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707 Spoktsucht — Spötterei.
Pasquill. — Spottsucht, k. Sucht zu spotten; dazu
spottsüchtig, Adi. — Spottvers, m. Vers zum Spotte:
spottrerse auf einen dichten. — Spottvogel, m. Name
einer die Stimmen anderer Vögel nachahmenden Drosselart,
turdus mimus, auch spottdrossel; in älterer Spr.
und bis jetzt auch neckische Bezeichnung eines Spötters:
drei spoifögel in schwenken frech H Sachs Fab.
1, 234; der grosz spottvogel Erasmus Garg. 14; spottvögel
haben sieh sogar den spasz crlaubt PH Heine
14, 96. — spottweise, in der Art des Spoltes, als
Epott: spottweis, carillando Stieler; etwas spottweisc
vorbringen; dafür älter in substantiver Fügung:
der junker in spotweis in aufruepft paide drank und
speis H Sachs Fab. 1, 244. — spottwohlfeil, im höchsten
Grade wohlfeil, al spottbillig: schöne leinwand
wohlfeil, spott woblfeil Grillparzer 9, 237; es war ein
rechtes zigeunerleben, aber spottwoblfeil Gandy Erz. 62.
Spöttelei, f. spöttelnde Außerung: die obige spöttelei
zu hulfe zu rafen Lessing 10, 92; einem spöttelcien
sagen. — spötteln, leicht spotten, sugitlare, ssubobseure
ludisieari Frisch; uber, auf einen spötteln; (sie)
fragte mich spöttelnd Schiller Fiesko 3, i. — spotten,
Spott äußern, ahd. spottôn, mhd. spoiten (auch das
Altnord. hat ein Verbum spotta gebildet); nach der
milderen Bed. des Subst., — Scherz treiben: du wünst
ieh spotte oder speye, es ist mir ernst darbei Maaler;
ich spotte nicht, es ist mein wabrer ernst Adelung;
damit ist nicht zu spotten, wit der religion, mit der
bibel spotten ebd.; Zurückweisung einer nicht für Ernst
gebaltenen Außerung mit du spoitest nech jetzt; nach
der schärferen Bed. des Subst., = Hohn äußern in
Worten, Gebärden, Verhalten: r##ckere spotten Dief.;
mit den augen spotten Pf. 35, 19; die da heueblen
und spotten 16; dasz die reisenden auswendig spotten
und die gaste inwendig klagen Goethe was wir br. 3;
im Part.: schauen! gellt ihm ein langes echo spottend
nach Schiller Bild zu Sais 79; spottender weis Handschuh
50; im subst. Ins.: das spotten der lesterer Weish.
Sal. 1, 10; mit Gen.: einer person, sache spotten:
sic verlicheten und spottetcn jr 2. Chron. 30, 10; spottet
er zu einem ritter von der tafelrunde .. der beiden
schwarzen knechte Wieland Geron 557; es sind nicht
alle frei, die ibrer ketten spotten Lessing Nath. 4, 4;
frei, von Dingen: das schlosz epotiete jedes versuchs,
es zu öffnen; zustünde die jeder beschreibung spotten;
eine müchtige naturkraft die jedes widerstandes
spottet Schiller 10, 163; — dafür mit Präp. uber:
keine suchec, woruber man spotten sollte Möser Phant.
3, 269; uber die religion zu spotten Schiller Räub.
5, 1; über jemand spotten Campe; mit ctwas: dasz
er nicht öflentlich mit der ehrlichkcit spotte Nabener
1, 69; mit persönlichem Dat.: er hat.. gespottet dem,
und dem gelacht, der sich nicht wehren kann Gleim
4, 129; tranf., mit persönlichem Acc.: daz man dich
hazze oder schelte oder spotte Br Berthold 1, 360;
er wird die spötter spotten Spr. Sal. 3, 31; er spoltet
dic leute, Romines dersckek Stein bach; mit Acc. und
Gen.: von Charlotten luszt du dich gern der kinderspiele
spotten Gellert 2, 76; sich spotten lassen:
gott leszt sich nicht spotten Gal. 6, 7, vgl. auch verspotten;
mit Angabe der Wirkung: man hat sie (die
Wahrheit) .. zu doden gespottek Wieland was ist
Wahrheit; deine schwärmerischo dissertation spotict
er dir zu schanden CFMeyer Nor. 1, 124; — spotten
spottend nennen: weit du mich herzog spott st
.Spotliches frugen H Sachs Fab. 1, 175; auch
Schiller Fiesko 5, 14. — Spötter, m. der da spettet,
gewohnheitömäßig Spottender, mbd. spottære: derisor
spotter Dief.; sitzt da dic spöller silzen Pf. 1,1;
meine sbötter (die mein spotten) Hiob 16, 20; immer
noch der nlte spörter Benedix rel. Stud. 1, d: Name
einer Möwenart, laxus abrfeitla, auch der Schleiernatter,
coluber vittatus. — Spötterei, s Treiben,
“
spöttisch — Sprache. 708
Außerung eines Spötters, ubsanmotso, opprobrium,
eontumesia Stieler; spöttereien uber die grundsätze
eines fakirs Wieland gold. Spieg. 1, 8; persönlich gedacht:
nuch scbielct kcine spötterci, wenn wir uns
knie und hünde drucken Bürger die beid. Liebenden.
