Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

Ablchluß der Auseinandersetzungen über Notbuch Nr. 3. 133 
Schritt des Wiener Kabinettes nicht an die Offentlichkeit gelangen möge, als gang seiner 
Ansicht entsprechend bezeichnet hat. Wir haben uns demgemäß verhalten und sowohl über 
jene Mitteilung vom 28. März als über die Erläuterungen zu der Entstehung und die 
defensive Aatur der Schutz- und Trutzbündnisse, die Ew. pp. dem Herrn Neichskanzler 
mündlich u geben durch den Erlaß vom 5. April' ersucht waren, Schweigen beobachtet. 
In dieser Haltung sind wir verbarrt, auch nachdem die Depesche vom 28. Mär; in dem 
Rotbuche Nr. 1 veröffentlicht worden war. Erst als wir aus den Berichten über die dies- 
jährigen Delegationssitzungen unerwarteter Weise entnehmen mußten, daß Graf Beuft 
unser Schweigen als eine Zustimmung zu den in der Depesche vom 28. März enthaltenen Be- 
trachtungen interpretiert und verwertet habe, durften wir es nicht unterlassen, vor der 
öffentlichkeit, der Außerungen des Herrn Reichskanzlers in den Delegationen nicht fremd 
bleiben können, daran zu erinnern, daß wir weder durch die Depesche vom 28. März 1867, 
die keinen Protest formulieren und keine Konsequenzen ziehen will, noch sonst in die Lage 
versetzt worden waren, das Verhältnis der Schutz- und Trutzbündnisse u dem Prager 
Grieden diskutieren zu müssen. Wir würden auch künftig nicht umhin können, Berufungen 
an die Öffentlichkeit vor demselben Sorum zu beantworten“. 
Daß der Herr Neichskanzler es ablehnt, Interpellationen über seine Außerungen im 
Schoße der Volksvertretung zu beantworten, finde ich vollkkommen berechtigt, ebenso be- 
rechtigt wie, daß diejenigen, die bei den Außerungen interessiert sind, den Versuch machen, 
über dieselben authentisch informiert zu werden. Sch kann es daher auf sich beruhen lassen, 
welches „geflügelte Wort“ des Grafen Bismarck der Herr Aeichskanzler im Sinne gehabt, 
und ob dasselbe gleichfalls eine Aussage über das Verhalten einer fremden Aegierung 
enthalten hat. 
1431. Drlvatschrelben an den Staatsminister von Roon. 
[Cigenhändig.) 
In einer Sitzung des Staatsministeriums vom 19. August 16869 war Voon in der Srage, 
ob die Marinebeamten nach Artikel 53 der Bundesverfassung lediglich als Bundesbeamte oder 
als preußische anmusehen seien, und ob sie gleich den preuhischen Militärbeamten auf Sreibeit 
von den Kommunalabgaoben Anspruch hätten, überstimmt worden. Roons „preußisches Pflicht- 
: Siehe Vd. VI, Ar. 747. , 
Im Zufammenhang mit den durch das neue österreichische Rotbuch und durch Graf Beufts Dele- 
hationsreden hervorgerufenen Expektorationen und mit dem in den Reichstagsverhandlungen vom 22. April her- 
vorgetretenen Bedürfnis der deutschen Öffentlichkeit nach ausreichender Orientierung über die auswärtige 
Politik hat sich Bismarcke in Varzin mit dem Sedanken getragen, periodisch Rechenschaftsberichte über den 
ang der auswärtigen Geschäfte ausarbeiten zu lassen. Bucher schrieb darüber am 29. September an 
Tbile: „Der Minister sagte, er wünsche, daß Herr Geheimrat Abeken aus unserer Korrespondenz mit 
Nom und aus dem, was sonst im Laufe des Jahres vorgekommen, einen Aechenschaftsbericht über den Ver- 
lauf der Geschäfte musammenstelle ols Vorlage für den Reichstag, der wohl etwas über Dolitik würde wissen 
wollen. Aicht ein Blaubuch oder Notbuch; als Waffe für die Hublizistik.“ Am 30. September fügte Bucher 
nach: „Ich habe heute schon die 9ewünschte Gelegenheit gefunden, den Herrn Chef um eine nähere Auherung 
über die Vorlage für den Reichstag ju bitten. Ganz reif, sagte er, sei der Gedanke bei ihm noch nicht. Der 
formelle Sweck würde sein, als Einleitung zu dem auswärtigen Budget zu dienen. Stoff würde auher „der. 
römischen Sache“ (er bediente sich heute nicht des Ausdrucks: Schriftwechsel mit Nom), das Verbältnis zu 
den süddeutschen Staaten liefern. Die Schriftstücke sollten nicht in extenso mitgeteilt, sondern gerade die 
Vorzüge einer umfassenderen ÜUbersicht vor den Beuftschen Notbüchern anschaulich gemacht werden. Auch 
die Kontroverse, die sich gerade an diese Rotbücher geknüpft habe, werde liu behandeln sein!. Die pLroße 
Schwierigkeit einer solchen Arbeit liege darin, daß ein gefärbtes Urteil zu vermeiden sei; indeffen werde sich 
doch wohl eine Form finden lassen. Das Beste werde es sein, mit einer einzelnen Materie einen Versuch zu 
machen. — Wir dürfen hiernach wohl noch auf weitere Auherungen rechnen. Ich habe aber nicht ver- 
läumen wollen, Eure Enzellenz über die WMeditation des Herrn Cbefs au courant m balten.“