Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

380 Bismarck fährt dem Könige entgegen. Mobilmachung Frankreichs. 
einleuchtend. Moltke und Voon lind beide für Mobilmachung der gonzen Armee. Ubrigens will 
Bismarck der partiellen Mobilmachung die vollständige nach 48 Stunden folgen lassen“. Deutscher 
Liberalismus im Jeitalter Bismarcks, ed. J. Heyderboff, I, 471 f. Normann wird jeine Ken#nne 
lweifellos vom Kronpri#zen erbalten haben, dem Bismarck von seiner Absicht, dem Könige mit 
Roon und Mollke bis Brandenburg entgegenzufahren, MUAitteilung machte, und der dann an der 
- teilnahm. ach dem Tagebuch des Kronprinzen (Das Kriegstagebuch von 1870)/71, 
O. Meisner, S. 4) hätte der König, der auf der Weiterfahrt von Brandenburg nach 
S#. den Vortrag' Bismarcks entgegennahm, anichts Wesentliches L#een die Dringlichkeit einer 
iu befehlenden Mobilmachung einwenden können“, aber erst auf dem Bahnbof in Berlin, nachdem 
er hier von Thile die Nachricht erhalten, daß der Krieg in Paris durch Ollivier bereits grä 
sei, (ogl. dam Ar. 1639) zu Bismarck, Roon und Moltke gesagt, „nunmehr müßte wohl da 
Vii. und Vlll. Armeekorps mobil gemacht werden, da cherlich die Sranzosen nach 24 Ebandes 
vor Moinz; eintreffen würden“. Man wird in den kronprinzlichen Angaben eine indirekte 
Bestätigung der Aormonnschen WMitteilung zu erblicken haben, dah Bismarck noch am 15. Juli 
munächst nur eine partielle Mobilmachung wollte. Es wäre das wirklich nach der französischen 
Lelamtwobilmochung vom 14. Juli (ogl. dazu Ar. 1630) eine Mähigung gewesen, die beweisen 
würde, daß Bismarck selbst in diesem Moment noch nicht alle Brücken abbrechen wollte. Sollte 
Vismarck darauf gerechnet baben, daß auf einen gsolchen Beweis der Mähigung bin die 
zvolllche Rpierung mit dem vollen Gewicht ihrer Macht einen Druck auf Srankreich aus- 
üben würde 
Berlin, den 15. Juli 1870. 
Ich fahre etwa halb 6 mit Extrazug nach Brandenburg. Bitte um Begleitung oder 
Ordre-Entwürfe. 
1630. Telegramm an den Botschafter in Darls Freiherrn von Werther. 
[Eigenbändiges Konjept.] 
In der Nacht uum 15. Juli hatte Werther eine Meldung des Militärattachés Graf 
—““ is Wbiert. die den Beginn der französischen nobilmachung feltstellte: „Cine 
Defrürung von Neservearmeen und Mobilisierung von Garden hat tattgefunden, in welchem 
Umfange, Inr Stunde noch nicht zu ibbereen Tatsächlich * in Daris, nachdem aus Ems 
die letzten zieune Benedettis über die Ablehnung der framzölischen Garantieforderung seitens 
König Wilhelms und aus Berlin die Meldung Le Sourds über die Jeröftentllchung der 
„Emser Dehilbe eingelaufen waren, am Mittag des 14. Juli unter dem Vorsitz Kaiser 
Napoleons III. ein Ministerkonseil mssammengetreten, der nach langer Beratung den Beschluß 
Jur sofortigen Einberufung der Relerven fahte. Waßhgebend dafür scheint vor allem die 
Erklärung des Kriegsministers Le Boeuf gewesen zu sein, dab Dreußen bereits mit den Rüstungen 
begonnen habe — eine Bebhauptung, die vollkommen unbegründet war —, und daß man teinen 
Augenblickt mehr zögern dürfe, wenn man A#ct überflügelt werden wolle. Vgl. dazu: E. Ollivier, 
L’Empire libéral, XIV, 358 ss. Wie Waldersee in seinen Denkwürdigkeiten (I. 77) erzäblt, 
erlangte er von dem Mobilmachungsbeschluh schon drei Stunden nachber durch einen Agenten 
Kenntnis, jedoch fühlte er sich seiner Sache noch nicht ganz sicher und wählte daber für seine 
Meldung eine vorsichtige Sassung. Bismarck, der nlchsch die schwerwiegende Bedeutung der 
M-eldung sofort erfahte, fand den Wortlaunt nicht klar genug, um darauf schon Beschlüsse zu 
fallen, und fragte dober erst nach Daris zurück. 
Berlin, den 15. Juli 1870. 
lur Station: 120 nachm.) 
Telegramm 68 entziiffert, aber Wort-Bedeutung unklar. Was ist unter Neserve- 
Armeen ulnd) was unter Garden darin verstanden? 
KR. H. Lord, The Origins of the War of 1870. p. 252. 
*1631. Telegramm an den Gesandten in Darmstadt von Wentzel. 
[Cigenbändiges Konzept.] 
Aach einem ausführlichen Berichte Wentels vom 13. Juli hatte ihm der bessische Mlnister 
rt, daß d b deuͤtsch- ischen K 
——t-busr