Full text: Staatsbürgerliche Belehrungen in der Kriegszeit. Band 2. (2)

VI. Fürsorge für die Kriegsteilnehmer 180 
vollendet hat, sein Gesamteinkommen jedoch mit Rente und Zulage den 
Gesamtbetrag von 600 M. nicht erreicht, kann ihm der an 600 M. fehlende 
Betrag als Alterszulage gewährt werden. Die Verstümmelungszulage, 
die Kriegszulage und die Alterszulage bleiben bei der Veranlagung zu 
Steuern und andern öffentlichen Abgaben jeder Art außer Ansatz. 
Die Rente beträgt für einen Gemeinen: 
bei einer Er-               mit        Kriegszulage                                               mit Verstümme- 
werbsbeschrän=          im Grundbetrag in Höhe von           lungszulage 
kung von: monatlich: 15 M                                                                von        27 M 
10%                                 4,50 M.         19,50 M 
20 %                               9.     M          24,    M 
40 %                               18.    M          35,    M 
50 %                               22,50 M         57,50 M                                               64,50 M. 
60%                                   27.    M           42,   M                                               69,     M 
80 %                                50,    M          51.    M                                                78,      M 
100 %                              45.    M             60,  M                                              87,     M 
Die erste Bewilligung der Rente gilt nicht für Lebenszeit, vielmehr 
kann sie nachträglich geändert, also sowohl herabgesetzt, wie auch erhöht 
oder ganz entzogen werden, wenn in den Verhältnissen, welche für 
die Bewilligung maßgebend gewesen sind, eine wesentliche Veränderung 
eintritt, wenn also der Gesundheitszustand sich bessert oder verschlimmert 
oder auch durch Übung oder Gewöhnung an den jetzigen Zustand die Be- 
schränkung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sich verringert. Ebenso wie 
bei der erstmaligen Bewilligung der Rente ist aber auch bei der Frage einer 
späteren Herabsetzung für die Festsetzung der Höhe des Prozentsatzes der 
Erwerbsunfähigkeit das tatsächliche Arbeitseinkommen, das der 
Invalide jetzt Rat, nicht maßgebend, sondern nur die Einbuße, die er 
an Erwerbsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt erlitten hat. 
Die Tatsache einer lohnbringenden Beschäftigung oder die Höhe des Ver- 
dienstes kann daher allein auch keine Änderung oder Entziehung der Rente 
begründen. Eine Anrechnung des Verdienstes auf die Rente ist unzulässig. 
Eine Änderung oder Entziehung der Rente kann nur bei wesentlicher 
Steigerung der Erwerbsfähigkeit, z. B. durch Änderung des körperlichen 
Zustandes eintreten. Die Kriegszulage und die Verstümmelungszulage sind 
aber solange fortzuzahlen, als der Versorgungsberechtigte in seiner Erwerbs- 
fähigkeit noch um 10 % geschädigt ist, so daß also die Entziehung dieser 
Sulagen bei irgendwie erheblich Geschädigten niemals in Frage kommt. 
Die Befürchtungen mancher Kriegsbeschädigten, sich durch Wiederaufnahme 
der Arbeit in ihren Rentenbezügen zu schädigen, sind also durchaus unbe- 
gründet. 
Das Gesetz hat zweifellos Mängel, die sich erst jetzt, wo es auf einmal 
in Hunderttausenden von Fällen zur Anwendung gelangt, zeigen. Der 
wesentlichste Fehler ist der, daß die Höhe der Rente sich nur richtet nach dem 
militärischen Dienstgrade des Beschädigten, aber nicht nach seiner früheren 
bürgerlichen Stellung und dem früher von ihm bezogenen Einkommen. 
Dadurch entstehen große Härten; ebenso bleibt im Gesetz die Größe der