Full text: Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

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sagen, wie eie dazu bewogen wurden und was es mit dem weissen März 14 
Zeichen auf sich hatte?! — T. weiss auch davon nichts. 14. Aus 
anderen Aussagen ergibt sich, dass die gewisse Absicht bestanden hat, 
nicht nur die genannten drei Personen zu köpfen; was hat man mit den 
anderen, besonder: den zuvor erwählten Direktoren (von denen man sehr 
schimpflich geredet bat) im Sinne gehabt? — T. weiss nichts anderes 
als dass man durch gütliche Mittel und durch Liebe die Gemüter der 
Stände beider Religionen gewinnen wollte. 15. T. hat zuvor bekannt, 
dass er im Reich sagen sollte, die Böhmen hätten den Landtagssch luss 
wegen des Kriegsvolk vom Kaiser erzwungen ; wer hat das beantragt ? — 
Er kann sich nicht erinnern, vermutlich ist der Antrag im geheimen Rat er- 
folgt. 15. Da T. zuvor öffentlich bekannt hat, welche Absicht man 
gegen Matthias wegen der Designation in Böhmen und wegen der andern 
Länder hatte, so soll er sagen, waun man zu dieser Absicht gekommen sei, 
weil das Volk zuerst vorgeblich nach Jülich geworben worden war? — Das 
passauer Volk war zuerst wirklich gegen Jülich geworben; als der 
Erzherzog aber von Jülich kam, hat er die Unmöglichkeit eingesehen, 
es dorthin zu bringen. 17. Warum hat man das Volk nicht damals 
abgedankt? — Aus Mangel an Geld. 18. Es waren doch damals 
Mittel zur Abzahlung vorhanden und hatte man soviel Geld eingebracht, 
dass man es davon zufrieden stellen konnte. — Es war ein geringes; 
übrigens haben die Kriegsobersten dies Wesen gegen des Erzherzogs 
Willen und Absicht angesponnen. 19. Wie reimt sich, dass der Kaiser 
schon zuvor die Absicht hatte, den König zu bekriegen und doch wieder 
das Volk abdanken wollte? — Dem Kaiser ist das erstere erst nach dem 
Absagebrief des Königs? in den Sinn gekommen. 20. Wie kann das 
sein, da man schon vor einem Jahre Anschläge gegen den König ge- 
macht hatte? — „Das sei ja wahr, dass damalen, als man gesehen, dass 
das gülchische wesen nicht von statten gehn und glücken wollen, sei 
man an den anschlag wider den konig zuesambt coniungirung des 
kriegsvolks, so in Elsass gelegen, kommen und man habe wider den 
konig hilfe gesuecht.“ 21. Da der Kaiser und die geheimen Räte 
nicht nur den Kurfürsten und Fürsten sondern auch den Böhmen 
stets zugesagt hatten, dass das passauer Volk nicht gegen den König und 
dessen Lande gemeint sei (was nach T’s. Aussage sich anders verhält), 
&» möge T. sagen, wie sie, wenn sie ihre Absicht durchgeführt hätten, 
es bei den Kurfürsten und jedermann verantwortet hätten? — Im 
Rat ist darübor nicht gehandelt worden; unter seinen Sachen 
hat er das Konzept einer Verantwortung mitbekommen, die anhebt: 
„es ist land- und weltkundig “ 22. Wussten ausser den zuvor ge- 
nannten noch andere Personen von den Ratschlägen? — Des Erzherzogs 
Beichtvater P. Henricus Aquentius war anfangs mit im Rat; der 
böhmische Kammerpräsident Dohna, Slawata und Smezansky haben davon 
! Vgl. oben no. 84, 8. 186, Anm. 2. 
’ Vom 29. Dezember 1610. 
Briefe u. Akten des dreissigjährigen Krieges, IX. Bd. 16