Volltext : Das Königreich Württemberg. Erster Band. (1)

Das  Herzogthum  Württemberg.  77

und  Künste;  er  gründete  (1765)  die  große  Bibliothek  in  Ludwigsburg
(später  in  Stuttgart)  und  errichtete  eine  Akademie  der  schönen  Künste  zu
Stuttgart  (1761),  die  es  jedoch  zu  keiner  längeren  Blütezeit  brachte,  sowie
die  Karlsakademie,  1770  auf  der  Solitude  gestiftet,  1775  nach  Stuttgart
verlegt  (Hintergebäude  des  Schlosses)  und  1784  zur  Hochschule  erhoben,
eine  Pflanzschule  von  Gelehrten,  Künstlern,  Geschäftsmännern  und  Kriegern.
Wenn  er  auch  in  der  späteren  Zeit  seiner  Regierung,  zumal  nach  dem
denkwürdigen  Manifest  an  seinem  51.  Geburtstage  (1778),  in  welchem  er
die  früheren  Mißgriffe  bereute  und  umsichtigere  Regierung  versprach,  noch
zu  manchen  Klagen  wegen  Aemterverkauf,  Jagdlasten  und  Wildschaden
Anlaß  gab,  so  war  diese  Zeit  doch  eine  der  glücklichsten  Perioden  des  Herzogthums
  Württemberg.  Es  herrschte  ungestörter  Friede;  der  Herzog  lebte  mit
seiner  zweiten  Gemahlin  Franziska  —  die  erste,  Elisabeth  Friederike  Sophie
von  Brandenburg,  hatte  sich  schon  1756  von  ihm  getrennt  —  meist  einfach
und  zurückgezogen  zu  Hohenheim;  die  Abgaben  waren  mäßig,  die  Verhältnisse
des  Staatsbürgers  sicher;  Künste  und  Wissenschaften,  sowie  Gewerbe  und
Handel,  Feldbau  und  Viehzucht  blühten  und  schritten  fort;  ein  allgemeiner
Wohlstand  herrschte,  und  die  Bevölkerung  hatte  sich  am  Ende  der  Regierung
  um  ein  Drittheil  vermehrt.  Auch  waren  in  der  fast  50jährigen  Regierung
  ansehnliche  Erwerbungen  gemacht  worden:  Stettenfels  und  Gruppenbach
  (von  den  Grafen  Fugger);  Ochsenberg  mit  Zaberfeld,  Michelbach,
Leonbronn  (von  den  Sternenfels);  die  Herrschaft  Justingen  (von  den  Freiberg);
  Altburg;  Großengstingen,  Neuhausen  und  Oedenwaldstetten  (von
Zwiefalten);  Theile  der  Grafschaft  Limpurg;  Ebersberg  (von  Schönthal);
Herrschaft  Bönnigheim  mit  der  Stadt  Bönnigheim,  Michaelsberg  u.  s.  w.
(von  Kurmainz);  Mühlhausen  an  der  Enz  und  noch  eine  Reihe  anderer
Dörfer  und  Dorfantheile.  Den  Streit  mit  Frankreich  über  die  zu  Mömpelgard
  gehörigen  burgundischen  Herrschaften  hatte  der  Herzog  1748,  die
Zwistigkeiten  mit  der  Ritterschaft  1754  ausgeglichen.

Gegen  Ende  der  Regierung  Karls  war  ein  neuer  Sturm  durch  die
französische  Revolution  ausgebrochen;  nach  der  im  Frühling  seines  Todesjahrs
  erfolgten  Kriegserklärung  des  Reichs  an  die  französische  Republik
mußte  er  noch,  kurz  vor  seinem  Tode,  Truppen  an  den  Rhein  marschiren
lassen.  Er  starb  zu  Hohenheim  und  wurde  neben  seinem  Vater  zu  Ludwigsburg
  beigesetzt.  Ihm  folgte  sein  Bruder

13)  Ludwig  Eugen  (1793—1795),  geb.  6.  Jan.  1734,  gest.
20.  Mai  1795.  Nachdem  er  in  früheren  Jahren  sowohl  unter  französischer
  als  unter  österreichischer  Fahne  gedient,  nahm  er  als  Herzog  den
lebhaftesten  Antheil  an  dem  Krieg  gegen  Frankreich,  veranstaltete  starke
Aushebungen,  rief  die  alte  Wehranstalt  der  Landmiliz  wieder  ins  Leben
(1794),  und  betrieb  (1795)  die  Aufstellung  eines  fünffachen  Kreiskon-