Volltext: Impf-Friedhof.

— 18 — 
Das Gesicht des kräftig entwickelten Kindes ist stark geschwollen 
und zeigt in der Umgebung der Augen, des Mundes und am Kinn 
ausgedehnte eitrige und mit dicken Krusten bedeckte Flächen. Auf 
den freien Hautpartien zwischen diesen erkennt man charakteristische 
Vakzinepusteln. Die Lider sind geschwollen und mit entstehenden 
Pusteln gesäumt, die Bindehäute sind frei. Auch auf dem behaarten 
Kopfe, sowie in den Ellenbeugen, den Kniekehlen und am Präputium 
sieht man eine Menge Vakzinepusteln, etwa 20 auch am Scrotum, sowie 
zwei einzelne am 
rechten Arm und 
eine am linken 
Zeigefinger. 
Die betreffenden 
Lymphdrüsen 
sind stark 
geschwollen und 
schmerzhaft. 
Temperatur 400. 
Die Anamnese 
ergab, daß das 
stark ekzematöse 
Kind in dersel- 
» ** ben Badewanne 
( F K und — wegen 
EBIIT 
— in demselben 
Badewasser gebadet wurde, in welchem sein jüngerer Bruder Ernst, 
der vor einigen Wochen mit Erfolg geimpft war und noch eitrige 
Pusteln hatte, gebadet worden war. 
  
  
   
57. Aus der „berliner klinischen Wochenschrift"“ Nr. 4 vom 
24. 1. 1910 von Dr. A. Géromne, Wiesbaden. (Die genaue, sehr 
ausführliche, erschreckliche Beschreibung ist in der genannten Zeitschrift 
nachzulesen.) 
Ansteckung und Todesfall durch Lymphe-lUebertragung. 
2jähriges Kind, am 13. Oktober 1909 in's Krankenhaus eingeliefert. 
„Befund: hochfiebernd, Bläschen über den ganzen Körper, Augenlider 
ganz verschwollen. Die Bösartigkeit ist vergleichbar mit schwerer Pocken- 
erkrankung. Das Kind bietet, vom starken Juckreiz gequält, einen 
ganz scheußlichen, bejammernswürdigen Anblick. Im Bild ist der 
Zustand am 6. Tage dargestellt. Am 9. Tage bilden beide Unter-