Metadata : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

April  26.

394  1611  160.

160.  Gerstenberg  und  Lüttichau  an  den  Kurfürsten
von  Sachsen.

[Beide  kamen  am  25.  April  in  Prag  an  und  stiegen  im  Gasthaus
  „zum  Türken“  ab,  wo  auch  der  Herzog  von  Braunschweig
wohnte.]  1  Heute  hatten  wir  beim  Herzog  Audienz  und  teilten  ihm  den
Zweck  unserer  Schickung  mit.  Dieser  erwiderte,  es  sei  äusserst
notwendig,  dem  Kaiser  die  Hand  zu  bieten;  er  selber  wolle  stets
zum  Kaiser  halten,  verdiene  aber  damit  beim  König  und  den  Ständen
schlechten  Dank,  obgleich  er  es  mit  beiden  Teilen  gut  meine;  er
freue  sich,  dass  auch  die  andern  Kurfürsten,  besonders  Kurbrandenburg,
an  dem  er  bisher  sehr  gezweifelt  habe,  sich  akkomodieren  wollen;
die  böhmischen  Stände  seien  sehr  offendiert  und  verführen  schier  unverantwortlich;
  die  Krönung  des  Matthias  werde  man  nicht  hindern
können,  man  müsse  aber  trachten,  dass  dem  Kaiser  wenigstens  die
Regierung  bleibe.  —  Wir  eröffneten  darauf  dem  Herzog  unsere
Gedanken,  wie  man  die  Gefahr  vom  Hause  Oesterreich  abwenden  könnte;
der  Herzog  billigte  sie.  ——-  Gleich  darauf  hatten  wir  mit  Brömser
Audienz  beim  Kaiser,  der  ganz  allein  war.  Erst  drückten  wir  unsern
Schmerz  über  die  Drangsale  des  Kaisers  aus;  er  möge  aber  den
Mut  nicht  sinken  lassen,  denn  er  sei  nicht  ein  Eindringling  in  seine
Würde  sondern  Gott  habe  ihn  ordentlicher  Weise  durch  die  einhellige
Wahl  der  Kurfürsten  berufen  und  werde  ihn  gegen  alle  schändlichen

den  Landhofmeister  Johann  Zant  von  Merle  nach  Prag  ab  (Beglaubigung  an
Kurmainz  vom  12.  Mai;  Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  143;  Or.);  derselbe  kam  aber
nur  bis  Mainz,  wo  er  am  20.  Mai  beim  Kurfürsten  Audienz  hatte  (Wmz.,
a.  a.  O.,  no.  144;  eigenhändige  Aufzeichnung  von  Kurmainz),  und  kehrte,
als  er  daselbst  von  dem  augenblicklichen  Stand  der  Dinge  in  Prag  erfuhr,
entgegen  dem  Wunsch  von  Kurmainz  nach  Trier  zurück  (Rückbeglaubigung
vom  21.  Mai;  ebenda,  no.  146;  Kpt.),  —  Der  kurkölnische  Gesandte,  der
westphälische  Marschall  Jobst  von  Landsberg  zu  Erwitte,  wurde  am  16.  Mai
an  Sachsen  beglaubigt;  am  5.  Juni  hatte  er  beim  Kurfürsten  zu  Dresden
Audienz,  der  ihn  in  der  Fortsetzung  der  Reise  nach  Prag  bestärkte,  obgleich
die  karsächsischen  und  der  mainzische  Gesandte  von  dort  schon  wieder

zurückgekehrt  waren  (Kursachsen  an  Kurköln  am  a  Drs.,  L  9167,

II.  Buch  passauer  Kriegsevolks,  f.  750;  Kpt.).  Jobst  von  Landsberg  traf
am  9.  Juni  in  Prag  ein  (Neuburgische  Gesandte  an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig
aus  Prag  am1./11.  Juni;  Mc.,  Neuburger  Archiv,  Jülich-Berg,  Fasz.24,  6%;  Kpt.).
!  Erster  Bericht  vom  15./25.  April:  Die  beiden  melden,  dass  der
Kaiser  und  der  König  einander  nicht  mehr  besuchen  lassen,  dass  T
im  weissen  Turm  liege,  wo  der  Scharfrichter  und  der  Büttel  täglich  mit
ihm  essen  müssten,  damit  er  kein  Gift  bekomme,  dass  Hannewald  sich  weigere,
über  Reichssachen  auszusagen;  nur  Barvitius  und  Stralendorf  warten  noch
täglich  dem  Kaiser  auf;  Minckwitz  versichere,  dass  der  Kaiser  sich  über  den
jüterbogker  Vertrag  sehr  freue  und  dass,  wenn  Kurbrandenburg  jetst  Ge
sandte  schicke,  die  Aussöhnung,  Bestätigung  und  Belehnung  nicht  fehlen
werde  (Drs.,  1.  9167,  II.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  213;  Or.).