Volltext : Wegweiser für Ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege.

verkauft  worden.  Endlich  ist  auch  die  Kultivierung  und  Besiedlung
  des  Hahnenknooper  Moores  im  Kreise  Geestemünde  in
Angriff  genommen  worden.

In  Ostpreußen  ist  mit  der  Kultivierung  und  Besiedelung
des  im  Kreise  Heydekrug  belegenen  etwa  3000  ha  umfassenden
Augstumalmoores  begonnen  und  zu  dem  Zweck  ein  besonderer  Besiedelungsplan
  ausgearbeitet  worden.  Dieser  nimmt  die  Anlage
owohl  von  Käthner-  wie  von  spannsähigen  Bauernstellen  und  die
Möglichkeit  ihrer  späteren  Vergrößerung  in  Aussicht.  Die
Banuernstellen  sollen  durch  die  Verwaltung  zum  größeren  Teile
in  Kultur  gebracht  und  aufgebaut,  die  Käthnersiedelungen  neben
Errichtung  eines  Stückes  Grasland  nur  für  die  Bestellung  vorbereitet
  werden.  18  der  neugebildeten  Stellen  sind  bereits  an
Pächter  vergeben  worden.  Eine  neue  Moorkolonie  ist  auch  in
Elchtal,  einem  Teile  des  im  Kreise  Labiau  belegenen  großen  Moosbruches
  begründet  worden.  18  von  den  vorgesehenen  50  neuen
Stellen  sind  bereits  verpachtet.

Die  Leitung  der  neuerdings  in  Angriff  genommenen  staatlichen
  Kolonisations-Unternehmungen  ist  den  Gencralkommissionen
übertragen  worden,  die  die  Kultivierungsarbeiten  vorzugsweise
mit  Gefangenen  gusführt.  In  den  holsteinischen  Mooren,  dem
Bargstedter  Moor  und  dem  Reitmoor  führt  die  Gefangenenverwaltung
  selbst  Besiedelungsarbeiten  aus.

Auch  von  nichtstaatlicher  Seite  hat  man  die  Moorkolonisation
in  Angriff  genommen.  Von  dem  bekannten  Leiter  der  Bieleselder
Anstalten,  Pastor  von  Bodelschwingh,  ist  in  dem  in  den
Kreisen  Sulingen  und  Diepholz  gelegenen  Wietingsmoor  im  November
  1899  eine  Arbeiterkolonie  gegründet  worden.  Es  wurden
zunächst  Wohngebäude  für  20  Jünglinge  und  30  arbeitslose
Männer  geschaffen,  die  mit  der  Bearbeitung  des  Sand-  und  Moorlandes,
  Entwässerungs-  und  Torfsticharbeiten  beschäftigt  werden.
Diese  Kolonie  soll  den  Stamm  für  weitere  hergeben:  beabsichtigt
ist  dann  die  Bildung  von  Rentengütern,  um  bewährte  Arbeiter
seßhaft  zu  machen.

Erfreulicherweise  geht  neuerdings  auch  die  Provinzialverwal.
tung  von  Westfalen  mit  der  Besiedelung  von  Oedländereien  vor.
Sie  hat  eines  der  verwahrlosesten  und  verwildertsten  Gelände  in
dem  nordöstlichsten  Teile  der  Provinz,  die  „Brechte“,  zur  Größe
von  321  ha  angekauft  und  ist  damit  beschäftigt,  dieses  mit  einem
Kostenaufwande  von  rund  einer  halben  Million  Mark  in  Kultur
zu  setzen,  um  daraus  demnächst  Rentengüter  von  je  etwa  15  ha
Größe  zu  schaffen.

Die  im  Kreise  Geestemünde  bestehenden  8  Moorkolonien,
  von  denen  nur  zwei  ihre  Entstehung  und  Einrichtung
unmittelbar  staatlicher  Fürsorge  verdanken,  während  die  anderen
durch  Veräußerung  siskalischer  oder  privater  Moorteile  entstanden,
erfreuen  sich  einer  verhältnismäßig  guten  Entwickelung,  obwohl