Bei Warschau und in Polen wurde gestern nach dem unentschiedenen Ringen der letzten Tage nicht gekämpft.
Die Verhältnisse befinden sich dort noch in der Entwicklung.
Neue Taten der Emden berichtet der Lloyds Agent in Colombo aus London nichtamtlich an die Admiralitat.
Die britischen Dampfer Chilka — Troilus — Benmohr — Clan Grant und der für Tasmanien
bestimmte Bagger Ponrabbel seien von dem deutschen Kreuzer Emden versenkt und der Dampfer
Exford sei gekapert.
Aus Lissabon wird über Unruhen in Portugal geklagt. In der letzten Nacht erlitten die Eisenbahnund
die Telegrapbenverbindungen durch Sabotage eine gewisse Unterbrechung, wurden aber bald wieder hergestellt.
Außer in Braganza und Nafra, wo Erhebungen unterdrückt werden mußten, herrscht wieder überall
Ruhe. Eine Bande Aufständischer, unter der Führung des Oberst Adriano Beca, wurde von den Truppen
verfolgt und der Oberst wurde gefangen genommen.
Am Ende voriger Woche besetzten die Deutschen die Stadt Roussellaere mit großen Streitkräften und
setzten den Marsch auf Dixmuiden und Nieuport fort. Die Franzosen versuchten, die Stabt zurückzuerobern,
was ihnen aber nicht gelang.
Die Zahl der belgisch-englischen Gefangenen in Holland beträgt mit 1430 Offizieren 33000 Mann.
In Antwerpen erscheinen unter deutscher Zensur bereits zwei holländische Blätter, das Handelsblad
und die Nieuwe Gazet. Das Blatt L'Inpendence Belge erscheint nun in London.
In Belgien sind drei Eisenbahndirektionsbezirke, nämlich Brüssel — Charleroi — Libramont.
Diese werden mit deutschem Betriebspersonal besetzt und setzen sich zusammen aus einem Regierungsbaumeister,
Betriebsingenieuren, Eisenbahnsekretären, Bahnhofsvorstehern, Assistenten, Stellwerkstechnikern,
Rangier= und Fahrpersonal, Bahnmeistern, Telegraphenarbeitern, Streckenwärtern usw. Die Kolonne ist
von der deutschen Militärwerwaltung mit Gewehren und Munition ausgerüstet worden.
Die gedienten Mannschaften treten in ein militärisches Verhältnis, während die nicht gedienten als
Reichsbeamte geführt werden.
Die Eisenbahnmannschaften, welche sich aus Altona, Berlin, Saarbrücken, Mainz, Stettin usw. zusammenziehen,
sind mit Sonderzug von Spandau aus bereits abgereist.
Hans plaudert:
In Brüssel herrsche unter der Bevölkerung starke Niedergeschlagenheit. Man kann es sich wohl denken,
denn im Stillen hoffen sie immer noch auf Zurückeroberung durch die Franzosen, Engländer, Russen mit ihren
Helfershelfern. Die deutschen Militär= und Zivilverwaltungen bieten alles auf, um Not und Elend vom Lande
fern zu halten. Fast alle Kohlenzechen arbeiten wieder. Kohlen kommen zu Wasser und zu Lande in alle
größeren Städte. In Brüssel wurden durch öffentliche Anschläge Höchstpreise für Kohlen und Lebensmittel
festgestellt, um Wucher zu verhüten und zu bestrafen.
In Paris, kann man slch denken, ist an Stelle der kolossalen Begeisterung ein Mißmut und eine Enttäuschung
eingetreten, denn die Sorge um die Versorgung und Verproviantierung um die im Felde stehenden
Truppen vermehrt sich täglich und woher Hilfe schaffen? Die Lebensmittelpreise sind auf das Vierfache gestiegen
und der Geldmangel macht sich in allen Kreisen sehr fühlbar. Die Lügentelegramme über Sieg und immer
Sieg über die deutschen Truppen, und daß Väterchen Zar in Berlin eingezogen sei, entpuppen sich allmählich
als offensichtliche Lügen und Schwindel. Die ungezählten Verwundeten, die täglich in den Städten Frankreichs
eingebracht werden, sprechen von einem anderen Bilde. Ja, auch groß ist die Not und das Unglück bei
den Franzosen. Das Volk wollte keinen Krieg, aber verblendet von Poincaré und den Engländern wurde alles
in den Kriegsrummel und Trubel hineingerissen und das Schicksal des verblendeten Belgierkönigs wird
den Franzosen nun auch in seiner ganzen unglücklichen Größe bewußt. Auch sie kommen zur Überzeugung,
daß der ganze Krieg nur eine Mache des abgefeimtesten Betrügers, des Engländers Grey ist und das
französische Liebäugeln mit diesem Herrn wird wohl bald in ausgesprochensten Haß ausarten. Die Zeitung
Postep in Krakau meldet, daß die deutschen und österreichischen Truppen Puttuski vor Warschau besetzt
haben.
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