März 14.
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obige Geldhilfe gemeint, die dann anderswohin verwendet wurde; das er-
wähnte Schreiben Zunigas an den Erzherzog hat er mitgenommen, um Kur-
köln zu beweisen, dass für das jülicher Wesen Geldhilfe versprochen
worden sei; Zuuiga hat die passauer Werbung niemals gebilligt.
6. Was ist mit T. sonst mündlich und geheim darüber verhandelt
worden? — Er weiss von nichts als dass das passauer Volk gegen Jülich
geworben wurde. 7. In Zunigas Schreiben heisst es: T. habe gesagt,
der Erzherzog wolle mit dem jülicher Volk in Böhmen einfallen und sich
mit dem Fürsten von Teschen vereinen, der an den schlesischen und
mährischen Grenzen Volk werben solle. Zu welchem Zweck sollte
damals der Einfall in Böhmen geschehen ? — Das passauer Volk sollte sich
nur auf die böhmische Grenze, das teschner auf die andere Seite legen.
8. Warum sollte das Volk von Jülich an die böhmische Grenze rücken,
da doch das Vorhaben nach Zunigas Schreiben ein anderes Ansehen hat? —
Er, T., hat dem König von Spanien im Vorjahre einen Diskurs geben müssen,
warum man das jülicher Wesen urgiere, deshalb nämlich, weil durch das
Volk und die Behauptung Jülichs dem Kaiser die Waffen in den Händen
.blieben ; dann sollte das Volk an die böhmische Grenze und weiter in
das Gebiet des Matthias geführt werden. 9. Warum hat man in
der Lausitz, Schlesien und sonst rings um Böhmen geworben, da dies
Volk doch notwendig ins Land [Böhmen] hätte rücken müssen? —
Das Volk sollte um die Grenze ‚herum in Matthias’ Land geführt
werden. Das ganze Wesen war überhaupt nicht gegen die Böhmen,
auch nicht zur Kassierung ihrer Religion und ihrer Majestätsbriefe
gemeint; die Politik brachte viel mehr mit sich, die Krone Böhmens
friedlich für Leopold zu erlangen; T. hat darum auch absichtlich und
mit besonderer Mühe in die Unionsdekrete die Worte gebracht: „Wass
zuo erhaltung I. M.' hocheit, auch dieses löblichen königreichs und all
derselben incorporierten landen ehr, wolfahrt und privilegien gehörig
und dienlich ist“! 10. Wer hat im geheimen Rat zu diesem
Wesen geraten? — Sulz, Althban, Hegenmüller, Übezko; T. ist erst
zuletzt in den Rat gelassen worden und hat sich beschwert, dass man in
seiner Abwesenheit Rats pflege, da er doch als geheimer Rat installiert
worden sei. 11. T. hat zuvor bekannt, wie der Erzherzog Rat halten
habe lassen, Thurn, Fels und Lobkowitz sicher aus dem Weg zu
räumen; wo und wann ist dieser Rat gehalten worden und wer, be-
sonders von den Böhmen, bat von diesem Anschlag gewusst? — Beraten
wurde in Henkels Haus; Ramöe hätte d’e fernere Exekution gegen die
Alt- und Neustadt vornehmen sollen; Ram&e, Sulz, Althan, Ubezko und
er, T., waren im Rat, der nach dem Einfall stattfand. 12. Ist es rich-
tig, dass Thurn und andere böhbmische Herren in den Häusern auf
der Kleinseite überfallen und eingezogen werden sollten, auch dass
der Anschlag bereits zu Tabor ba:ratschlagt worden sei? — T. weiss
davon nichts. 13. Da von den Bürgern, besonders von den welschen
auf der Kleinseite, viele auf die unsern geschossen haben, soll T.
ı Vgl. oben no. 60, S. 131, Anm. 1.