Full text : der Weltkrieg 1914. Band 2. (1)

M  36.  353

3.  Tuberkulose  mit  ausgedehnten  Erweichungsherden.

4.  Stark  ausgedehnte  Tuberkulose  mehrerer  Organe,  jedoch  ohne  hochgradige  Abmagerung,
  ohne  Erscheinungen  einer  frischen  Blutinfektion  und  ohne  ausgedehnte
Erweichungsherde.

Bei  den  einzelnen  Schlachthiergattungen  zeigt  die  tuberkulöse  Erkrankung  gewisse  Verschiedenheiten.


Beim  Rinde  findet  man  in  den  meisten  Fällen  entweder  in  den  Lungen  oder  nur
in  deren  Lymphdrüsen,  oft  gleichzeitig  auch  in  den  Mittelfelldrüsen  kleinere  oder  größere
tuberkulöse  Herde  mit  käsigem,  käsig-eitrigem  oder  verkalktem  Inhalte.  Das  Brustfell  ist
häufig,  das  Bauchfell  nicht  so  oft  tuberkulös  erkrankt.  Während  die  Magen=  und  Darmschleimhaut
  selten  tuberkulöse  Veränderungen  (Knötchen  und  Geschwüre)  zeigt,  findet  man
die  Gekrösdrüsen  in  vielen  Fällen  verändert.  Tuberkulöse  Herde  sind  zwar  in  der  Leber
häufig  nicht  nachzuweisen,  dagegen  werden  die  Lymphdrüsen  dieses  Organs  oft  tuberkulös
gefunden.  Die  Nieren  erkranken  fast  nur  bei  älteren  Rindern.  Tuberkulose  der  Milz  ist
seltener  und  wird  vorzugsweise  bei  jüngeren  Thieren  angetroffen.  Ziemlich  häufig  findet
man  bei  älteren  Kühen  Tuberkulose  der  Gebärmutter.  Fleischlymphdrüsen  erkranken  selten
an  Tuberkulose,  noch  seltener  Gehirn,  Rückenmark,  Knochen  und  Gelenke,  am  seltensten  die
Muskeln.

Beim  Kalbe  ist  die  Tuberkulose  selten.  Bei  jüngeren  Thieren  findet  man  meist  die
Leber  und  deren  Lymphdrüsen  tuberkulös  sowie  eine  Verbreitung  der  Krankheit  durch  den
großen  Blutkreislauf;  bei  älteren  Kälbern  erkranken  verhältnißmäßig  oft  die  Gekrösdrüsen
und  der  Darm.

Beim  Schweine  entsteht  die  Tuberkulose  meist  durch  Verfüttern  der  Milch  und  der
Molkereirückstände  tuberkulöser  Kühe,  weswegen  vor  Allem  die  Kehlgangs=  und  oberen  Halslymphdrüsen,
  ferner  die  Gekröslymphdrüsen  erkranken.  Sehr  oft  werden  auch  in  den  Lungen
und  in  der  Leber  tuberkulöse  Veränderungen  gefunden;  verhältnißmäßig  häufig  ist  beim
Schweine  die  Tuberkulose  der  Milz  und  der  Knochen.

Die  Tuberkulose  des  Schafes,  der  Ziege  und  des  Hundes  ähnelt  der  des  Rindes,
jedoch  kommt  bei  diesen  Thieren  die  Tuberkulose  der  serösen  Häute  seltener  vor.

Der  nicht  als  Thierarzt  approbirte  Beschauer  darf  die  Schlachtviehbeschan  nur
übernehmen,  wenn  das  Allgemeinbefinden  der  Thiere  nicht  oder  nicht  wesentlich  gestört  ist  (§  11).
Er  hat  die  veränderten  Theile  als  genußuntauglich,  die  nicht  veränderten  Theile  als  genußtauglich
  ohne  Einschränkung  zu  bezeichnen  (§  30  Nr.  11;  §  35  Nr.  4):

1.  wenn  die  Tuberkulose  auf  ein  Organ  beschränkt  ist  und  hochgradige  Abmagerung

nicht  besteht;