Full text : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Dritter Teil. (3)

Joseph  —  Italien  259

Das  Gebiet  des  J.  war  seit  Unfang.  1918  der  Schauplatz
  langwieriger  Kämpfe.  Vgl.  S.  130.

oseph  Außust  Viktor,  Erzherzogvon  sterreich,
  geb.  9.  Aug.  1872  in  Alcsuth  (Ungarn),  Nov.
1914  General  der  Kav.,  focht  in  Serbien  und  in  den
Karpathen  als  Führer  des  7.  Korps  (Temesvar),  mit
dem  er  später  an  der  Isonzofront  kämpfte,  Nov.  1916
Generaloberst  und  Führer  einer  Heeresgruppe  an  der
Ostfront.  1918  des  Zentrums  an  der  Piave,  wurde
28.  Okt.  1918  vom  Kaiser  Karl  als  homo  regins  nach
Budapest  gesandt.  31.Okt.  aber  durch  Karolyi  entfernt,
bemächtigte  sich  nach  Sturz  der  Räteregierung  am
7.  Aug.  1919  erneut  der  Regierung  als  Verweser“,
mußte  aber  mangels  Unterstütung  durch  die  Entente
23.  Aug.  wieder  zurücktreten.  —  Bild  s.  bei  S.  215.

Joseph  Ferdinand  Salvator,  Erzherzog
von  Österreich,  aus  dem  Hause  Toskana,  geb.  am
24.  Mai  1872  zu  Salzburg,  1905  Oberst,  stand  bei
Kriegsausbruch  an  der  Spitze  des  14.  Korps.  In  den
Rückzugskämpfen  bei  Lemberg  führte  J.  eine  Armeegruppe,
  dann  die  4.  Armee  (Sieg  bei  Limanova),  nahm
1915  am  Durchbruch  bei  Gorlice  und  am  Vormarsch
gegen  Brest  Litowsk  teil,  wurde  Anfang  1916  Generaloberst,
  nach  seiner  Niederlage  bei  Luzk  (Juni  1916)
abgesetzt.  1917/16  war  J.  Oberbefehlshaber  der  Luftstreitkräfte.
  —  Bild  s.  Bd.  I  bei  S.  47.

ostoff,  bulg.  General,  s.  Schostoff.
ek,  montenegrin.  Handelsstadt,  wurde  8.  Dez.
1915  v.  d.  Armee  Koevess  eingenommen.  Vgl.  S.  69.

Frade  (das,  arab.,  =  Wille,),  Kabinettsorder  des
türk.  Sultans  an  den  Großwesir,  dem  die  weitere  Bekanntmachung
  obliegt.  Das  J.  vom  12.  Nov.  1914
enthielt  die  Kriegserklärung  gegen  die  Entente.

Frak-Arabi,  Landschaft  in  der  asiat.  Türkei,  zwischen
  Euphrat  und  Tigris,  in  die  die  Engländer  vom
Persischen  Golf  aus  über  Basra  vordrangen;  vgl.
die  Karte  Bd.  II,  S.  203.  .

rland,  s.  Großbritannien  (die  irische  Frage).

rredenta  (Italia  irredenta,  das  unerlöste  Italien),
  1878  gegr.  Bund,  der  die  Vereinigung  aller
Gebiete  ital.  Sprache  mit  Italien  erstrebt.  S.  Bd.  II,
S.  34  ff.;  vgl.  auch  Bd.  I,  S.  18  ff.  und  65  ff.

»  sistible·,  brit.  Linienschiff,  15  240  t,  sank
18.  März  1915  vor  den  Dardanellen,  s.  Bd.  I,  S.  267.

Isenburg-Birstein,  Fürst,  Franz  Joseph,
geb.  1.  Juni  1869  in  Birstein,  war  1915—17  Chef
der  Militärverwaltung  Litauens,  wurde  von  den
litauischen  Demokraten  bekämpft.

Ifinhai,  1917  von  den  Terautschi  nahestehenden
Unabhängigen,  die  im  japan.  Parlament  43  Sitze  innehaben,
  gebildete  Erneuerungspartei  (val.  Kenseikai).

Ifslam.  Die  Stellung  des  J.s  im  Luricg  ist  in
den  die  Türkei  und  den  Heiligen  Krieg  betr.  Abhandlungen
  Bd.  II,  S.  62  ff.  und  71ff.  gekennzeichnet.

Island.  Am  18.  Juli  1916  wurdedurch  ein  engl.=isländ.
  Handelsabkommen  die  weitere  Zufuhr  nach  J.
sichergestellt,  wofür  England  Vorrechte  beim  Verkauf
des  isländ.  Fischfanges  erhielt.  Jan.  1917  beschloß
das  Althing,  daß  J.  künftig  drei  Minister  statt  einen
haben  sollte,  Arnorsson  trat  zurück,  u.  John  Magnusson
  (Heimsteuerpartei)  wurde  mit  der  Beldung.  eines
Ministeriums  betraut.  Die  beiden  andern  Minister
wurden  Kristjansson  (Selbständigkeitspartei)  und
Jonsson  (Fortschrittspartei).  Durch  ein  im  Juli  1918
getroffenes  Abkommen  wurde  J.  von  Dänemark  als
unabhängiger  und  freier,  mit  Dänemark  nur  durch
Personalunion  verbundener  Staat  anerkannt.  Der
König  führt  künftig  den  Titel  von  Dänemark  und

JIsland-,  Dänemark  nimmt  die  außenpolitische  Vertretung
  Islands  mit  wahr,  ebenso  übt  es  für  J.
Fischereiaufsicht  und  Gerichtsbarkeit  bis  zur  Errichtung
  isländ.  Exekutivorgane  aus.  J.  erklärte  sich
für  dauernd  neutral  und  führte  keine  Kriegsflagge.
Nach  1940  können  die  beiderseitigen  Parlamente  eine
Revision  der  Verfassung  vornehmen.  Diese  Trennung
von  Dänemark  entsprach  nur  Englands  Wünschen,
das  gegen  das  kleine  J.  allein  viel  rücksichtsloser  vorgehen
  konnte  (vgl.  auch  Bd.  II,  S.  87).

