thumbs : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Rosenheimer  Anzeiger

 

und  Felerta

 

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Nummer  22  %  %%  Marl  der  Große.

 

 

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durch  die  Annoncen-  Haufen-Nürnberg,
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Amtliches  Publikakions-Organ.

Freitag,  28.  Jamnmar  1916

Rosenheimer  Tagblakt

V###untIh:  Kareline,  —..  62.  Jahrgang

Anterzeichunne  der  Waffenstrechung  durch  montenegrinische  Vevollmächtigte

Die  verheerende  Wirkung  des  deutschen  Fliegerangriffs  auf  Lover.  —  Wachsende  Erbitterung  gegen  die  verschärfte  englische
Blockadepolitik.  —  Ein  großer  englischer  Dampfer  versenkt.  —  Eine  italienische  Niederlage  am  Görzer  Brückenkopf:  1200

Italiener,  darunter  45  Offzziere,  gefangen.

Die  Relesslage.

%V.  Großes  Haupt  quartier,  den
.  Januar,  vormittags.  Amtlich.
Westlicher  Kriegsschanplat  "

Im  Verein  mit  der  Beschießung  unserer  Stellungen
  im  Duünengelände  durch  feindliche  Landartillerie
  belegten  feindliche  Monitore  die  Gegend
  von  Westende  mit  ergebnislosem  Feuer.

Beiderseits  der  Straße  Vimn-Neuville  stürmten
  unsere  Truppen  nach  vorhergegangener
Sprengung  die  feindlichen  Stellungen  in  einer
Ausdechnung  von  500  600  Meter  und  machten
  einen  Offizier  und  52  Mann  zu  GCefange-Len
  und  erbenteten  ein  Maschinengewehr  und
&:2en  Minenwerfer.  Nach  fruchtlosen  Gegenangrifsen
  des  Feindes  entspannen  sich  hier  und  in
den  anderen  in  den  letzten  Tagen  eroberten  Gräben
  lebhafte  Handgranatenkämpfe.

Die  Stadt  Lens  lag  unter  starkem  feindlichem
Feuer.  In  den  Argommen  zeitweise  beftige  Artilleriekampfe.


Oestlicher  Kriegsschauplatf.

Algesehen  von  erfolgreichen  Unternehmungen
lleinerer  deutscher  und  österreichisch--ungarischer
Akteilungen  bei  der  Hceresgruppe  des  Generals
p.  Linsingen  ist  nichte  von  Bedeutung  zu  melden.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Nichts  Neues.

Oberste  Heeresleitung.
#  I  I
Der  amtliche  österreichische  Bericht.

WTB.  Wien,  26.  Jan.  Amtlich  wird  gemeldet:

  4
EEABIAII

Nichts  Neues.

Staltensscher  Mislsanran.

Am  Görzer  Brückenlopf  nahmen  unsere  Truppen
  in  den  Kämpfen  bei  Oslavija  einen  Teil
der  dortigen  feindlichen  Stellungen  in  Besitz.

Hiebei  fielen  1197  Gefangene,  darunter  45
Offiziere  und  zwei  Maschinengewehre  in  unsere
Hände.

An  mehreren  anderen  Stiellen  der  Jsonzofront
nahm  die  Gefechtstätigkeit  zu.  Angriffs=  und
Annäherungsversuche  der  Italiener  gegen  die
Podgora,  den  Monte  San  Michele  und  gegen
unsere  Stellungen  östlich  von  Monfalcone  wurden
abgewiesen.

Unsere  Flieger  bewarfen  Unterkünfte  und
Magazine  des  Feindes  in  Botge  zd  znr  mit
Bomben.  .  11·

Südbsftlicher  ——

Die  Vereinbarungen  über  die  Waffenstreckung
des  montenegrinischen  Heeres  wurden  gestern

1  6  Uhr  abends  von  den  Bevollmächtigten
der  montenegrinischen  Regierung  unterzeichnet.
Die  Entwaffnung  geht  ohne  Schwierigkeiten  vor
lich,  und  wird  auch  auf  die  Bezirke  von  Kolasin
und  Andrejewica  ausgedehnt.

Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalslabs:
I.  Höfer,  Feldmarschalleutnant,

 

Revolution  in  China.

Lekile  Aachtichlen.
Der  Vormarsch  in  Albanien.

Bern,  27.  Jan.  Die  „Idea  Nacionale“
meldet:  Die  Oesierreicher.  besehten  gestern  früh
mit  starken  Abteilungen  Alessio.

