290 Erankreiq. (Aug. 1622.)
Gambetta äußert sich mit großer Zuversicht über das Resultat der bevorstehenden
Wahlen. „Dieselben — meint er — werden eine wh Fusion
zwischen Capital und Arbeit, zwischen Volk und Bürgerthum anbahnen. Sie
werden den Bund zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat befiegeln.
Und wie die Wahlen von 1876 uns von den Anhängern der Bourbonen
beider Linien nahezu befreiten, so werden die Wahlen von 1877 uns von
dem Clericalismus und Bonapartismus befreien. Die Hoffnungen der ganzen
Welt werden nicht betrogen werden. Die Republik wird siegreich aus dieser
letzten Probe hervorgehen und der 16. Mai für die Geschichte nur die Bedeutung
haben, daß er die Periode des unsicheren Herumtastens, zu welcher
uns die letzten Combinationen einer an einem Unglückstage gewählten Nationalversammlung
verurtheilt hatten, um drei, um zehn Jahre abgekürgt
haben wird. Wenn Frankreich sein souveränes Verdict gesprochen haben wird,
dann wird man sich, was man jeßt auch des Gegentheils sagen möge, unterwerfen
oder zurücktreten müssen (il faudra se soumettre ou se démecttre).“
16.—21. August. Reise des Marschalls in die Normandie.
Zuerst begleitet ihn Fourton, nachher Broglie. Das Resultat ist
weder für ihn, noch für das Ministerium ein erfreuliches. Die offiziellen
Ansprachen und Antworten bleiben ohne den mindesten Eindruck,
während die Bevölkerungen überall und fehr entschieden ihren
Widerwillen gegen das Ministerium an den Tag legen, den Marschall
aber mit Achtung, jedoch ohne jede Spur von Anhänglichkeit
oder Herzlichkeit, empfangen. In Cherbourg wird der Marschall bei
seiner Abreise einen Kilometer weit von großen Massen mit fortdauernden
Hochrufen auf Thiers und Gambetta, auf die 363, auf
die Republik 2c. begleitet. Der Gesammteindruck gestattet dem Ministerium
fast keine Selbsttäuschungen mehr.
17. August. Der Minister Fourtou sieht sich genöthigt, in
einer Wahlrede in seiner Heimat Riberac das Ministerium ausdrücklich
dagegen zu verwahren, daß es ein „clericales“ sei.
18. Angust. Der „Figaro“ greift in einem Artikel, der dem
von 1871 her bekannten General Ducrot zugeschrieben wird, den
Kriegsminister Berthaut an. Der Scandal macht ungeheures Aufsehen.
— Derselbe Figaro, dem sich auch die Dupanloupf'sche Defense
anschließt, verlangt neuerdings die Verhängung des Belagerungszustandes.
20.—24. August. Kurze Session der Generalräthe. Die Regierung
hätte gewünscht, daß dieselbe schon am ersten Tage wieder
geschlossen würde, setzt dies aber nur in denjenigen durch, in welchen
ihr die Majorität angehört. Doch kommt sie im Ganzen noch so
leidlich ohne Scandal durch.
22. August. Der Herzog v. Broglie bleibt als Justizminister
nicht hinter dem Minister des Innern, Fourtou, zurück. Mit fieber-