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Wenn man also in dem ganzen Weltgeschehen eine Zweckmäßigkeit
sieht, so muß man für diese notwendig auch auf eine geistige Ursache
und eine Willensfreiheit schließen. Die Zweckmäßigkeit im Weltgeschehen
läßt sich aber nicht darin finden, daß sich die Welt nach ewigen
unveränderlichen Gesetzen in einer ununterbrochenen Umformung befindet,
sondern diese läßt sich allein darin finden, daß in der Umformung
der organischen Natur ein Entwicklungsprinzip liegt, d. h. daß
die Umformung in der organischen Natur nicht nur eine Veränderung
bedeutet, sondern in der Fortpflanzung auch eine Verjüngung und
inbezug auf eine Zielstrebigkeit für den Menschen auch eine Vervollkommnung.
Nur in der Zielstrebigkeit für den Menschen, d. h. in seiner
Entwicklung ist eine Zweckmäßigkeit in der Welt zu erkennen und dieses
führt ohne weiteres zu der Folgerung, daß der Mensch als oberste Stufe
der Entwicklung überhaupt der Zweck der Welt inbezug auf ihr Geschehen
ist, und daß sich hierdurch ausschließlich der dem Weltgeschehen
gegenüberstehende Weltwille, d. h. das Dasein Gottes offenbart.
Nimmt man mit der christlichen Theologie an, daß die organischen
Formen als unvergängliche Typen geschaffen sind, so bedeutet alle individuelle
Umformung nur eine Veränderung; die Fortpflanzung ist dann
überhaupt keine Umformung, die zur Vervollkommnung führen kann,
sondern nur ein Naturtrieb, der zur Unterhaltung und nebenbei zur
Erhaltung der Art dient. Nach solcher Auffassung läßt sich dann im
irdischen Dasein der Menschheit sehr schwer eine Zweckmäßigkeit des
Weltgeschehens finden. Daß in einer gesellschaftlichen Klassengliederung
eine Mehrheit wirkt und schafft, damit eine Minderheit das
irdische Dasein etwas üppiger und sorgloser genießen kann, und daß
Kriege geführt werden, die Hekatomben von Menschen verschlingen,
bloß um diesen Zustand zu sichern, das kann es allein nicht begründen,
daß sich die Mutter Erde täglich um ihre eigene Achse dreht, um allen
Teilen Licht und Wärme von der Sonne zu verschaffen. Die Kirche
kann also im irdischen Dasein des Menschen an sich, wie wir es aus
der Kulturgeschichte kennen, keinen Weltzweck finden. Und da nach
ihrer Seelentheorie und ihrer Lehre von der Erbsünde sich die Menschen
in Zukunft nicht zu ihrem Vorteil verändern, so faßt sie das
irdische Dasein nur als Mittel auf, und verlegt den Zweck des Menschen
in ein jenseitiges Leben nach dem Tode. Aus dieser Zweckmäßigkeit
folgert ie dann das Dasein Gottes, das dadurch dieselbe Wahrscheinlich-Et
und Möglichkeit erhält als das Seelendasein nach dem irdischen
e.
Der Materialismus hingegen verlegt die Zweckmäßigkeit des
Weltgeschehens, das sich allein im Dasein des Menschen äußert, in das
irdische Dasein desselben, und zwar sind hiernach die Vergangenheit