Deutsche Holitik. 355
Entwickelung der gemeinsamen vaterländischen Interessen jederzeit gewidmet
habe.
„Ew. Alajestät und Unsere in Frankfurt versammelten erhabenen
Bundesgenossen bitte Ich den angelegentlichen Ausdruck bundestreuer
Freundschaft zu empfangen, mit der Ich verbleibe
Eurer Majestät
freundwilliger Zruder und Freund
wWilhelm.“
Baden-Baden, 20. August 1865. ·
Kaiser Kranz Joseph war der Weinung, daß die versammelten
Fürsten den Reformplan gleich im ganzen annehmen sollten: lief er doch
handgreiflich auf eine Machterhöhmng GEsterreichs hinaus. Allein hiergegen
legte der Großherzog Friedrich von Baden Derwahrung ein. Es
mußte also in eine Einzelberatung aller Haragraphen des Entwurfes
eingetreten werden. Das Ende war, daß 24 Fürsten die durchberatene
Reformakte „unter Dorbehalt der Sustimmung aller Bundesstaaten"“, d. h.
des allein fehlenden Dreußens, unterzeichneten. Ausdrücklich jedoch gegen
den Derfassungsentwurf stimmten die Großherzöge von Baden, Sachsen-Weimar
und Mecklenburg-Schwerin, der Hrinz Beinrich der Niederlande
für Luxemburg und die Fürsten von Waldeck und Reuß jüngerer Cinie.
War aber überhaupt eine Reform des Bundes ohne Hreußens Beteiligung
möglich d Die Unterzeichner der Reformakte wandten sich daberin
einem gemeinschaftlichen Schreiben an König Wilhelm, um ihn zum
nachträglichen Beitritte zu ihren Beschlüssen einzuladen. Am 22. Septeember
antwortete ihnen der König von Berlin aus:
„Durch das Schreiben, welches Eure ...... ... in Gemeinschaft
mit andern deutschen Fürsten und Dertretern der freien Städte am I. d. M.
an Mich gerichtet haben, sind die in Frankfurt a. M. beratenen Bundesreformvorschläge
zu Meiner Kenntnis gelangt. Ich habe dieselben der
sorgfältigen Erwägung unterzogen, welche Ich in Meinem, am 20. v. M.
an Se. Majestät den Kaiser von Esterreich nach Frankfurt gerichteten
Schreiben zugesagt hatte. Diese Hrüfung hat Mir nicht die Überzeugung
gewähren können, daß die vorgeschlagene Reformakte in ihrer gegenwärtigen
Gestalt geeignet sei, einen Abschluß Unserer vieljährigen Bemühungen
um die Herbesserung der Bundesverfassung zu bilden. In
dem Entwurfe habe Ich nicht den Ausdruck der wirklichen Derhältnisse
und Bedürfnisse, deren Berücksichtigung allein einem solchen Werke Leben
und Dauer verleihen kann, zu erkennen vermocht.
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