Neuere oberſtrichterlihe Erkenntniſſe. 73
allgemeinen Rechtömittel des interd. uti possi-
detis aber wird das Vorhandenſein einer bona
fides als ein auf die Verbeſcheidung dieſer Beſiß-
ſtörungsklage weſentlichen Einfluß übender- Umſtand
nicht betrachtet. Weſentlich für die Begründung des
Rechts auf das eben erwähnte Interdikt iſt vielmehr
nur die possessio des Klägers und die mit dem
Faktum der Turbation verbundene Anmaßung. Das
Vorhandenſein einer böſen Abſicht oder einer Argliſt
des Beklagten wird zur Begründung de8 vom Klä-
ger geltend gemachten Rechts auf Schup im Beſike
nicht erfordert (Seuffert, Pand. 8. 412; Puchta,
Pand. 9. Aufl. 8. 133; Savignya. a. O. S,. 472,
477-479; Bruns, R. des Beſ, S. 39, 46-49,
53). Urth. v. 16. Dez. HVNr. 5229.
Erwerb der Servitut des Waſſerbezugs
aus einer Ciſterne. Rec<ht38aus8übung,
causa perpetua. Auf einer Wieſe des S. be-
findet ſich ein ciſternartiges Behältniß, worin ſich
Waſſer ſammelt, und nahm B. das Recht in An-
ſpruch, aus jenem Behältniſſe das für ſein Anweſen
nöthige Waſſer zu ſchöpfen , und fragte es ſich, ob
nicht dieſer Anſpruch unbegründet ſei de8halb, weil
nac< Zeugenau8ſagen B. und ſeine Beſißvorfahrer
jenes Behältniß in der irrthümlichen Meinung be-
'nükten, es ſtehe dasſelbe in ihrem und des Wieſen-
beſißer8 Miteigenthum , und weil das im gedachten
Behältniſſe ſich ſammelnde Waſſer nicht einer leben-
digen Quelle entſpringt, ſondern Grund- und Regen-
waſſer iſt. Hierüber bemerkte das Obrſt, LG.:
: Für den Erwerb von Servituten durch Erſiß»
ung ſei Betreffs der Willensrichtung, welche Sei-
ten8 des Erwerbenden vorhanden ſein müſſe, nach
heutigem Rechte neben der Abſicht, au8zuüben, mehr
nicht erforderlich, al8 daß der Erwerbende in gutem
Glauben geweſen ſei, d. h. die redliche Ueberzeug-
ung gehabt habe, daß er in der Aneignung der Sache