Full text : Bismarck´s Glaube.

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der  in  sich  starke,  gottesgewisse  Mann  von  allen  menschlichen
Kanälen  und  Kuslegungen  sich  ab  und  dem  direkten  Ge—
betsverkehr  mit  Gott  und  dem  Worte  Gottes  zu,  das  er
als  eine  freie,  innerliche  Norm  seines  Lebens  sich  selbständig
auszulegen  gewöhnt  ist.  Wenn  das  für  die  Mehrzahl  gewiß
ein  gefährlicher,  zu  Selbsttäuschungen  veronlassender  Standpunkt
  ist  —  können  wir  uns  diese  auch  in  der  Religion  genial
starke  Dersönlichkeit  anders  denken  denn  als  Independenten?

Einige  wenige  Spuren  kirchlicher  Betätigung  lassen
sich  bei  dem  Minister  aufweisen.  In  Schönhausen  findet
sich  ein  altes  romanisches  Gotteshaus,  wohl  erhalten,
nomentlich  in  seinem  Keußeren  stattlich  2#);  daß  Bismarck
seiner  Wertschätzung  der  RKirche  als  heilsanstalt  etwa  durch
Renovation,  reichere  Detation  dieser  Kirche  Zusdruck  gegeben,
  wird  uns  nicht  berichtet.  In  Darzin  fand  Bismarck
keine  Kirche  25);  wer  da  eine  Predigt  hören  wollte,  mußte
nach  dem  eine  kleine  Stunde  entfernten  Wussow  gehen;
als  von  einer  Seltenheit  berichtet  der  Kanzler  denn  auch
seinem  Bruder  26):  „heut  war  ich  zur  Kirche;  ein  kluger,
etwas  liberaler  Dastor,  aber  doch  in  geistlichen  Grenzen
und  Sormen.“  Endlich  lesen  wir  in  Buschs  Kriegserinnerungen
  einmal,  was  allerdings  auf  öfteren  Kirchenbesuch
im  Selde  schließen  läßt  7),  „Der  Minister  blieb  heute  ungewöhnlich
  lange  im  Bette  und  ging  auch  nicht  in  die  Nirche.“
Ueber  sein  Derhalten  zur  Nirche  nach  seiner  Entlassung
und  in  Sriedrichsruh  hören  wir  gar  nichts;  auch  verlautet
aus  kirchlichen  Kreisen  Lauenburgs  nur,  daß  der  Fürst,
abgesehen  davon,  daß  er  den  Pastor  des  nächstgelegenen
Dfarrdorfes  Brunsdorf  zu  allen  LJamilien=  und  Kbend-