Isonzo,  Fuach  in  der  österr.  Grafschaft  Görz  und
Gradisca  (vgl.  Bd.  II,  S.  105),  Schauplatz  der  großen
österr.-ital.  Ison  zo-Schlachten,  s.  Bd.  III,  S.  107ff.

Pascha,  türk.  Staatsmann,  s.  Türkei.

Isset
tip,  Stadt  in  Serbien,  s.  Stip.
en,  Teil  des  österr.-illyr.  Küstenlands.  Die
Ansprüche  der  Italiener  auf  J.  wurden  im  Friedensvertrage
  zu  St.-Germain  (vgl.  S.  145)  befriedigt,  indem
  das  Land  völlig  an  Italien  fiel.

Iswolskii,  Alexander  Petrowitsch,  russ.
Staatsmann,  geb.  18.  März  1856  in  Moskau,  gest.
17.  Aug.  1919  in  Paris,  Gesandter  in  Tokio,  1902  in
Kopenhagen,  1906  Minister  des  Ausw.,  Gegner  der
früheren  ostasiat.  Politik  Rußlands,  auch  panslawist.
Bestrebungen  in  der  Balkanpolitik,  schloß  mit  China,
Japan,  England  Verträge,  half  Febr.  1909  Bulgarien
  die  Entschädigung  für  Erhebung  zum  Königreich
  an  die  Türkei  zahlen,  war  aber  ein  Feind  OÖsterreichs
  und  wurde  1910  Botschafter  in  Paris.  Hier
verstand  es  J.,  Frankreichs  Finanzen  für  Rußlands
Anleihen  auszubeuten,  indem  er  den  Kriegsgedanken
gegen  Deutschland  schürte.  2.  Juni  1917  trat  er  zurück.
  —  Bild  s.  Bd.  II  bei  S.  52.

Italien.  Wie  die  Besetzung  Tunesiens  durch
Frankreich  J.  1882  in  den  Dreibund  getrieben  hatte,
so  leitete  die  Eroberung  Tripolitaniens  durch  J.
(1911)  jene  Epoche  der  ital.  =  Extratouren=  ein,  durch
die  J.  schließlich  aus  dem  alten  Bund  in  die  Entente
hinübergleiten  mußte  (vgl.  Bd.  I,  S.  65  ff.).  Im
Sinne  dieser  Politik  erklärte  das  Kabinett  Salandra,
das  am  21.  März  1914  das  Kabinett  Giolitti  abgelöst
hatte,  durch  seinen  Außenminister  San  Giuliano
am  2.  Aug.  1914,  J.  werde  gemäß  Geist  und  Wortlaut
  des  Dreibundvertrags.  Neutralität  beobachten,
indem  es  sich  darauf  berief,  daß  Osterreich  -Ungarn
nicht  nach  den  Vertragsbestimmungen  vor  seinem
Schritt  gegen  Serbien  mit  J.  Fühlung  genommen
hätte.  Am  4.  Aug.  wurden  FHeich  zwei  Jahrgänge
(1889  u.  1890)  einberufen.  Durchaus  im  Geiste  des
Dreibundvertrags  lehnte  J.  am  3.  Sept.  1914  das
franz.  Angebot  einer  Anleihe  von  1  Milliarde  Lire
ab,  ebenso  am  23.  Okt.  das  Angebot  des  Zaren,  alle
österr.-ital.  Kriegsgefangenen  nach  J.  zu  überführen.
Aber  bereits  in  den  letzten  Augusttagen  war  Frankreich
  J.s  so  sicher,  daß  es  seine  Truppen  von  der  Südostgrenze
  wegnehmen  konnte.  Der  Tod  des  Außenministers
  San  Giuliano,  der  an  der  unbedingten  Neutralität
  festhielt,  am  16.  Okt.,  war  von  verhängnisvoller
  Wirkung,  weil  in  dem  kurz  darauf  (5.  Nov.)
neugebildeten  Kabinett  Salandra  Sonnino,  ein
Anhänger  der  Interventionisten,  das  Außenministerium
  erhielt.  Am  9.  Dez.  begann  J.  die  Verhandlungen
  mit  Österreich  und,  seitdem  am  17.  Dez.  Fürst
Bülow  den  deutschen  Botschafterposten  übernommen
hatte,  mit  Deutschland  (vgl.  Bd.  1,  S.  69  ff.).  Sie  endeten
  mit  der  Kündigung  des  eben  damals  ablaufenden
  Dreibundvertrags  durch  J.  am  4.  Mai  1915,  der
Üübertragung  außerordentlicher  Befugnisse  an  die  Re-17*