Full text : Handwörterbuch der Preußischen Verwaltung. Zweiter Band (L-Z). (2)

Provinziallandtage  325

vierwöchentlicher  Einspruchsfrist  beim  Provinzial-(OVG.  17,  7).  Die  Klage  hat  keine  aufschiebende
ausschuß  zur  öffentlichen  Kenntnis  gebracht.  Wirkung,  jedoch  dürfen  bis  zur  Entscheidung  des
Über  die  erhobenen  Einsprüche  beschließt  der  OV#.  Ersatzwahlen  (d.  h.  Wahlen,  die  zum  Er-Provinzialausschuß
  endgültig.  Bei  der  Fest=  satze  für  ungültig  erklärte  Wahlen  stattfinden
stellung  der  Abgeordnetenzahl  ist  die  durch  die  je=  sollen:  OV#  G.  14,  62)  nicht  stattfinden  (Prov  O.
weilige  letzte  Volkszählung  ermittelte  Einwohner-  88  14—24;  Prov  O.  für  Hessen-Nassau  §  11—21).
zahl,  mit  Ausschluß  der  aktiven  Militärpersonen,  III.  Der  P.  wird  von  dem  Könige  alle  zwei
zugrunde  zu  legen  (88§  12,  13  a.  a.  O.;  §  8—11  Jahre  wenigstens  einmal  berufen,  und  zwar  in
Prov  O.  für  Hessen-Nassauyg.  der  Regel  an  denjenigen  Ort,  in  dem  die  Ver-II.
  Die  Abgeordneten  der  Landkreise  waltung  des  Provinzialverbandes  geführt  wird.
werden  von  den  Kreistagen  (OVG.  17,  2),  die  Ab=  Die  Ladung  der  Mitglieder,  die  Eröffnung  und
geordneten  der  Stadtkreise  von  dem  Magistrate  Schließung  des  P.  erfolgt  durch  den  Oberpräsiund
  der  Stadtverordnetenversammlung  bzw.  dem  denten  als  königlichen  Kommissarius  (s.  wegen
bürgerschaftlichen  Repräsentantenkollegium  in  dessen  Stellung  Provinziallandtagsgemeinschaftlicher
  Sitzung  unter  dem  Vorsitze  des  lommissar).  Die  Sitzungen  des  P.  sind
Bürgermeisters,  im  Gebiete  der  Rhein  St  O.,  so=  öffentlich,  doch  kann  für  einzelne  Gegenstände
weit  nicht  Magistratsverfassung  eingeführt  ist,  von  die  Offentlichkeit  ausgeschlossen  werden.  Der
der  Stadtverordnetenversammlung  gewählt.!  P.,  der  seinen  Geschäftsgang  durch  eine  Ge-Die
  Wahl  erfolgt  auf  sechs  Jahre;  die  Vornahme  schäftsordnung  regelt,  kann  nur  beschließen,  wenn
der  Wahlen,  die  der  Oberpräsident  anordnet,  mehr  als  die  Hälfte  der  vorgeschriebenen  Mitwird
  nach  dem  den  Prov  O.  beigefügten  Wahl=  gliederzahl  anwesend  ist.  Er  faßt  seine  Bereglement
  vollzogen.  Danach  erfolgt  die  Wahl  schlüsse  nach  Stimmenmehrheit.  Bei  Stimmendurch
  Stimmzettel.  Die  Wahl  mehrerer  Kandi=  gleichheit  gilt  der  gestellte  Antrag  als  abgelehnt.
daten  in  einem  Wahlgange  ist  zulässig  (OVG.  Unter  dem  Vorsitze  des  an  Jahren  ältesten  Mit-8,
  11);  dagegen  ist  die  Wahl  durch  Akklamation  gliedes  wählt  der  P.  einen  Vorsitzenden  und  einen
ausgeschlossen.  Gewählt  sind  diejenigen,  welche  Stellvertreter.  Der  Vorsitzende  leitet  die  Verdie
  absolute  Stimmenmehrheit  erhalten  haben.  handlungen  und  handhabt  die  Ordnung  in  ihnen.
Die  Namen  der  Gewählten  sind  von  dem  Ober-Die  Mitglieder  des  Provinzialausschusses  sowie
präsidenten  bekauntzumachen.  Wählbar  zum  Ab=  der  Landesdirektor  (Landeshauptmann)  und  die
geordneten  ist  jeder  selbständige  Angehörige  des  ihm  zugeordneten  oberen  Beamten  können  den
Deutschen  Reichs,  der  das  30.  Lebensjahr  voll-  Sitzungen  des  P.  mit  beratender  Stimme  beiendet
  hat,  sich  im  Besitze  der  bürgerlichen  Ehren=  wohnen  (88§  25—33).
rechte  befindet  und  seit  mindestens  einem  Jahre  IV.  Der  Geschäftskreis  des  P.  (Kommuder
  Provinz  durch  Grundbesitz  oder  Wohnsitz  an=  nallandtages)  ist  in  §§  34—44  der  Prov  O.,  für
