Eisenbahn. 837
daß auf hohenzollern'schem Gebiet keine direkte Bahnverbindung zwischen
der württembergischen Oberneckarbahn und den Bahnen im badischen
Seekreis hergestellt werden dürfe, und geriethen schließlich gänzlich in's
Stocken. Auch über den Anschluß der württembergischen Oberneckarbahn
an das im Ausbau begriffene Bahnnetz im badischen Oberland behufs
der Gewinnung einer zweiten Bahnverbindung mit der Mittelschweiz konnte
man sich mit Baden nicht einigen.
Demungeachtet war die Ausführung des in dem Gesetz (A) vom
17. November 1858 in großen Zügen niedergelegten Plans durch das
Gesetz (B) vom gleichen Tage und das Gesetz vom 10. Januar 1862,
soweit es die mangelnden Anschlüsse irgend zuließen, rasch in's Werk
gesetzt worden. Schon am 20. September 1859 konnte von der unter
der Leitung Gaab's erbauten Oberneckarbahn die 34,4 km lange Strecke
Plochingen-Reutlingen dem Betrieb übergeben werden, welcher am 15. Oktober
1861 Reutlingen-Rottenburg (24,99 km) folgte. Die 111,5 km lange
Remsbahn (leitender Ingenieur Morlok) wurde in ihrer ersten Strecke
Cannstatt-Wasseralfingen am 25. Juli 1861, in ihrer weitern Anschlußstrecke
Wasseralfingen-Nördlingen am 3. Oktober 1863, ferner von der
Kocherbahn (Heilbronn-Crailsheim) bei welcher von ihrem Erbauer Abel
schwierige technische Aufgaben zu lösen waren, die erste Theilstrecke
Heilbronn-Hall (53,83 km) am 4. August 1862 eröffnet. Außerdem
waren Ende 1863 in Ausführung des Gesetzes vom 10. Januar 1862
die Strecken Aalen-Heidenheim (22,12 km) und Rottenburg= Eyach
(12,97 km) im Bau.
Hatte so das Staatsbahnprinzip durch das Gesetz von 1858 gegenüber
demjenigen von 1843 eine wesentliche Erweiterung erfahren, so
war doch noch am Schluß der Periode bei Anlaß des im Jahr 1861
eingereichten Konzessionsgesuchs für eine Zweigeisenbahn von der Station
Unterboihingen der Oberneckarbahn nach Kirchheim u./T. von Regierung
und Ständen übereinstimmend an dem Grundsatz des Gesetzes von 1843
festgehalten worden, daß Zweigeisenbahnen, welche ohne Bedeutung für das
Landesverkehrsinteresse nur dem örtlichen Verkehr dienen, nicht vom
Staat, sondern von den betheiligten Korporationen und Privatinteressenten
herzustellen seien. Die gedachte 6,26 km lange Zweigbahn wurde denn
auch im Jahr 1864 als die erste württembergische Privatbahn dem
Betrieb übergeben.
Das Staatsbahnnetz 1864 umfaßte am Schluß der Regierung des
Königs Wilhelm, welchem der hauptsächlichste Begründer und seitherige
Leiter des württembergischen Eisenbahnwesens Finanzminister Knapp um
3 Jahre im Tode vorangegangen war, im Ganzen 529,96 km; es kamen
somit auf 100 qkm des Flächeninhalts des Landes 2,7 Bahnkilometer,