10 Martin Luther
In Berücksichtigung dessen wurde Albrecht für die Dauer von acht
Jahren ein eigener Ablaß bewilligt, dessen Erlös zur Hälfte dem
Baue der Peterskirche, zur Hälfte aber dem Mainzer Säckel zugute
kommen sollte. Das Geschäft ging nicht recht. In den bier
Jahren seit der ersten Verkündigung des Ablasses hatten die Fugger,
die Bankiers Albrechts, noch wenig eingenommen; selbst Tetzel, der
geschickteste der Wanderprediger, bekam monatlich kaum mehr als
300 Gulden in seine „Ablaßkiste“ hinein; er verdoppelte daher seine
Bemühungen in der Erfurter Provinz der Diözese Mainz, die ihm
zugewiesen worden war, und hier kam er in Konflikt mit Luther.
Die Thesen erregten großes Aufsehen in Wittenberg, ihre Kunde
verbreitete sich auch an andere Universitäten; in den Klöstern wurde
darüber gestritten; das theologische Interesse der damaligen Welt
war aber nicht groß genug, der Zusammenhang der Gebildeten noch
nicht genug vermittelt, um etwa aus der Veröffentlichung des jungen
Augustinermönchs einen Sturm in der öffentlichen Meinung zu erregen.
Da waren es streng katholische Männer selbst, die den kleinen
Funken zum gewaltigen Brande anbliesen, der dann nicht mehr zu
löschen war. Zuersterhob Tetzel seine Stimme; ganz begreiflich, da er
durch Luthers Thesen in seiner Wirksamkeit in Thüringen arg geschädigt
wurde. Er verfaßte Gegenthesen und wurde auf Grund derselben
zu Frankfurt an der Oder zum Doktor promoviert; größeren Eindruck
machten noch die Veröffentlichungen des gelehrten Dr. Johann Eck,
Professors in Ingolstadt. Von der Stätte, die einstmals eine der ge—
waltigsten Rüstkammern der Jesuiten in Deutschland werden sollte,
ging die erste Abwehr gegen Luther aus, die zugleich ein Angriff
war; denn Eck verschanzte sich hinter eine Position, die für einen
guten Katholiken uneinnehmbar bleiben mußte, hinter die Autorität
des Papstes. Wenn Luther in seinen Thesen die Ansicht ausgesprochen
hatte, der päpstliche Ablaß solle nur auf kirchliche Strafen beschränkt
bleiben, nicht aber auf göttliche Strafen, das Fegefeuer inbegriffen,
ausgedehnt werden, so konnte Eck dagegen die entgegengesetzte
Ansicht der Päpste ins Treffen führen, vor allem eine Bulle
Clemens'" VI. aus dem Jahre 1343. Auf ein gefährliches Gebiet
wurde damit Luther gelockt, es mußte bald für ihn die Frage entstehen,
ob er seine gegensätzliche Meinung vor den Außerungen der
Päpste beugen würde oder nicht. Und im letzten Falle, wieweit er
in der Anzweiflung der Antorität des Papstes gehen würde.
In Rom erhielt man früh im Jahre 1518 Kenntnis von dem
Auftreten Luthers, legte demselben begreiflicherweise keine große