Ehe die Verhandlungen begannen, machte ich den Staatssekretär
v. Tirpitz noch darauf aufmerksam, daß Haldane, obgleich augenblicklich
Kriegsminister, sich wohl vorbereitet haben werde und sicherlich
von der englischen Admiralität, in der der Geist Fisher's walte,
eingehend instruiert worden sei. Fisher hatte in sein Handbuch für
englische Seeoffiziere neben anderen beherzigenswerten Vorschriften
einen Satz aufgenommen, der für den Admiral, seine Behörde und
ihren Geist charakteristisch ist und wörtlich lautet: „If you tell a lie,
stick to it.“*) Außerdem, sagte ich zu Tirpitz, dürfe man nicht
vergessen, welch fabelhaftes Anpassungsvermögen die Angelsachsen besäßen;
es befähige sie zur Übernahme von Posten, die ihrem sonstigen
Lebens- und Bildungsgange fern lägen. Auch sei in England
das Interesse für die Marine allgemein so intensiv, daß fast jeder
Gebildete bis zu gewissem Grade für Marinefragen sachverständig sei.
Bei den Verhandlungen zeigte sich Haldane vortrefflich informiert
und als geschickter, zäher Debatter, wobei seine brillanten Advokateneigenschaften
in die Erscheinung traten. Das Gespräch dauerte mehrere
Stunden und führte zu einer generellen Klärung sowie zu einer vorläufigen
Einigung über Verschiebung von Bauterminen usw. Die
Einzelheiten seines Verlaufs sind im Reichsmarineamt in den Akten
niedergelegt. Tirpitz war hervorragend.
Nachdem noch einige Besprechungen — auch unter Teilnahme
Ballins — stattgefunden hatten, reiste Haldane zurück. Ballin meldete
mir, Haldane habe sich ihm gegenüber in jeder Hinsicht befriedigt
über den Ausgang seiner Mission ausgesprochen und der Meinung
Ausdruck verliehen, daß in etwa 8 - 14 Tagen das Konzept zu dem
Abkommen an uns werde übersandt werden können.
Die Zeit verstrich. Der Zeitpunkt für das Einbringen der Novelle
rückte näher. Tirpitz schlug vor, falls das Abkommen vor-*)
„Wenn Du lügst, dann bleib' auch fest dabei.“
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