Full text: Geschichte des brandenburgisch-preußischen Staates.

Kriegswesen. 167 
wohl begraben lassen mußte, wenn er den üblen Geruch nicht leiden 
wollte. 
Ungeachtet die Stände die Tilgung der Schulden übernommen 
sowie die Bierziese und die Hufensteuer bewilligt hatten, war es mit 
den Finanzen des Landes sehr traurig bestellt. Die langen Kriege, 
die mit den Nachbarn zu führen waren, die kostspieligen Verhandlun- 
gen, welche besonders in Bezug auf Pommern nothwendig wurden, 
der häufige Besuch der Reichstage u. s. w. erforderten Ausgaben, zu 
denen die spärlichen Einkünfte des Landes nicht hinreichten. Erst viel 
E wurde diesem Uebelstande durch ein geordnetes Steuerwesen ab- 
geholfen. 
Der Adel des Landes war nach früherer Weise zum Reiter- 
dienst verpflichtet, die Städte besonders zum Fußdienst, doch 
mußten auch sie für ihre Lehen Reiter ins Feld stellen; aus eben die- 
sem Grunde stellten auch die Prälaten Reiter wie Fußgänger. Die 
kriegerische Ordnung wurde durch das in sich fest geschlossene Zunft- 
wesen wesentlich erleichtert, und der Wetteifer der Zünfte unter einan- 
der erhöhte den kriegerischen Muth; großer Vorübung bedurfte es 
nicht. Zur leichteren Zusammensetzung des Heeres diente dieselbe Ein- 
richtung, welche die Eintreibung von Steuern erleichterte. Die kleine- 
ren waren einer größeren beigeordnet und bildeten mit ihr eine 
Sprache. In der Mittelmark waren Brandenburg, Berlin und 
Cöln, Frankfurt, Ruppin die Hauptorte, in der Neumark Königsberg, 
in der Ukermark Prenzlow, in der Prignitz Perleberg, in der Alt- 
mark — wenigstens in späterer Zeit — Stendal und Gardelegen. 
Die geistlichen Stifter, die Länder Crossen und Cotbus bildeten Ab- 
theilungen für sich. Zur Sprache Berlin und Cöln z. B. gehörten: 
Bernau, Neustadt, Strausberg. Wrietzen, Mittenwalde, Trebbin, Köp- 
nick, Bötzow (Oranienburg), Liebenwalde, Oderberg. Der Haupt- 
mann des aufzubringenden Contingents wurde aus dem Hauptort 
jeder Sprache genommen; ihm zur Seite stand der Fähnrich. Die 
Bewaffnung nach alter Weise war Eisenhut, Brustharnisch, Schild, 
Schwert oder Messer, Spieß und Armbrust. Die Hussitenkriege waren 
es besonders gewesen, welche eine große Veränderung im Kriegswesen 
veranlaßten, die man allmählich überall nachahmen mußte. Ziska war 
es namentlich, der die frühere Kriegsweise gänzlich umgestaltete. 
Seine wenig geübten Schaaren sicherte er durch Wagenburgen vor 
Reiter-Angriffen und machte sie durch Geschütz der verschiedensten Art 
unwiderstehlich beim Vorrücken. Deshalb wurde seitdem auch in der 
Mark ein Theil des Fußvolks mit Feuergewehren bewaffnet. Jede 
Hauptstadt stellte überdies zwei Haubitzen und einen Büchsenmeister, 
der mit dem Geschütz umzugehen wußte, die kleineren Städte je eine 
Haubitze; die Hauptstädte je zwei Zimmerleute, die kleineren je einen. 
Außerdem hatten die Städte eine angemessene Anzahl von Rüstwagen 
nebst Bespannung zu stellen, und zu jedem einen Wagenknecht und vier 
Fußgänger (Trabanten) als Bedeckung, die wohl bewaffnet sein mußten. 
Nach dem Entwurfe, der 1479 zum Kriege gegen Pommern gemacht