Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Dritter Band.

Oktober.  91

von  Italien  und  von  euch  im  Auslande  sprechen,  nachdem  sie  gelernt  haben,
daß  Gott  denen  lohnt,  die  ihm  dienen,  und  nicht  denjenigen,  die  das  Volk
bedrücken  und  die  Rechte  der  Nationen  mißachten.  Wir  müssen  eine
starke  italienische  Monarchie  in  der  Freiheit  gründen;  die
Völkerschaften  werden  uns  dabei  mit  Ordnung  und  Eintracht
  beistehen.  Die  Nationalarmee  wird  stets  mehr  und  mehr  den
Ruhm  vermehren,  der  seit  acht  Jahrhunderten  das  Kreuz  Savoyens  umstrahlt.
  Soldaten!  ich  übernehme  das  Commando,  es  kostete  mir  zu  viel,
nicht  dort  der  erste  zu  sein,  wo  die  Gefahr  sein  kann“.

Tagsbefehl  an  die  Marine:  Soldaten  der  Marine!  Ihr  habt  euch
um  mich  und  das  Vaterland  wohl  verdient  gemacht.  Euere  Thaten  unter
den  Mauern  von  Ancona  sind  den  Erben  des  Ruhms  von  Pisa,  Venedig
und  Genua  würdig.  Soldaten!  die  Nation  sieht  mit  Stolz  auf  Euch.
Groß  ist  die  Bestimmung  der  italienischen  Marinel!“

5.  Okt.  Ankunft  der  sicilischen  Deputation  in  Turin,  um  Viktor  Emanuel
  zu  Besitzergreifung  Siciliens  einzuladen.

6.  Die  Regierung  Garibaldis  erklärt  die  Häfen  von  Messina  und
Gaeta  in  Blokadezustand.

6.  Eilnschiffung  von  sardinischen  Truppen  in  Genua  zu  direkter  Ueberfahrt
  nach  Neapel.

6.  Okt.  Die  sardinische  Regierung  theilt  dem  neapolitanischen  Gesandten

in  Turin  mit,  daß  die  sardinische  Armee  das  Königreich  beider
Sicilien  besetzen  werde  „in  Folge  der  thatsächlichen  Abdankung  des

Königs  Franz  II.  von  Neapel“.

Der  neapolitanische  Gesandte  in  Turin  protestirt  gegen  die  Besetzung
  des  Königreichs  Neapel  durch  sardinische  Truppen  und  verlangt
  seine  Pässe.

Note  des  Baron  Winspeare  anun  Graf  Cavour:  „Die  Besetzung
ist  eine  den  Grundlagen  jedes  Rechts  und  jedes  Gesetzes  so  offenbar  widerstrebende
  Thatsache,  daß  es  beinahe  unnöthig  erschiene,  sich  mit  der  Darlegung
  ihrer  Ungesetzlichkeit  aufzuhalten.  Die  Thatsachen,  welche  diesem
Einfall  vorausgingen  und  die  ebenso  alten  als  innigen  Bande  der  Verwandtschaft
  und  der  Freundschaft,  welche  zwischen  beiden  Kronen  bestanden,
machen  diesen  Einfall  zu  einem  so  außerordentlichen  und  neuen  Ereigniß
in  der  Geschichte  der  neueren  Staaten,  daß  das  hochherzige  Gemüth  des
Königs,  meines  erhabenen  Herrn,  dasselbe  für  unmöglich  ansah.
Die  feierliche  Protestation  desselben  in  Verbindung  mit  mehreren  Proklamationen
  und  mit  den  heldenmüthigen  Anstrengungen  unter  den  Mauern
Capuas  und  Gaetas  widerlegen  unbestritten  das  eigenthümliche  Argument
der  thatsächlichen  Abdankung,  welche  ich  erstaunt  war  in  Ihrer  Mittheilung
zu  lesen...  In  dieser  verhängnißvollen  Stunde,  in  der  ein  Staat  von
10  Millionen  Seelen  mit  den  Waffen  in  der  Hand  ddie  letzten  Reste  einer
bistorischen  Autonomie  zu  vertheidigen  bemüht  ist,  wäre  es  ein  müßiges
Beginnen  nachzuforschen,  durch  wen  diese  Revolution  so  gekräftigt  wurde,
um  zum  Koloß  heranwachsen  zu  können,  und  wie  sie  das  von  ihr  vorgenommene
  Zerstörungwerk  zum  größten  Theil  zu  vollbringen  im  Stande
war.  Jene  göttliche  Vorsehung,  deren  hochherzigen  Namen  Ew.  Erc.  anrufen,
  wird  in  Bälde  bei  Gelegenheit  des  letzten  Kampfes  ihr  Urtheil  aussprechen;
  aber  welches  auch  dieses  Urtheil  sei,  der  Segen  des  Himmels  wird
sicherlich  nicht  auf  die  herabkommen,  welche  sich  unter  dem  Vorgeben,  die
Ausführer  eines  göttlichen  Auftrags  zu  sein,  die  großen  Principien  der
soclalen  und  moralischen  Ordnung  zu  verletzen  anschicken.  Das  öffentliche
Gewissen  wird,  wenn  einmal  das  tyrannische  Joch  der  politischen  Leiden=