Die Verwaltungsorganisation. 27
geschäfts, durch die Annahme verschlossener Depositen und durch bedeutend erhöhte Kassenbestände.
Seit Mitte der 90er Jahre hat die Reichsbank indessen nach einigen
ungünstigen Erfahrungen diesen Weg wieder verlassen und an Orten mit starkem Verkehr
die Nebenstellen nicht mehr mit zwei Vorstandsbeamten besetzt, sondern ihre Leitung nach
wie vor einem Vorstand überlassen und ihm nur einen vorzugsweise mit der Kassenführung
betrauten oder mehrere Assistenten beigegeben. Diesen Nebenstellen konnten
ähnliche Befugnisse beigelegt werden. Insbesondere ist ihr serweiterter Giroverkehr
dem der selbständigen Bankanstalten fast gleich; nur im inneren dienstlichen Verkehr
zeigt er noch einige Beschränkungen, die aber für die Geschäftswelt in keiner Weise
mehr fühlbar werden. Auch in anderen Geschäftszweigen, so im Lombardverkehr, in
der Aufbewahrung verschlossener Depositen) konnten ihnen weitergehende Befugnisse
eingeräumt werden, indessen hat die Reichsbank hier jegliche Schematisirung streng
gemieden und sich stets nach den örtlichen Bedürfnissen gerichtet. Das Aufkommen
dieser neuen Form der Rebenstellen an Plätzen mit stärkerem Geschäftsverkehr hat eine
weitere Ausdehnung der Nebenstellen mit zwei Vorstandsbeamten verhindert, die letzteren
sind zum größten Theil in Reichsbankstellen umgestaltet; die letzte, diejenige in Heilbronn,
ist im Jahre 1900 in eine „Nebenstelle mit erweitertem Giroverkehr= verwandelt
worden.
Den Nebenstellen mit zwei Vorstandsbeamten ähnlich waren die in völlig unveränderter
Gestalt von der Preußischen Bank übernommenen unselbständigen Kommanditen
Cöslin, Insterburg und Stolp. Man hatte hier damals mit Rücksicht auf die
Bedürfnisse und Wünsche des örtlichen Verkehrs zwar davon Abstand genommen, die Umwandlung
dieser mit etwas größeren Befugnissen versehenen Anstalten in gewöhnliche
Nebenstellen vorzunehmen, andererseits war aber der Geschäftsumsatz dort noch nicht
erheblich genug, um die Umwandlung in eine Reichsbankstelle zu rechtfertigen. Erst
später hat dieselbe stattgefunden, und zwar in Stolp im Jahre 1877, in Cöslin 1889
und in Insterburg 1900.
Gleichfalls einen Rest aus der alten Verwaltungsorganisation der Preußischen
Bank bildeten in ihrer älteren Verfassung die Reichsbanknebenstellen Trier, Marienwerder
und Saarbrücken, die bis 1891 bezw. 1892 und 1890 von den dortigen prenßischen
Regierungshauptkassen bezw. der Königlichen Bergwerks-Direktion verwaltet worden waren.
Demgemäß hat die Reichsbank heute nur noch drei Arten von Nebenstellen, solche
mit einem Bankvorstande, solche mit einem Bankvorstand und einem oder mehreren
Assistenten, beide nach ihrem Hauptunterscheidungsmerkmal Nebenstellen mit beschränktem
bezw. mit erweitertem Giroverkehr genannt, neben denen als dritte noch diejenigen ohne
Kasseneinrichtung bestehen.
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