Alessio  liegt  im  Gebiete  von  Skutari,  etwa
haltwmegs  zwischen  Skutari  und  Darazzo,  unweit
  der  Drinmundung.  Der  Vormarsch  auf
Durazzo  von  Norden  her  nimmt  alfko  einen
schnellen  Fortgang.

Das  mißglückte  englische  Spiel.

Wien,  27.  Jan.  Glaubwürdige  Berichte
stelien  sest,  daß  die  Engländer  in  Griechenland
ausgespielt  haten  und  Konig  Konstantin  Herr
der  Lage  ist.  Der  hier  anwesende  Peter  Carp
sprach  sich  bezüglich  Rumänien  ähnlich  aus.  Die
mißglückte  russische  Offensive  gegen  die  Bukowina
  hat  ihren  Eindruck  völlig  verfehlt  und  das
Gegenteil  beu  irkt.  Kennzeichnend  dafur  i#t  der
seitdem  ungestörter  sich  entwid4elnde  Getreideverlehr
  auf  der  Donau  und  den  Eisenbahnen.
In  politischen  Kreisen  uberwicgt  jegt  die  Anschauung,
  daß  die  Entente,  an  militärischen  Erfolgen
  zweifelnd,  nur  noch  auf  die  Erichopfung
der  Mittelmächte  an  Metall,  Leder,  Wolle  usw.
rechnen  und  bie  dahin  den  Krieg  hinauszichen
wolle,  um  einen  Slatusequo-Frieden  zu  er#clen.

  Die  Illusion,  daß  der  Krieg  auf  einem  toten
  Punkt  angelangt  ist,  wird  durch  die  Initiative
  der  Mittelmächte  im  nahen  und  fernen
Osten  auch  bald  zerstört  sein.  (3.)

Die  Drangsalierung
Griechenlande.

Konsitantinopel,  27.  Jan.  Athener  Be
richte,  die  seit  Wochen  ausstanden,  laufen
jetzt  wieder  ein;  vorgestern  langten  die  ersien
drahtlichen  Meldungen  aus  der  griechischen
Houptstadt  hier  an.  Die  Entente  fährt  fort,
Griechenland  die  drückendsten  Bedingungen
diklieren  zu  wollen.  Sie  ist  entschlossen,  unter
Umständen  das  griechische  Volk  der  Hungersnol
  durch  vollsländiges  Abschneiden  seglicher
Zufuhr  preiozugeben.  Die  Stimmung  des  griehischen
  Volles  ist  trotz  der  unerhörten  Drohungen
  mehr  und  mehr  dem  König  günslig:
an  dieser  granitenen  Mauer  zerschellten  bisder
  alle  Versuche  der  Ententepolitik.  Bemerlenswert
  it  eine  gewisse  Zurückhaltung  des
russischen  Gesandten  in  Athen,  der  den  gemeinsamen
  Schritten  Frankreichs  und  Englands  seit
längerer  Zzeit  fernbleibt.  Die  Entente  erklärte
dem  griechischen  Kabinetichef,  daß  sie  einen  elwaigen
  Beschluß  der  griechischen  Kammermehrheit
  auf  Verhängung  des  Belagerungszustandes
  nicht  zulassen  wolle.  (3

 

Wachsende  Erbillerung  gegen
Cugland  in  Amerika.

Newyork,  26.  Jan.  (Durch  Fungspruch
vom  Vertreter  des  W  TB.)  „Evening  Post“  bespricht
  in  einer  Depesche  aus  Walshington  aus.
führlich,  wie  die  britische  (Diplomatie,  welche
sich  auf  dem  Balkan  durch  ihre  Kurzlichtigkeit

so  unheilvoll  geirrt  habe,  in  einer  nicht  zu  ferr

nen  Zukunft  finden  dürfte,  daß  ihr  Sehvermögen
  ähnlich  beschränkt  gewesen  sei  in  bezug
auf  die  Vereinigten  Staaten.  Denn  England
beherrscht  die  Lage  unseres  Landes  nicht  mehr
so,  als  es  noch  vor  wenigen  Monaten  war.
Die  bedauerliche  Schlußfolgerung  muß  festgelegt
werden,  daß  das  erstaunliche  Gefühl  einer  Abneigung
  gegen  England  jüngst  entstanden  ist
und  noch  beständig  wächst,  weil  es  die  Engländer
  daran  fehlen  lassen,  den  amerikanischen
Standpunkt  zu  begreifen  oder  weil  sie  nicht  wilsind,
  ihm  die  Wichtigkeit  beizulegen,  die  er
verdiem.

