Metadata : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Dritter Teil. (3)

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mit  einem  vollen  Mißerfolg.  Der  Angriff  am  10.  Aug.
scheiterte,  ebenso  ein  starker  Vorstoß  auf  Kowel.  Zwischen
  Pripjet  und  der  Ostsee  blieb  alles  ruhig.  Hier
echielt  General  Rußki  den  Oberbefehl  an  Stelle  des
Generals  Kuropatkin.  —  Generalfeldmarschall  v.  Hindenburg
  erhielt  nach  Bereinbarung  mit  der  österreichischen
  oberen  Heeresleitung  an  dem  größten  Teil
der  Ostfront  den  Oberbefehl;  südlich  schloß  sich  die
Heeresfront  des  Erzherzogs  Karl  Franz  Joseph  an.

10.  Der  Krieg  im  Westen  im  Jahre  1916.

Der  Kampf  um  Verdun  von  Februar  bis  Julii.

Der  Winter  1915/16  wurde  von  der  deutschen
oberen  Heeresleitung  zur  Vorbereitung  eines  großen,
die  Entscheidung  suchenden  Angriffs  auf  die  befestigte
Gegend  von  Verdun  zu  beiden  Seiten  der  Maas  benutzt.
  Am  21.  Febr.  begann  er  durch  die  Armee  des
deutschen  Kronprinzen  zunächst  auf  dem  rechten,  dem
östlichen  Maasufer,  und  zwar  nach  einer  überwältigenden
  Beschießung,  gegen  den  Abschnitt  Consenvoye-Azannes.
  Gleich  am  ersten  Tage  drang  er  auf  10  km
Breite  3  km  tief  in  die  seit  1½  Jahren  von  den  Franzosen
  vortrefflich  ausgebaute  Stellung  vor  den  Außenwerken
  der  Festung  ein.  Die  Hauptverleidigungslinie
war  vor  die  Forts  eingeschoben  worden.  Am  23.
wurde  durch  die  Einnahme  von  Brabant,  Beaumont
und  Samogneiyx  der  Erfolg  ausgebaut,  am  24.  fielen
Champneuville  an  der  Maas,  Cotelettes,  Marmont,
Beaumont,  Chambrettes,  Ornes  und  sämtliche  Stellungen
  bis  an  den  Louvemont-Rücken;  am  25.
wurde  in  Gegenwart  des  Kaisers  die  Befestigungsgruppe
  von  Louvemont  gestürmt;  ein  besonders  harter
  Schlag  für  die  Verteidigung  war  die  an  demselben
  Tage  gelungene  Erstürmung  der  Panzerfeste
Douaumont.  Gleichzeitig  drang  der  Angreifer  in
der  Woêvre-Ebene  in  die  feindlichen  Stellungen  ein
und  trieb  die  Besatzung  von  da  ab  langsam  auf  die
Höhen  der  Cöte  Lorraine  zurück.  Der  26.  Febr.  brachte
den  erwarteten  Gegenstoß  der  sich  kraftvoll  wehrenden
Verteidigung,  die  den  Ernst  der  Lage  und  die  Bedeutung
  des  deutschen  Angriffs  wohl  erkannt  hatte,  in
Richtung  der  Feste  Douaumont.  Er  wurde  blutig
abgewiesen.  Im  Nachstoß  wurden  westlich  die  Feste
Champneuville  und  die  Cöte  de  Talou,  östlich  die
ausgedehnten  befestigten  Anlagen  von  Hardaumont
genommen,  während  auch  in  der  Wosvre--Ebene  der

ingriff  fortschritt.  —  Bisher  waren  neben  reichlichem
Material  15000  unverwundete  Gefangene  eingebracht
worden.  Die  Lage  schien  sich  für  den  Verteidiger  mit
jedem  Tage  mehr  zu  verschlechtern.  Es  wurde  bemerkt,
  wie  andere  Abschnitte  der  Westfront  geschwächt
werden  mußten,  um  den  Widerstand  im  Raume  von
Verdun  sorteen  zu  können.  In  den  nun  folgenden
Tagen  erschöpften  sich  die  Verteidiger  in  Wiedereroberungsversuchen
  des  verlorengegangenen  Geländes,
zumal  bei  Douaumont.  Nichts  wurde  erreicht.  Zunächst,
  am  29.  Febr.,  hielt  der  deutsche  Angriff  auf
dem  östlichen  Flußufer  in  der  Linie  Bras  an  der
Maas-Psefferrücken-Thiaumont,  dicht  nördlich  von
Dorf  Vaux,  vorbei  an  Feste  Vaux-Damloup-Fuß
der  Cöte  Lorraine;  bei  Combres  wurde  am  6.  März
der  Anschluß  an  die  frühere  deutsche  Linie  gewonnen.

