92 Geringer Wert Luxemburgs für Preußen. Frankreich und die russische Kongreßidee.
Nikolsburg, den 31. Juli 1866.
Sw. pp. gefälliger vertraulicher Bericht Ar. 48 vom 24. Juli, die künftige Stellung
Luxemburgs betreffend, ist mir hier zugegangen.
Für den Augenblick liegt noch keine Veranlassung für uns vor, auf die darin behan-
delten FSragen näher einzugehen. Sch bemerke daher nur zu öbrer eigenen Orientierung,
daß wir unjererseits auf eine Erwerbung Luxemburgs keinen Wert legen. Die Bevöl-
Kerung des Landes ist der unfrigen wenig bomogen. Auch die Sestung Luxemburg ist
nach dem Urteile sachverständiger Militärs nicht von derjenigen hervorragenden strate-
gischen Bedeutung, daß ihr Besitz durch das Aufgeben anderer Vorteile erkauft werden
müßte und nicht durch andere strategisch wichtigere Dunkte in unseren benachbarten Lan-
desteilen ausgewogen werden könnte.
Ebenso bemerke ich zu öhrer Orientierung, daß die Unterscheidung zwischen Limburg
und Luxemburg in betreff ihrer Verbältnisse zum Bunde nicht begründet erscheint. Beide
haben integrierende Teile des alten Bundes gebildet; die niederländische Regierung hat
durch ihr Zögern den günfstigen Augenblick versäumt, das Ausscheiden Limburgs aus dem
Bunde vor der Auflösung des letzteren perfekt zu machen. Nachdem diese Auflösung statt-
gefunden, wird das künftige Berhältnis dieser beiden Teile in gleicher Weise Gegenstand
der Verhandlung und Verständigung sein müssen.
*15. Telegramm an das Miniskerium der auswärtigen Angelegenheiten.
„ von der Hand des Legationsrats Graf von Bismarckh- Bohlen.)
on Bismarck u liminc abgewiesene russische Anregung eines europäischen Kon-
gresler i6ooo“ Ar. 511) hatte nirgends Anklang gefunden; auch die noch am entgegenkommend-
sten lautende remescche Antwort (ogl. die h 0t Grouyn de Lhuys“ an die franjösischen
Vertreter in Petersburg und London vom 28. Juli, Les Origines Diplomatiques, XI. 263 s.)
lief keineswegs in eine formelle Annahme des Kongreßoorschlages aus, wurde jedoch in
Petersburg als jolche gedeutet.
Nikolsburg. den 31. Juli 1866.
Für Graf Goltz, Paris. labgegangen am 1. August.)
Herr von Schweinitz; telegraphiert folgendes: „Kaiser sagt: er habe die Initiative um
Kongreß (in Paris) ergriffen, könne nicht zugeben, daß die unter Mitwirkung aller geord-
neten Verhältnisse durch Preußen und Österreich allein umgestaltet würden. Aapoleon
habe zugesagt, bemerkt, ihm wäre Baden lieber gewesen. Sch betonte die hierbei erhöhten
Schwierigkeiten für Ew. Majestät, dem Drängen der Vation zu widerstehen.“
Die Behauptung, daß Srankreich darauf eingegangen, ohne sich mit uns in Bezug zu
setzen, überrascht mich. Ew. Exzellenz wollen dem Kaiserlichen Kabinett keinen Sweifel
lassen, daß wir, wenn man uns das Sugesagte verkümmern will, den Handschuh aufnehmen,
und wenn wir nicht befriedigende Jusicherungen erhalten, mnächst einen neuen Vertrag mit
Italien zu schließen suchen, der weitere Siele steckt, und auch, wenn Frankreich seine uns
gegebenen Sujagen nicht hält, uns an die Mainlinie nicht binden werden.“ Herrn von
gramm Schweinitz' vom 2 Juli an König Wilbelm I. Vgl. dazu Denkwürdigkeiten des Bot-
thesere. rö# r. Scbweinig, G rr 5n
einem Celegramm des Grafen von der Goltz vom 2. Auguft hätte Srankreich an diesem Tage
den * 2½ abgelehnt. Catsächlich ist das nicht gescheben; Drouyn de Lhuys lieh es bei der om 28. dem
franzjölischen r WFG in Petersburg signalisierten Haltun. bewenden. Vgl. sein Celegramm an Benedetti
vom 2. Augufst (Les Origines Diplomatiques, XI. 348), an den (Drinfen La Tour d'Auvergne in London
vom 3. (a. a. O., p. 361 S.).