Als  der  Krieg  ausbrach  und  noch  viele  Monate
  nachher  stand  die  Sompathie  der  Amerikaner
  stark  auf  seiten  Englands.  Die  belgischen
Greuel,  die  Unmenschlichkeit  der  Jespeihfahr.
ten,  die  rohen  Angriffe  der  Unterseeboote,  die
ohne  Warnung  erfolgten,  trugen  dazu  bei,  die
Mittelmächte  zu  verdammen  und  die  Aufmerk.
samleit  von  eingestandenen  Verletzungen  des
Völkerrechtes,  die  England  zur  See  verübte,
abzulenken.  In  allen  diesen  Monaten  hat  die
amerikanische  Negierung  nur  schwach  ihre  Stim.
me  gegen  die  Allilerten  erhoben  und  dadurch  die
dauernde  Feindseligkeit  eines  großen  Teiles  der
amerikanischen  Bürger  deutscher  Abstammung
verursacht,  weil  sie  ermangelte,  Eugland  gegenüber
  eine  ebenso  rücksichtslose  Politik  u  verjfolgen,
  wie  dies  Deutschland  gegenüber  der
Zall  rwar.  Was  ater  unseren  Offiziellen  in  der

 

Seele  wehtut,  ist  der  Umstand,  dab  England
unlengbar  und  durch  die  Macht  der  Umstände
den  Nutzen  der  amerikanischen  Neutralität  einerntete.


Hätten  die  Vereinigten  Staaten  sich  dafür
entschieden,  peinlich  neutral  zu  sein,  so  hätten.
sie  sich  innerhalb  der  geheiligten  Grenzen  der
neutralen  Rechte  gehalten,  wenn  sic  für  alle
telegraphischen  Kabelverbindungen  der  Alliierten
  die  Einschränkung  der  Zenfur  eingeführt  hätien.
  und  wenn  sie  alle  Ausfuhr  von  Kriegsmunition
  bei  Ausbruch  des  Krieges  verboten
hätten,  wie  dies  Holland,  Norwegen  und  die
anderen  neutralen  Staaten  getan  haben.  Hierher
  hätte  ferner  gehört  eine  Gesetzgebung,  welche
die  Emission  von  Kriegeanleihen  verbietet.
trenge  Maßnahmen,  um  zu  verhindern,  datßz
einzelne  Reservisten  die  Vereinigten  Staalen
verlassen,  und  die  Einberufung  einer  Konferenz
von  Neutralen,  welche,  wie  unsere  eigenen  Offiziellen
  privat  zugeben,  sich  in  eine  antibritische
Versammlung  auflösen  würde,  die  Vergeltungsmahßnahmen
  gegen  die  Verletzungen  der  Gesetze
zur  Sec  durch  die  Engländer  verlangen  würde.

„Evening  Post“  fährt  fort:  Die  Engländer
geben  dem  amerikanischen  Handel  auf  seine  Be
schwerden  immer  wieder  die  Antwort,  daß  England
  die  Schlachten  der  Jivilisation  kampft,  und
daß  deshalb  Amerika  sich  mit  Einschränkungen
seines  Handels  und  anderen  Unannehmlichleilen.
abfinden  muß.  Wenn  die  britische  Regierung
nur  wüßte,  wieviel  diese  Beschwichtigung  seit.
langem  in  den  amerikanischen  amtlichen  Kreisen
au  Geschmack  verloren  hat.  Es  hat  begonnen,
dem  amerikanischen  Gaumen  vor  England  zu
ekeln.  Unsere  Offiziellen  ertlären  und  unparteissche
  Juristen,  wie  Professor  Woolsen  von
der  Universität  Yale,  bestatigen  diese  Meinung.
England  hat  jeden  Grundsatz  des  MBölkerrechte
verlett.  Der  viel  gerühmte  Kampf  fur  Frei- 



