stilistische Pein. Nach stundenlanger Arbeit war der Guß endlich
gelungen und wurde, nachdem die Note ein paarmal von Hand zu
Hand gegangen und dann noch ein halbes Dutzend Mal von mir
verlesen worden war, unterschrieben.
Beim Auseinandergehen fragte der Kanzler Sir Ernest noch,
wer von England aus zu den Verhandlungen zu erwarten sei.
Cassel erwiderte, es werde jedenfalls ein Minister gesandt werden,
welcher, sei ihm nicht bekannt, vielleicht Mr. Winston Churchill, der
jetztge Marineminister, da es sich ja um eine Marineangelegenheit
handle. Dann vereinbarte der Kanzler noch mit ihm, daß der inoffizielle
Weg beibehalten werden und Ballin die Übermittlung aller
die Angelegenheit betreffenden Nachrichten aus England übernehmen
solle. Sir Ernest drückte seinen lebhaften Dank für liebenswürdigen
Empfang und seine Zufriedenheit mit dem Tenor unserer Antwortnote
aus. Später teilte mir Ballin noch einmal vom Hotel aus
mit, daß Cassel sich in jeder Beziehung befriedigt über den Erfolg
seiner Mission ausgesprochen habe und über den guten Eindruck, den
er empfangen hätte, auch seiner Regierung berichten werde.
Als ich dann die Angelegenheit mit Admiral v. Tirpitz besprach,
waren wir beide uns darüber einig, daß die Novelle in Gefahr
komme, also scharf aufgepaßt werden müßte. Es wurde nun in aller
Stille das Material geordnet, das Admiral v. Tirpitz bei den Verhandlungen
vorzulegen haben würde: ein kleiner historischer Überblick
über die Entwicklung der Flotte und deren sich erweiternde Aufgaben;
das Flottengesetz in seinen Zielen, seinem Wesen sowie seine Durchführung
und seine Erweiterung, schließlich die vorliegende Novelle,
ihre Bedeutung und die Art ihrer Ausführung. Vom Kanzler
wurde erbeten, daß die Hauptverhandlung im Schloß in meiner
Gegenwart stattfinden solle. Mit Tirpitz verabredete ich noch, daß
er, soweit er könne, englisch sprechen solle, bei schwierigen Ausdrücken
würde ich eventuell dolmetschen.
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