Full text : Protokolle der im October 1873 im Königlich Preußischen Unterrichts-Ministerium über verschiedene Fragen des höheren Schulwesens abgehaltenen Conferenz.

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in  der  Regel  mehr  in  der  Mathematik  und  den  Naturwissenschaften,
meistens  auch  in  den  neueren  Sprachen,  haben  den  Vorzug  des
Stoffreichthums  und  gewähren  einen  unmittelbaren  Zugang  zu  der
Wirklichkeit  des  heutigen  Lebens  —,  aber  (mit  selbstverständlichen
Ausnahmen  auf  beiden  Seiten)  das  Gymnasium  führe  im  allgemeinen
  feine  Schüler  doch  zu  größerer  Freiheit  und  Selbständigkeit
des  Geistes,  während  die  Realschule  vorzugsweise  die  Receptivität
pflege,  gewähre  eine  liberalere  Bildung  und  rege  meistens  ein  wissenhafcliches
  Streben  in  höherem  Grade  an  als  die  Realschulen.

Zu  den  Ursachen  dieser  Berschiedenheit  gehöre  allerdings  auch
die  Natur  der  Lehrobjecte:  bei  den  Realschulen  überwiege  die  Unterweisung
  in  den  Gegenständen  nothwendiger  Gesetze,  in  den  Gymnasien
  das  Gebiet  des  freien  und  individuellen  Geisteslebens  und
die  ethischen  Unterrichtsmittel.  Aber  es  gebe  noch  andere  Ursachen:
der  Lehrer  habe  in  den  Realschulen  nach  mehr  als  Einer  Seite
eine  schwierigere  Aufgabe  vor  sich  als  der  Gymnasiallehrer,  sowohl
in  dem  Schülermaterigl  wie  im  Unterricht  selbst;  die  Methodik  des
Realschutunterrichts  sei  noch  viel  weniger  ausgebildet,  und  anderes
derzl.,  mehr.  Die  Unterrichts=  und  Prüfungsordnung  habe  auf
diese.  Schwierigkeiten  hingewiesen,  und  wo  man  nach  ihrem  Geifte
verfahren,  seien  die  guten  Wirkungen  nicht  ausgeblieben.  Aber  der
pädagogische  Sinn  des  Zusammenwirkens  Aller  zu  Einem  Zweck,
und  die  wissenschaftliche  Selbstverläugnung,  welche  z.  B.  die  Behandlung
  des  lateinischen  Unterrichts  in  Realschulen  verlange,  werde
nicht  selten  vermißt;  die  Vereinzelung  des  Fachlehrerwesens  sei  vorherrschend
  geworden.

In  dem  vielfachen  öffentlichen  Meinungsaustausch  über  die
Realschulen,  so  führte  Referent  weiter  aus,  könne  man  eine  dreifache

ichtung  unterscheiden:  .

.  Die  eine  Meinung  gehe  dahin,  die  Realschule  sei  gut,  wie  sie
sei;  aber  sie  müsse  noch  vervollkommnet  werden  und  die  Gleichstelung
  mit  dem  Gymnasium  sei  noch  weiter  zu  verfoulgen.  Eine
zweite  Anffaffung  halte  die  Realschule,  wie  dieselbe  gegenwärtig  sei,
nicht  für  gut;  wan  befürworte  von  dieser  Seite,  die  Riealschule  auf
ihren  ursprünglichen  Begriff  zurückzuführen  und  in  derselben  das
moderne  Culturleben  wieder  in  den  Vordergrund  zu  stellen.  Eine
dritte  Meinung  sage,  die  Realschule  tauge  nichts,  sie  sei  eine  Verfirrung,
  von  der  zurückgekommen  werden  müsse.  '

Howdiefem  dritten  Standpuncte  werde  geltend  gemacht,  es  sei
durch  die  Schöpfung  der  Realschule  ein  verderblicher  Dualismus  in
unsere  Bildung  gekommen  und  ein  Riß  in  dem  öffentlichen  Schulwesen
  und  in  der  nationaten  Bildung  entstanden;  die  Realschule
nthalte  keine  auf  das  Ideale  Ferichteten  Bildungselemente  und
entwickele  nur  den  auf  das  Mechanische  gerichteten.  Verstand.
„Refrrent  war  jedoch  der  Meinung,  daß  das.  Rebeneimander.  von