Die  englischen  Mißerfolge  in  Arabien:  Adens  gefährdete  Lage.  —  Die

heit  und  Kultur  ist  zu  einem  leeren  Schlagwort
geworden,  wenn  unsere  Offiziellen  die  Erklä—
rung  des  Königs  von  Griechenland  lesen  und
an  Saloniki  und  die  Vergewaltigung  der  griechischen
  Neutralität  denken  oder  wenn  sie  gelegentlich
  die  Berichte  leien,  wie  die  hilflosen
Mannschaften  deutscher  U.  Boote  kallblütig  niedergeschoffen
  wurden,  als  sie  inm  Wasser  um  ihr
Leben  lämpften,  oder  versuchten,  an  Bord  des
„Baralong“  zu  klettern.  Es  ist  ein  offenes  Gebeimnis.
  daß  der  „Baralong“  Fall  einen  peinlichen
  Eindruck  in  uneren  Regierungskreisen  hervorgerufen
  hat.  noch  beror  die  Deutschen  ihre
Darlegung  des  Falles  veröffentlicht  hatten.  Der
Unterschied  zwischen  Deutichlands  Verletzungen
der  Gesetze  der  Menichlichkeit  und  England=Gesetzüberschreitungen
  in  durch  die  amerikanische
Regierung  erkannt  worden,  als  der  zwischen
einem  Mord-  und  Zivilprozesse,  der  aber  auf
leinen  Fall  den  lleineren  Uebeitäter  entlastet.

Der  Lusitaniafall  ist  nahe  seiner  Lösung  und
die  Reaktion  fur  das  lange  Schweigen  über
Englands  Missetaien  wird  nicht  lange  auf  sich
wwarten  lassen.  Senatoren  und  Mitglieder  des
Atgeordnetenhauses  weisen  in  Privatgesprächen
auf  die  Unvermeidlichkeit  einer  diplomatischen
Auseinandersetzung  mit  England  hin.  W#as  unsere
  hochiten  Behorden  besonders  aufregt.  ist,
dah  jeder#mal,  wenn  ein  Schiff  torpediert  wird,
die  englische  Presse  und  die  englischen  Diplomatlen
  immer  fragen:  „Mas  wird  Amerika  darauf
tun?“  und  daß  man  in  London  nie  daran  denkt.
was  England  tun  konnte.  um  den  neutralen
Freunden  Unannebmüichkeiten  zu  ersparen.

Es  war  Englande  Zuruckhaltung  der  Lebensmittel,
  die  den  sehr  gerechten  Grundsätzen
widerspricht,  die  während  des  Burenkrieges  von
Lord  Salisbury  aufgestellt  wurden,  die  Deutschland
  zu  seinen  Vergeltungsmaßnahmen  mit  dem
Unterseebootstrieg  veranlaßten.

Die  Beschlagnahme  amerilanischer  Post  hat
Anlaß  zu  neuer  nicht  unbeträchtlicher  Verstimmung
  gegeten.  Auch  die  unnötige  Anwendung
des  Verdoles  des  Handelne  mit  dem  Feinde
auf  die  in  den  Vereinigten  Staaten  und  anderen
entlegenen  neutralen  Landern,  wie  den  südamerikanischen
  Reputliken  und  China.  wohnenden
  Deutschen  hat  einen  ungünstigen  Eindruck
gemacht.  Wenn  auch  die  Vereinigten  Staaten
keinen  gesetzlichen  Anlatz  zum  Eingreifen  in  diesen
  Dingen  haben,  wird  die  Reihe  solcher  Mannahmen
  in  vieler  Beziehung  als  unfreundlich
aufgefaßt.

Alle  neutralen  Staaten  boffen  gespannt  auf
Amerikas  Hilfe  in  der  Vertretung  der  Rechte
der  Neutralen.  Die  Vereinigten  Staaten  wür
den  die  Freundschaft  von  manchen  dieser  großen
Länder  verlieren,  wenn  sie  jen  nicht  denselben
Standpunkt  einnähmen  wie  sie.  und  gegen  die

Verlexungen  des  Volkerrechtes  Einspruch  e#
höben,  unter  denen  alle  leiden.  Nicht  durch

diplomatische  Einwirkung,  sondern  durch  den
Druck  der  öffentlichen  Meinung,  hoffen  die  Ver
einigten  Staaten,  würden  die  Regierung  und
das  Volk  Englands  dazu  kommen,  den  amer:

kanischen  Standpunkt  besser  zu  wurdigen  und  die
Notwendigleit  zu  erkennen.  die  Grenzen  der
amerikanischen  Geduld  oder  des  amerikanischen
Empfindens.  menn  diese  zu  sehr  in  Anspruch
genommen  werden,  nicht  zu  unlerschätzen.