316 Die einzelnen Universitäten.
richtigen Ansichten allgemeiner Bildung ausgehend, weder Fächer
ausschließen, noch von einem höheren Standpunkt, da die Universitäten
schon den höchsten unfassen, beginnen, noch endlich sich bloß auf
praktische Übungen beschränken. Ohne den Namen aber und ohne
das Recht der Erteilung akademischer Würden, würde sie immer nur
wenige auswärtige Zöglinge zählen. Man würde inı Auslande weder
einen bestimmten Begriff von ihrer Beschaffenheit, noch cigentliches
Vertrauen zu ihr haben, und sie mehr für einen wissenschaftlichen
luxus, als für ein ernstes und nützliches Institut halten.“
Humboldt war sich wohl dessen bewußt, daß die geplante
Anstalt, sollte sie ihren hohen Zweck erfüllen können, erhebliche
Kosten verursachen würde, hielt aber eine Mehrausgabe dieser Art
trotz der wenig befriedigenden Finanzlage für durchaus geboten.
Nur wären nach seinem Projekte die zu bewilligenden Summen nicht
einfach auf die Staatskassen anzuweisen. Die Universität hätte sich
vielmehr durch eigenes Vermögen zu erhalten. Es sollten ihr zu
diesem Zwecke Domänengüter verlichen und die hieraus sich ergebenden
Ausfälle in den Staatseinkünften durch Einziehung katholisch-geistlicher
Güter in Schlesien und Westpreußen gedeckt werden. Durch cine
derartige „von den Gesinnungen der jedesmaligen Regierenden unabhängige
Dotation“ bezweckte Humboldt der zu errichtenden Anstalt
„nmiehr Selbständigkeit, mehr innere Würde und größeres Vertrauen
bein Ausland“ zu verleihen. In demselben oben genannten Schreiben
an den König stellte Humboldt den Antrag, das Prinz Heinrichsche
Palais, welches, 1764 erbaut, nach dem Tode des kinderlosen Prinzen
im Jahre 1802 und der Prinzessin im Jahre 1808 an die Krone
zurückgefallen war, der Universität zuzueignen.
Humboldts Vorschlägen wurde durch Kabimettsordervon 16. August
in allen Punkten stattgegeben. Später jedoch, als zur Ausführung
dieser Kabinettsorder geschritten wurde, stieß der Dotationsplan bei
den maßgebenden Instanzen auf entschiedenen Widerstand und seinem
Urheber gelang es nicht ihn durchzusetzen.*) Das ist aber auch die
einzige wichtige Frage gewesen, deren Entscheidung nicht in dem
von Humboldt gewünschten Sinne gefallen ist.
Seine ganze Energie legte Humboldt daran, für die Universität
die geeigneten Lehrkräfte zu gewinnen. Gleich nach Antritt seines
neuen Amts hatte er vom König für Wolf, Fichte, Schleiermacher
*) Zu vergleichen über die Dotationsfrage Adolph Wagner. Die Entwicklung der
Universität Berlin 1810—18%. Berlin 1896. 5. 5—13.