Full text: Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

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und wegen der Lage in den Niederlanden jene Summe auf 100,000 fl. März 14. 
verringert, über die Zuniga hätte verfügen sollen. Aber es kam auch 
so weit nicht; denn inzwischen erfuhr der König, wie man damit um- 
gehe, dem Erzherzog Teopold diese Lande zu übertragen, was gegen 
des Königs Absicht ist; das spanische Haus trachtet nämlich darnach, die 
Succession in diesen Landen an sich zu bringen; da der Kaiser 
ohne Leibeserben und bei Matthias wenig Hoffnung auf solche ist, 
so würde nach deren Tod die Regierung vor Erzherzog Leopold an den 
König von Spanien kommen. „Desswegen der erzherzog, weilen im der 
Spanier den possen gerissen, sei er ihme todtfeind und het sich im fall 
der not an die cron Frankreich und an andere gehenkt und gehalten, 
beistand zu suchen“! 2. Hat der Kaiser mit ihm, T., wegen der aufge- 
tragenen Verrichtung im Reich persönlich geredet; wer hat sonst 
noch mit ihm darüber geredet und ihm die Instruktion zugestellt? — Der 
Kaiser hat nicht mit ihm darüber gesprochen ; die Instruktion hat Hanne- 
wald verfasst und Hertel ihm zugestellt”? 3. Hat derKaiser gutwillig und 
wissentlich die Instruktion ins Reich und andere Schreiben, auch die Dekrete 
welche er nach dem Einfall an dieStände erliess, unterschrieben oder hat ihn 
jemand dazu vermocht? — Der Kaiser hat die Unterschriften gutwillig 
gegeben. T. hat die Kommission ins Reich nicht sollizitiert; zuerst hätte 
Leuchtenberg zu allen Kurfürsten ziehen sollen; dann wurde die 
Schickung ihm aufgetragen, obgleich der Landgraf sie nicht von 
sich hat geben wollen. T. hat gesagt, wer in Böhmen Blut ver- 
giessen wolle, den hole der Teufel; er hat von der Absicht der 
Soldaten nichts gewusst „sondern contraria decreta gestellt, wiewol 
man durcheinander von blutvergiessen geredt; aber des erzherzogen 
intent sei die union der kriegsleut ins werk zu bringen gewest.“ 
4. Wie kommt es, dass, wenn man diese Vereinigung anstrebte, die 
Obersten sie nicht früher vorwandten als drei Tage vor dem prager 
Einfall? Zweifellos haben sie einen anderen Anschlag gehabt. — 
T. weiss es nicht: in der Kanzlei und vom Erzherzog war die Ab- 
dankung ernst gemeint gewesen; was Sulz und andere darüber hin- 
austaten, kann T. nicht verantworten. b. Es gibt ein Original- 
schreiben Zuiiigas an Erzherzog Leopold vom 30. Januar 1610, 
worin e8 heisst, T. habe im Namen des Erzherzogs eine heimliche 
Hilfe beim König von Spanien begehrt, was Zuniga misbilligte; T. 
soll sagen, gegen wen diese Hilfe gemeint war? — Damit ist die 
ı Dieser Frageartikel findet sich ins spanische übersetzt auch in Sim., 
Fasz. 2497, f. 267; Zuniga hatte sich das Verhörsprotokoll zu verschaffen 
gewusst. Wegen Leopolds Bezielungen zu Frankreich vgl. no. 99. 
? Vgl. oben no. 67, 8. 154, Anm.]. 
® Nach Gindely, a. a. O., S. 60, Anm. 3 vom 31. Januar 1610. Am 
Rand der spanischen Uebersetzung des ersten Frageartikels bemerkt eine 
Hand: „Hallsron los Bohemios al Tegnagel una carta original ılel embaxador 
don Balthasar escrita al s.°" archiduque Leopoldo. Ha sido a proposito que 
ballasen esta carta que por ella so vee la buena fee, con que en esto negocio 
se ‚ha procedido.“