gehört  (s.  Provinzialangehörige).  Hessen-Nassau  §§  31—41  der  Prov  O.,  im  allge-Als
  selbständig  gilt  derienige,  dem  das  Recht,  meinen  dahin  umschrieben,  daß  er  1.  über  dieüber
  sein  Vermögen  zu  verfügen  und  es  zu  ver=  jenigen  die  Provinz  betreffenden  Gesetzentwürfe
walten,  nicht  durch  gerichtliche  Anordnung  entzogen  sowie  sonstigen  Gegenstände  sein  Gutachten  abist.
  Die  Wählbarkeit  geht  verloren,  sobald  eines  zugeben  hat,  die  ihm  zu  dem  Ende  von  der  Staatsder
  vorgedachten  Erfordernisse  bei  dem  bis  dahin  regierung  überwiesen  werden,  und  2.  den  Pro-Wählbaren
  nicht  mehr  zutrifft,  und  ruht  während  vinzialverband  zu  vertreten  und  nach  näherer
der  Dauer  eines  Konkurses,  einer  gerichtlichen  Vorschrift  der  Prov  O.  über  dessen  Angelegen-Untersuchung
  wegen  Verbrechen  oder  mit  Ver=  heiten  sowie  über  dieienigen  Gegenstände  zu  belust
  der  bürgerlichen  Ehrenrechte  bedrohten  Ver=  raten  und  zu  beschließen  hat,  die  ihm  durch  Gegehen
  und  bei  gerichtlicher  Verhaftung.  Ebenso  setze  oder  kgl.  Verordnungen  überwiesen  sind  oder
verliert  jede  Wahl  dauernd  oder  vorübergehend  in  Zukunft  überwiesen  werden.  Hervorzuheben
ihre  Wirkung  mit  dem  gänzlichen  oder  zeitweisen  ist  dabei,  daß  die  Zuständigkeit  des  Provinzial=Aufhören
  einer  der  für  die  Wählbarkeit  vorge=  verbandes  nicht  über  die  gesetzlichen  Vorschriften
schriebenen  Bedingungen.  Die  Ersatzwahlen  für  hinaus  durch  seine  eigene  Beschlußfassung  ausdie
  im  Laufe  der  Wahlperiode  Ausgeschiedenen  gedehnt  werden  kann  (s.  hierzu  auch  Provinwerden
  von  denjenigen  Land=  und  Stadtkreisen  zialges  etze).  Im  speziellen  gehören
bzw.  Wahlbezirken  vorgenommen,  von  denen  die  zu  den  Befugnissen  und  Obliegenheiten  des  P.
Ausgeschiedenen  gewählt  waren.  Gegen  das  der  Erlaß  von  Statuten  und  Reglements;  die
stattgehabte  Wahlverfahren  (also  nicht  vor  der!  Verteilung  von  Staatsprästationen,  welche  der
Wahl;  O#  G.  12,  1)  kann  jedes  Mitglied  der  Wahl=  Provinz  auferlegt  sind;  die  gesamte  Finanzverversammlung
  innerhalb  zwei  Wochen  Einspruch  waltung  der  Provinz  einschließlich  des  Besteuebei
  dem  Vorsitzenden  des  Wahlvorstandes  er-  rungsrechts;  die  Feststellung  der  Grundsätze  für  die
heben.  Die  Beschlußfassung  über  den  Einspruch  Verwaltung  der  provinziellen  Angelegenheiten;
steht  dem  P.  zu,  der  im  übrigen  die  Legitimation  die  Einrichtung  der  Provinzialämter;  die  Wahl
seiner  Mitglieder  von  Amts  wegen  prüft.  Gegen  der  Landesdirektoren  und  der  ihnen  zugeordneten
den  Beschluß  des  P.  findet  innerhalb  zwei  Wochen  oberen  Beamten  bzw.  der  leitenden  Beamten  der
die  Klage  beim  OVG.  statt.  Diese  ist  gegen  den  einzelnen  Verwaltungszweige;  ferner  die  Wahl
P.  zu  richten,  der  im  Streitverfahren  nach  §  58  zum  Provinzialausschusse  und  zu  den  Provinzial-Prov
  O.  (§  56  für  Hessen-Nassau)  durch  den  Pro-  kommissionen.  Wegen  des  Petitionsrechts  des
vinzialausschuß  vertreten  wird  (O  G.  1,  8).  Die  Provinziallandtages  s.  Petitionsrecht.
Klage  steht  dem  zu,  dessen  Wahl  für  ungültig  er-In  Hessen-Nassau  stehen  die  vorbezeichneten
tlärt  worden  ist,  sowie  dem,  der  Einspruch  er=  Funktionen  den  Kommunallandtagen  der  Behoben
  hatte,  nicht  aber  dem  Kreistage,  der  die  zirksverbände  zu,  während  die  Tätigkeit  des  Profür
  ungültig  erachtete  Wahl  vorgenommen  hat  vinziallandtages  im  wesentlichen  auf  die- 



 

—  —