Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

602 Bismarcks Schreiben an Ludwig II. Beschlehung von Paris. 
ich die hochhersigen Entschließungen zu würdigen berufen bin, durch welche Eure Mojestät 
bei dem Beginn und bei dem bevorstehenden Ende dieses großen Rational-Krieges der Einig- 
keit und der Macht Deutschlands den Abschluß gegeben haben. Aber es ist nicht meine, 
sondern die Aufgabe des deutschen Volkes und seiner Geschichte, dem durchlauchtigen Bai- 
rischen Hause für Curer Mojestät deutsche Holitik und für den Heldenmuth Shres Heeres zu 
danken. Sch kann nur versichern, daß ich, so lange ich lebe, Curer Moajestät in ehrfurchts- 
voller Dankbarkeit anhänglich und ergeden sein und mich jederjeit glücklich schätzen werde, 
wenn es mir vergönnt wird, Eurer Majestät zu Diensten sein zu können. 
Bezüglich der deutschen Kaiserfrage ist es nach meinem ehrfurchtsvollen Ermessen vor 
allem wichtig, daß deren Anregung von keiner andern Seite wie von Curer Miojestät und 
namentlich nicht von der Volksvertretung zuerst ausgehe. Die Stellung würde gefälscht 
werden, wenn sie ihren Ursprung nicht der freien und wohlerwogenen Initiative des mäch- 
tigsten der dem Bunde beitretenden Sürsten verdankte. Ich habe mir erlaubt, dem Grafen 
Holnstein den SEntwurf einer etwa an meinen allergnädigsten König und, mit den nöthigen 
Aenderungen der Sassung, an die anderen Verbündeten zu richtenden Erklärung auf seinen 
Wunsch m übergeben. Demselben liegt der Gedanke zu Grunde, welcher in der That die 
deutschen Stämme erfüllt: der deutsche Kaiser üst ihr Landsmann, der König von 
Preußen ihr Rachbar; nur der deutsche Titel bekundet, daß die damit verbundenen Rechte 
aus freier Uebertragung der deutschen Fürsten und Stämme hervorgehn. Daß die großen 
Gürstenhäufer Deutschlands, das Preußische eingeschlossen, durch das Vorhandensein eines 
von ihnen gewählten deutschen Kaisers in ihrer hohen europäischen Stellung nicht beein- 
trächtigt würden, lehrt die Geschichte. 
In tiefer Ehrfurcht ersterbe ich Eurer Majestät untertänigster treugehorsamster Diener 
v. Bismarck. 
Faksimile-Druck: Louise von Kobell, König Ludwig II. und Fürsk Bismarck im Jahre 1870. 
*1933. Immedsatberlcht. 
[Konfzept von der Hand des Vortragenden Rats Abeken.) 
Nachdem mit dem Abschluß der süddeutschen Verträge und der Absendung des „Kaiser- 
briefes“ nach München in der deutschen Frage für Bismarck eine kurze Atempaufe eingetreten 
war, suchte er sofort in der Frage der Doschiehung von Paris (ogl,. dam Ar. 1920), deren 
Hineusziehen ihn mit steigender Ungeduld erfüllte, eine grundsätzliche Entscheidung berbeizuführen. 
aß der Bundeskanzler schon am 22. Rovember dem Könige in der Angelegenbeit einen gent- 
Tcheidenden - ehalten hätte (H. v. Müller, Die Kätigkeit der deutschen S#tungsertillerte ... 
ĩ 
Ichen Krieg 1870/xI, IV, 51, 67 .; W. Busch, Das deutsche Grohe Haupt- 
ekömpfung von Paris, S. 60. Anm. 1), ist sicher unrichtig; hat Bĩsmarck 
doch gerade am Abend des 22. neis Gattin geschrieben: ob der König von den Sntrigen gegen 
ltter, icht d liehen, daß er kurj vorher einen großen Vorstoß beim 
blätter, I, 424, 430) Leten nicht darauf sch ichen, dabe et * 0 7 6 * s0 *n 
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