Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

542 Bismarcks Antwort an Ernst II. von Sachsen-Koburg-Gotha. 
herigen Bundes in ein Deutsches Veich eingereicht, die das Hauptgewicht auf die Wieder- 
berstellung der Voserüde egte. Der Cext der Denkschrift ist in der auptsache in den 
Erinnerungen des Herjogs (Aus meinem Leben und aus meiner Zeit, III, 663 ff.) mitgeteilt, doch 
fehlt u. a. ein Abschnitt, in dem die Ersetzung des Bundesrats durch Reichsministerien und dle 
Einfübrung eines Oberhauses, bestebend aus r Teichsfürsten oder ihren Vertretern und aus 
den Deleglerten der Landtage, vorgeschlagen wird. 
Versailles, den 12. Oktober 1870. 
Cuere Hoheit haben die Snade gebabt, mir ein Schriftstückl zugehen zu lassen und eine 
Besprechung desselben zu wünschen. Von der letzteren bitte ich bei der steigenden lber- 
bäufung mit Geschäften, welche meine Kräfte absolut übersteigt, mich für jetzt gnädigst 
dispenlsieren zu wollen, und dies um so mehr, als ich versichern kann, daß alle in dem Memoire 
enthaltenen Gedanken, mit einer demnächst zu erwähnenden Ausnahme, seit langer Zeit die 
meinigen und seit dem Beginn dieses Krieges fast ohne Einschränkung in der Ausführung 
begriffen sind. Die Ausnahme betrifft die von Ew. pp. angedeutete Organisation eines 
Reichsrates und die Einführung von Aeichsministerien an Stelle des Bundesrates. Sch 
würde Ew. pp. dankbar sein, wenn Sie diese meiner Überjeugung nach dem in gutem Gort- 
schritt begriffenen Werke absolut hinderlichen Gedanken auch Sbrerseits wollten einftweilen 
in den Hintergrund treten lassent. SIch meinerseits bin mir der Gefahren, welche dieselben 
für das Gelingen der übrigen Gestaltungen haben würden, m sehr bewußt, als daß ich nicht 
gegen jede Voraussetzung der Solidarität meine nach Bedürfnis öffentliche Berwahrung 
einlegen müßte. 
1861. Erlaß an den Gesandten in Karlsruhe 
Grafen von Flemming. 
[Kontept von der Hand des Dräsien te des Bundeskanzleramtes 
Delbrüch.) 
Versoailles, den 12. Oktober 1870. 
Der von Sw. pp. in Ihrem gefälligen Berichte vom 3. d. M. Nr. 48 in Aussicht gestellte 
Antrag der Großberzoglich Badischen Regierung auf den Eintritt des Großberzogtums in 
1 Über die Gründe, aus welchen Bismarck der Einführung eines Oberhauses und verantwortlicher 
Reichsministerien widerstrebte, hat er sich wenig später gegen R. v. mnnigsen und gegen den Kronprinzen 
dabin ausgelassen, dah es vor allem die Rück 166 auf die füddeutschen Fürsten sei, die ihn von dem einen 
wie dem anderen absehen losse. Ausdrücklich hat Bismarck erklärt: „Sollten die deutschen Sürsten selbst 
oder auch der Reichstag mit äbnlichen Vorschlägen hervortreten, so werde er selbstverständlich denselben seine 
Teilnahme nicht versagen.“ Das Kriegstagebuch des Kronprinzen, ed. H. O. Meisner, S. 182, 186. Daß 
Vismarck seinen bisherigen prinjipiellen Widerspruch in der Frage verantwortlicher Aeichsministerien nicht 
à tout prix aufrechtzuerbalten willens war, bestätigen auch Außerungen A. Delbrücks zu E. Lasker von 
Anfang Cktober, ogl. E. Laskers Brief an R. v. Bennigsen vom 6. Oktober. Deutsche Neoue, Juni 1892, 
S. 310: „Das verantwortliche Ministerium 14 unsere Aegierung einzuräumen bereit. und wenn der Süden. 
darauf Gewicht legt, so würde die dortber kommende Anregung als doppelter Gewinn erscheinen.“ Auch 
den Konjervativen gegenüber, die eben damols das Oberhaus (Staatenhaus, und das verantwortliche Aeichs- 
ministerium in ihr Drogramm aufjunehmen planten, scheint Bismarch balbwegs sein Sinverständnis in Aus- 
sicht gestellt zu haben, ogl. Ed. Laskers Schreiben an Vennigsen vom 26. September: „Das Merkwürdigste 
ist die Nachricht, doh die Konseroativen das verantwortliche Ministerium wünschen und Bismarck darauf 
eingeben will“. Aus Eduard Laskers Nachlah, a. a. O., S. 184. Kronprinken erfahren wit wieder 
mm 1. Rovember (Kriegstagebuch. S. 193): „Gra Bismarck soll nich aun abgeneigt Bewesen sein, dem 
Gedanken eines Staatenhauses näherjutreten, umal Herr von Blanckenburg, den er bierher berief, und welcher 
vom konfervativen Standpunkt aus jenen deutschen Fragen ugeten ist, ibnn. Tortrag #ber dieselben gebalten 
hat.“" Zu Blaonckenburgs Verufung ins Hauptauartier vgl. Rr. oss und G. Aitter, Die preubischen Konfer- 
vativen und Bismarckhs deutsche Politik. S.37 ff.