Werken zu einem guten Teile eine persönliche Färbung, sofern der
Verfasser wesentlich aus seinen eignen Erinnerungen und Eindrücken
geschöpft hat, die von ihm als langjährigem Reichstagskorrespondenten
der Weserzeitung, als welcher er dem Parlamente nicht bloß von der
Journalistentribüne, sondern auch am Buffet, auf Festlichkeiten und
Excursen (Kiel ꝛc.), ja bis nach Versailles gefolgt ist, wo er die
Kaiserdeputation begrüßen durfte, seiner Zeit niedergeschrieben worden
sind. Sie beziehen sich namentlich auf die Zeit des Norddeutschenund
des Zollparlaments, des deutschen Vollparlaments nur bis zu
der großen Wendung der Geschichte desselben, die gegen das Ende
seines ersten Jahrzehnts eintrat. Darüber hinaus hat der Verfasser,
von der Weserzeitung und später aus einer halbamtlichen Stellung
geschieden, die Reichstagsgeschichte nur noch summarisch behandelt, in
einem quantitativen Verhältnisse zu der vorangehenden Partie, das
nachsichtiger Beurteilung dringend bedarf. Die der Gegenwart ferner
liegende Zeit wollte der Verfasser der heutigen jüngeren Generation
vorführen und im Gedächtnis derer, die sie selbst durchgemacht, auffrischen,
jene Zeit, in der der unvergeßliche Völk ausrufen konnte:
„Es ist Frühlung geworden, lassen wir das Schneeballwerfen!“ Ist
der Mai vorüber, dann verschwinden die Blüten und die Lebenskräfte
ziehen sich in das Innere zurück. Wie der Mai, erscheint heute
aus der weiten Ferne jene Zeit des ersten freudigen Schaffens, einer
gesicherten nationalen Mehrheit, die Zeit der inneren Begründung
und Ausstattung des Norddeutschen Bundes 1867—1870 und des
Deutschen Reiches in seinen ersten Jahren, die Zeit der Schöpfung
großer, gemeinsamer Institutionen, durch welche zuerst die Glieder
des Reiches fest und innig mit dem Ganzen verschmolzen. Wohl
mußte man allmählich erkennen, daß zahlreiche, im Sturm und
Drang entstandene legislatorische Schöpfungen im realen Leben die
Probe nicht bestanden und eine Wendung in der eingeschlagenen
Richtung unfrer innern Politik unabweislich wurde. Aber man
wird immer gern bei der Jugendzeit des Reichstags verweilen, wo
das nationale Banner noch eine fester sammelnde Kraft hatte, und