Full text : Blatter für Rechtsanwendung. XXV. Band. (25)

Bayern-Ingolstadt  unt.  Ludwig  VII,  d.  Gebarteten.  191

brecht  V),  der  seinem  Schwiegervater  Sigmund  in  seinen
sämmtlichen  Ländern  gefolgt  war  (1438—1439),  gebot  vergebens
Ruhe.  Ludwig  der  Höckerichte  griff  zuletzt  (1443)  Neuburg
  a.  d.  Donau  an,  eroberte  es,  und  nahm  seinen  Vater,  der
sich  eben  dort  aufhielt,  gefangen.  Bald  darauf  (7.  April  1445)
raffte  den  höckerichten  Ludwig  der  Tod  dahin.

Der  gefangene  Vater  kam  nach  Ansbach  in  die  Hände  des
Markgrafen  Albrecht  Achilles  von  Ansbach'),  des  Schwagers
  und  Kampfgenossen  Ludwigs  des  Höckerichten.  Albrecht
  Achilles  war  bereit,  den  alten  Ludwig  freizugeben,
wenn  ihm  sein  Aufwand  für  den  Krieg  ersetzt  und  seiner  Schwester
Margaretha,  der  Wittwe  des  Höckerichten,  ein  standesmäßiges
  Wittwenthum  ausgewiesen  wäre.  Auch  Heinrich  XVI
von  Landshut  forderte  Schadenersatz.  Aber  der  eigensinnige
Ludwig  wollte  von  keinem  Ersatze,  von  keiner  Anweisung  eines
Wittwengutes  hören.  Nun  zahlte  Heinrich  von  Landshut
dem  Markgrafen  Achilles  32,000  Gulden,  wies  der  Wittwe
neun  Schlößer  an  und  bekam  dafür  (13.  August  1446)  den
gebarteten  Ludwig  als  Gefangenen  und  sein  Land  zur  Verwaltung.
  Der  Greis,  den  Heinrich  XVI  nach  Burghausen
bringen  ließ,  ward  durch  solches  Mißgeschick  nicht  nachgiebiger.
Sein  unbeugsamer  Sinn  erregte  Bewunderung,  sein  hohes  Alter
erwarb  ihm  Mitleid.  Man  verwendetete  sich  für  seine  Befreiung.
Ehe  diese  kam,  starb  er  (in  der  Nacht  vom  ersten  auf  den  zweiten
Mai  1447),  ohne  die  Lossprechung  vom  Banne  erwirkt  zu  haben.
Sein  Leichnam  wurde  in  größter  Stille  im  Kloster  zu  Raitenhaslach
  beigesetzt.  Seine  ganze  Landschaft  ward,  da  Ludwig
der  Höckerichte  nur  eine  Tochter,  Katharina,  hinterlassen
hatte,  von  Heinrich  XVI  von  Landshut  in  Besitz  genommen.
Margaretha,  die  Wittwe  Ludwigs  des  Höckerichten,  gab,  als
bald  darauf  ihr  Töchterchen  Katharina  starb,  ihr  Wittwenland
an  Heinrich  XVI  von  Landshut  zurück  und  verehelichte  sich
(14487)  heimlich  mit  ihrem  Oberhofmeister  Martin  von

 

*)  Dieser  Albrecht  Achilles  von  Ansbach  war  des  Kurfürsten
Friedrich  I  von  Brandenburg  drittgeborner  Sohn,  der  1471  die  Kurwürde
Brandenburgs  erhielt.