Volltext : Kaiser Wilhelm II. Aus meinem Leben 1859-1888.

und  Hinzpeter  waren  meist  mit  von  der  Partie.  Auf  diesen  Wanderungen
  haben  wir  so  recht  Land  und  Leute  kennen  gelernt  —  anders
als  das  heutige  Reisepublikum,  das  mit  dem  Auto  in  70  Kkm-Geschwindigkeit
  durch  die  Landschaft  eilt.

So  entsinne  ich  mich  noch  einer  Fahrt  über  Brandenburg  nach
Magdeburg,  wo  wir  General  v.  Blumenthal  besuchten.  Wir  be—
sichtigten  in  Brandenburg  den  Dom,  dann  den  Marienberg,  auf  dem
in  fslawischer  Zeit  ein  Triglawtempel  gestanden  haben  soll.  Mein
Bater  hatte  es  nicht  gern,  wenn  ihm  allzu  viel  erklärt  wurde,  und
versuchte  in  solchen  Fällen,  durch  Scherze  den  Redefluß  lästiger
Führer  zu  unterbrechen.  Hier  aber  hatte  er  keinen  Erfolg,  denn  als
er  in  der  bewußten  Absicht  die  auswendig  gelernten  Erklärungen
unseres  Begleiters  mit  der  Frage  unterbrach,  ob  es  keine  Bhotographie
  des  Götzen  Triglaw  gäbe,  erhielt  er  zur  allgemeinen  Heiterkeit
  die  prompte  Antwort:  es  solle  sofort  eine  beschafft  werden  —
und  dann  ging  die  Belehrung  unaufhaltsam  weiter!  Im  Magdeburger
  Dom  bewunderten  wir  zunächst  den  schönen  Sarkophag  der
Gemahlin  Kaiser  Ottos  I.,  Editha,  einer  englischen  Brinzessin.  Dann
wurden  uns  zu  unserer  nicht  geringen  Freude  die  erstaunlichsten
Reliquten  gezeigt,  als  da  sind  eine  Sprosse  der  Jakobsleiter,  eine
Börse  des  Riesen  Goliath,  sowie  ein  Stück  der  ägyptischen  Finsternis.
Leider  konnten  wir  letztere  nicht  unmittelbar  sehen,  sondern  nur  den
Kasten,  in  dem  sie  verwahrt  wurde,  denn  wäre  er  geöffnet  worden,
hätte  ste  den  größten  Schaden  anrsichten  können.

Mehrmals  sind  wir  nach  Lehnin  gefahren,  wo  das  alte  Zisterzienserkloster
  damals  noch  in  Trümmern  lag.  Mein  Vater  hatte  für
diesen  Bau  lebhaftes  Interesse  und  sorgte  dafür,  daß  die  Ruine
stilgerecht  ausgebaut  wurde.  Die  Restaurierung  ist  dann  auch  gut
gelungen.

Ein  andermal  ging  die  Fahrt  nach  Rheinsberg.  VBon  Friesack
aus  besuchten  wir  das  Schlachtfeld  von  Fehrbellin,  wo  General

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