge zu bereiten.
Schon dadurch, dass ihm der Schöpfer Naturtriebe gab,
wird das Thier mannigfaltigen Gefahren entzogen; noch mehr
aber dadurch, dass ihm Waffen verliehen wurden, theils um
mittels derselben unvorhergesehene Gefahren abzuwenden,