250 Dr. Gertrud Bäumer
kammer des Armenamts und des Verbandes für Armenpflege und Wohl—
tätigkeit (Kriegsnotspende) über.“
Auch in der Bekleidungsfürsorge konnte, wie diese Beispiele zeigen, nur
etwas erreicht werden durch planmäßige Zusammenfassung aller privaten
Hilfsbereitschaft in eine Organisation, die Verarbeitung und Verteilung
übernahm und, indem sie die Bedürftigen versorgte, zugleich die damit
gebotene Arbeitsgelegenheit aufs beste ausnützte.
d) Wöchnerinnen- und Säuglingsfürsorge.
Weniger als auf anderen Gebieten bedurfte es der freiwilligen Liebes-
tätigkeit, um die Einrichtungen der Wöchnerinnen- und Säuglingsfürsorge
den Anforderungen des Krieges entsprechend auszugestalten. Hier hatten
bereits Staat und Gemeinde organisationen geschaffen, die nur ihre volle
Wirksamkeit zu entfalten brauchten. Ergänzend trat als die größte soziale
Schöpfung der Kriegszeit die Reichswochenhilfe hinzu, durch die jeder
Frau eines Kriegsteilnehmers eine ausreichende Versorgung während
des Wochenbetts gesichert ist. Alle diese Einrichtungen aber be-
durften der freiwilligen Kräfte zu ihrer Durchführung und der Er-
gänzung durch Hilfeleistungen, wie z. B. die Hauspflege, die Mütterberatung
u. dgl. Schon vor dem Kriege war hier ein Hauptfeld weiblicher Vereins-
betätigung. Insbesondere haben die vaterländischen Frauenvereine auf
dem Gebiet der Säuglingsfürsorge viel geleistet. Im Rahmen der Reichs-
wochenhilfe ergab sich eine Gelegenheit zur Mitarbeit sozialpflegerisch ge-
schulter Frauen durch die Gewährung von Stillprämien, die an den Nach-
weis geknüpft ist, daß der Säugling tatsächlich die mütterliche Nahrung
erhält. Für diese Überwachung haben sich in vielen Städten Frauen zur
Verfügung gestellt, die durch regelmäßige Besuche bei ihren Schützlingen
Gelegenheit haben, ihnen auch sonst beratend und helfend zur Seite zu
stehen. Mustergültig ist in dieser Hinsicht die Mitarbeit des Verbandes der
Osnabrücker Frauenvereine bei der Durchführung der Reichswochenhilfe.
Es ist eine besondere Kommission für diese Arbeit begründet. Die Stadt
ist in 14 Bezirke eingeteilt, an deren Spitze je eine Vorsitzende steht, die mit
einem Stabe von Helferinnen arbeitet. Jede Wöchnerin, die Reichswochen-
hilfe empfängt, wird ein oder zweimal wöchentlich besucht, nötigenfalls mit
Wäsche und Stärkungsmitteln versehen; es wird ihr eine Hauspflege ver-
mittelt oder auch, wo es notwendig ist, die Aufnahme in eine Entbindungs-
anstalt besorgt. Ähnlich wird in vielen andern Städten von den Frauen
gearbeitet. Wie bei der Ernährungsfürsorge, so ergab sich auch hier durch
den Krieg die Notwendigkeit der Ausgestaltung und Verstärkung bestehender
Einrichtungen. Wo noch keine Hauspflegevereine bestanden (Vereine, die
Wöchnerinnen eine Pflegerin zur Besorgung des Haushalts und der Kinder
stellen), wurden sie von der weiblichen Kriegshilfe geschaffen. Waren sie
doch um so notwendiger, weil die Frau bei Abwesenheit des Mannes oft
ohne jede häusliche Hilfe während ihrer schweren Zeit sein mußte. Aus
demselben Grunde war auch die Erweiterung oder Neueinrichtung von
Entbindungsheimen notwendig. Ein solches Heim schuf zum Beispiel ganz