Auch die Russen erhalten an der Grenze von unseren und den österreichischen Truppen ordentlich Klopfe.
In Moskau wird sich Väterchen Nikolaus wohl nicht sicher genug gefühlt haben, denn die kaiserliche
Familie, die erst kürzlich von Petersburg in Moskau eintraf, ist nun nach Zarskoje Selo abgereist.
England wollte in kürzester Zeit die verlangten 500000 Mann als Nachersatz in den Krieg zusammenbringen,
konnte aber bis jetzt erst 2000 zusammenbringen und was für Helden, lauter stellungs- und beschäftigungslose
Leute, die aus Hunger und Not gezwungen, den Sold annehmen. Dabei wollen die Banditen von
Engländern schon 200000 Mann in Belgien und Frankreich gelandet haben.
Hans plaudert:
Unser Vormarsch in Belgien hat wohl die ganze Welt, die die Kunde hiervon erhielt, in Staunen geseszt.
Erst Lüttich mit seiner hochmodernen Festungseinrichtung, das unüberwindlich schien, unseren 42 Zentimeterhaubitzen
ist nichts unmöglich, das bat man hier gesehen, die Panzerforts wurden jämmerlich zuschanden
geschossen.
Heute erschien die 6. Verlustliste. Dieselbe wird schon größer, als die ersten. Es ist ja auch nicht anders
möglich, denn wo auf feindlicher Seite bei Mülhausen und nun in den Vogesen tausende von Franzosen niedergehauen
wurden, da hat es auch bei uns Blut gekostet. Gedenken wir auch würdig unserer braven Truppen,
die heldenmütig ihr Leben geopfert haben um unser Gut und Leben zu schützen.
Mir däucht es, nicht genügend. Wenn man bedenkt, was steht an Grund und Boden und Geld auf
dem Spiele, wenn wir verlieren? — Was geben die Reichen bis jetzt für das Rote Kreuz und die Kriegshilfe?
Hamburg. — Die neueste Ausgabe der eingegangenen Gaben weist folgende Resultate auf: Rotes Kreuz
1344917,15 Mark, Hamburgische Kriegshilfe 1104339,33 Mark. Was ist das für eine Stadt wie Hamburg.
Vergleichen wir Frankfurt am Main.
Bedenken wir, wenn das Volk ausgehungert, beschäftigungslos gegen die besitzenden Klassen heranstürmen
würde und trotz der herrlichen Siege unserer Truppen, im Heimatlande selbst Hungersnot und deren schreckliche
Folgen besieht, wenn dann den Besitzenden ihr Hab und Gut genommen würde, wie würden sie dann zuerst
schreien — wir wollen gerne etwas mehr geben! Noch ist es nicht so weit — aber gehungert wird schon da und
dort und es geschieht verdammt wenig zur Abhaltung der Not. Zuerst laß die begonnenen Arbeiten des Staates
im Bauhandwerk weiter ausführen und die Finanzdeputation mit dem Sanierungsgebiet voll und ganz aufräumen.
Der Staat muß eben noch einige Millionen herausrücken (ist im September geschehen!), um den Hunger
vieler Tausender zu stillen. Zuerst muß für den inneren Frieden gesorgt werden, denn was nützt unseren heimkehrenden
Siegern nachher alle ausgestandene Not und Strapazen, wenn zu Hause die Revolution ausgebrochen
ist und ihre Lieben da und dort unter den Trümmern zusammengeschossen liegen. Darum müssen die besitzenden
Klassen mehr aufgerüttelt werden. Sie dürfen auf ihren Geldsäcken und Geldkisten nicht einschlafen.
Ein Rechtsanwalt hat im Hamburger Fremdenblatt etwas darauf angespielt, aber das ist gar nichts. Er
muß der besitzenden Klasse mit den schrecklichsten Bildern die Pflicht der Erhaltung des inneren Friedens ausmalen.
Vielleicht genügen seine Zeilen auch so. — Noch sind wir nicht Sieger auf allen Flanken. Das Kriegsglück
kann sich noch wenden und wenn unsere Krieger erst draußen erfahren, daß ihre Zurückgebliebenen hungern
müssen, dann ist es mit ihrem angeborenen Mut auch bald alle und schließlich werden sle vor der Zeit matt und
gelähmt und die Überzahl ihrer Gegner wird sie überwältigen. — Möge es Gott verhüten! Darum erst im engen
Vaterlande die Not beseitigen. Dann kann alles gut werden!
Erst drei Wochen dauert der Krieg und hat schon solche traurige Folgen. Wie mag es erst werden, wenn
er mal erst drei Monate dauert und die Kälte auch noch das ihrige beiträgt. — Aller Optimismus schwindet
und der Pessimiomus erhält die Oberhand. — Es sei ferne von mir, zu verzweifeln, aber hie und da erdrückt
einen der Gedanke, wie wird es noch kommen!
Hoffen wir, baß meine Befürchtungen niemals eintreffen werden und daß die Segnungen des Krieges
nachher unserem ganzen deutschen Vaterlande gut zu statten kommen und es sich wieder in Handel, Gewerbe
und Industrie emporhebe zum ferneren Wachsen Gedeihen und Erblühen. Das gebe Gott.
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