Nunmehr  begann  auch  der  Angriff  auf  dem  westlichen,
  dem  linken  Maasufer.  —  Am  8.  März  wurden,

1  Bgl.  die  Karte  Bd.  II,  S.  197  und  die  Kriegsberichte  Bd.  11,
S.  193,  190  fl.,  201  f.  und  203f.

I.  Kriegsgeschichte

um  den  Anschluß  an  die  auf  dem  rechten  Ufer  gewonnene
  Linie  herzustellen,  die  feindlichen  Stellungen
u  beiden  Seiten  des  Forges-Baches  unterhalb  von
thincourt  gestürmt,  Forges,  Regneville,  der  Raben·
  und  Cumiereswald  wurden  besetzt  und  geen
  Rückeroberungsversuche  gehalten.  Diese  wiederholten
  sich  in  den  nächsten  Tagen  ohne  Erfolg;  am
14.  wurde  die  Höhe  -Toter  Mann=  von  den  Deutschen
genommen,  am  21.  die  gesamten  befestigten  Anlagen
im  und  am  Walde  von  Avocourt.  Ein  gewaltiger  Artilleriekampf
  tobte  dabei  ununterbrochen  vom  ersten
Schlachttage  ab,  im  Verlauf  dessen  Verdun  in  Brand
geschossen  wurde.  Am  28.  März  wurde  der  Angriff
auf  dem  linken  Maasufer  durch  Wegnahme  von
Stellungen  nördlich  von  Malancourt  fortgesetzt,  infolgedessen
  am  folgenden  Tage  außerordentlich  heftige
  Gegenangriffe  einsetzten,  die  aber  ergebnislos
blieben.  Am  30.  wurde  Malancourt  genommen,
während  auf  dem  rechten  Maasufer  zunächst  die
Kampftätigkeit  nur  auf  Artilleriefeuer  beschränkt  blieb.
Seine  Wirtung  war  aber  so  stark,  daß  am  31.  März
die  feindlichen  Anlagen  nordwestlich  und  westlich  von
Vaux  sturmreif  waren  und  fielen.  —  Am  6.  April
wurde  auf  dem  westlichen  Flußufer  Haucourt  gestürmt.
  Die  Berteidigung  wurde  sehr  aktiv  geführt,
unermüdlich  war  der  Franzose  in  Gegenangriffen,
die  aber  immer  noch  im  allgemeinen  auf  beiden  Flußufern
  ergebnislos  verliefen.  Zu  verkennen  war  aber
trotzdem  nicht,  daß  die  Widerstandskraft  der  Festung  in
infanteristischer  Beziehung  sich  allmählich  verstärkte.
—  Flieger  hatten  schon  1  einiger  Zeit  die  Heranschaffung
  von  Verstärkungen  mittels  Eisenbahn  und
besonders  auf  Kraftwagen  gemeldet.  Der  Angriff
schritt  trotzdem  auf  beiden  Ufern  langsam,  aber  planmäßig
  vorwärts,  noch  so  heftige  und  zahlreiche  Gegenstöße
  des  Feindes  vermochten  ihn  nicht  aufzuhalten.
Am  17.  April  wurde  ihm  auf  dem  rechten  Flußufer
der  Steinbruch  südlich  von  Haudromont  und  die  starke
Stellung  nordwestlich  vom  Gehöft  Thiaumont  entrissen.
  Die  Zahl  der  unverwundeten  Gefangenen  war
auf  711O-ffiziere  u.  38  155  Mann  gestiegen;  im  ganzen
hatte  die  Verleidigung  bis  dahin  38  Infanteriedivisionen
  eingesetzt.  Es  begann  nun  eine  Pause  im  Fortschreiten
  des  Angriffs,  da  diegegnerischen  Stellungen,
je  mehr  man  sich  dem  Kern  der  Festung  näherte,  umso
widerstandsfähiger  wurden;  sie  waren  durchihregegen
Sicht  vortrefflich  geschützten  Anlagen  sehr  schwer  zu
entdecken,  die  gegnerische  Artillerie  entwickelte  sich  dabei
immer  mächtiger,  die  Nachführung  der  eigenen  Munition
  wurde  in  dem  Berggelände  immer  schwieriger.
Die  Lage  erfuhr  zunächst  keine  Veränderung,  trotzden
  die  französischen  Gegenangriffe  immer  zahlreicher
und  heftiger,  auch  umschtgreichen  wurden,  hauptsächlich
  wurde  um  die  Stellung  am  =  Toten  Mann-  gekämpft.
  Am  7.  Mai  errang  der  Angriff  auf  dem
linken  Ufer  eine  nicht  unerhebliche  Förderung  durch
die  Wegnahme  der  gesamten  Gräben  am  Nordhan
der  „Höhe  3046.  Es  wurde  hierbei  festgestellt,  dab
sich  mittlerweile  die  Zahl  der  von  dem  Feinde  eingesetzten
  Divisionen  auf  51  erhöht  hatte.  Diesen
gegenüber  waren  bisher  nur  halb  soviel  deutsche  verwendet
  worden.  —  Am  8.  Mai  wurde  General  Pétain
  in  dem  Oberkommando  an  der  Maas  durch
General  Nivelle  ersetzt.  Mit  Antritt  seines  Kommandos
  trat  eine  Zeit  der  beson  deren  Rührigkeit  der  Verteidigung
  ein,  ohne  daß  es  ihr  gelang,  den  Angreifer
urückzudrücken.  Am  19.  Mai  wurden  die  französischen
  Gräben  beiderseits  der  Straße  Haucourt-Esnes