— spöltisch, in der Art des Spottes, Spott habend,
zeigend, tudibundus, salsus Stieler; spöllische rede
cbd.; wer so spöttisch und schendlich mit dem schrecklichen
wort gottes gauckeln thar Luther §, s3b; die
ganze mägde-zunft wird meiner spöttisch lachen Caniz
213; von solchen spöttischen worten verletzt Goetbe
Herm. u. Dor. 9. — spöttlich, in der Weise des Speltes,
sröttisch, höhnend, möd. spotlich, spötlich, in älterer
Spr. verbreitel: mit spötlichen lippen Jes. 25, 11; sein
— zu
Spott gereichend, schändlich: euwer spotlich unwesen
Schade Sat. 2, 152; spöttlich herum zichen, contentim
vagarf Stieler; — in neuerer Spr. gegen
spöttisch zurückgegangen: die ungerechten, spöttlichen
und verdrehenden angriffe Goethe DuW. 7; thüt nur
spöttlich um sich blieken Uhland 329.
Sprache, k. Ausdruck der Gedanken in Worten;
westgermanische Budung zum Verbum sprechen, ahd.
sprahba, mhd. sprüche, fries. sprükc, spreke. spretsec,
altengl. spræe; schon früh in verschiedenen Bed. ausgebildet;
älteste das Sprechen, Besprechen in gewisser
feierlicher Form (vgl. aussprache, zwicsprache und gesprch),
ahd. sprahha 4##mm# Jermmoefnatf#o, "ocela,
ealloquium übersctzend (Graff), daher Rede und Gegenrede
vor Gericht, sowie die geordnete Beratung einer
Behörde bezeichnend, bauern-, burgersprache Verhandlungen
der bäuerlichen und bürgerlichen Obrigkeit,
kirchensprache der Kirchgenosseh, morgensprache der
Handwerker; Beratung, luterredung überbaupt: thie
biscofa . datun eina sprächa Oktfrid 3, 25, 2; er
kom zuo der spräche Nib. 1440; älter uhd.: als Socrates
mit ninem andern sprache hielt Frölich Stob.
507; als er zu Florenz mit etlichen Italienern sprach
hielte Zinlgref 2, 18 (dazu das Verbum sprachen,
sich unterreden: als nu Leufried und der graf gnöÖg
mittnander gespracht hatten Wickram Goldf. X 40);
neuer noch in den sesten Wendungen zur sprache
kommen, etwas zur sprache bringen; die inneren angelegenheiten
zur sprache bringen Ranke Werke 1, 55;
eincn gegenstand zur sprache zu bringen, der mir von
groszer wichtigkeit schint Moltke 8§, 365; sitzung.
in der . diese sache zur sprache Kkommt Bismarck
Red. 1,323; — auch Ausspruch, Behauptung, Meinungsund
Willensäußerung eines Einzelnen, wie 1s sPrache,
in volksmäßiger Rede bei seiner sprache bleiben; der
hat. nach sciner sprache, aun gute bussichten EKöni
an Lessing 1771; dasz dus dringen und feilschen bei
mir nicht verschlägt, weil ich nie von meiner sprache
abgehe Immermann Münchh. t, 129; in der Redensart
mit der sprache nicht heraus wollen; heraus mit
der sprache Schiller Räub. Trauersp. 1, 6; Art, wie
man seine Meinung änßert: freie, kuhne, offenc, versteckte,
hintarhultige sprache; was ist das fur eine
sprache? Räub. 4, 3; diese verwegne sprache Karl.
l, 5; wurde von der oeslerreichischen partei eine ganz
audere sprache gefuhrt Bismarck an Gerlach 131;
mädchen, was führst du mir fur sprache Wildenbruch
Generalfeldob. 2,2; — in allgemeinerem Sinne,
eigentümliche Art zu sprechen schlechthin: menschliche,
auch ticrsprache; in freiem Sinne sprache der augen,
der blicke (Schiller Karl. 2, 15), hünde, bewegongen;
dieser pantomimische tunz . in einer allgemein verständlichen,
unmittclbar zur empfendung und einbildungskraft
redenden spruche Wieland Per. Prot. 3;
die sprache meines grams zu verstehen Schiller
Fiesko 3,1; Vermögen dazu: er gab jnen allen vernunft,
sprache Sir. 17, 5; durch Schreck v#rsg#at die